War der ehemalige Schalker Trainer nach seinen Aufbau-Missionen in Hoffenheim und Leipzig ernsthaft an der wohl schwierigsten Aufgabe seiner Karriere interessiert? Oder war er nur ein Spielball in einem Machtkampf, der den Verein zu zerreißen droht?
Eine Absage noch vor dem ersten persönlichen Treffen, nach einem „konstruktiven, offenen und vertrauensvollem Gespräch“ mit dem Berater, wirft viele Fragen auf. Die Begründung „aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten innerhalb des Vereins“ erst recht. Dass Schalke hochverschuldet ist, und intern ein Machtkampf tobt, sollte Rangnick klar gewesen sein.
Über seine Beweggründe lässt sich nur spekulieren. Dass er mit der Nachfolge von Bundestrainer Löw in höchstem Maße liebäugelt, hat er selbst gesagt. Durch alternative Angebote mögliche Interessenten unter Druck zu setzen, ist eine beliebte Strategie. Für Schalke ist das Rangnick-Theater eine Katastrophe. Die öffentliche Schlammschlacht zwischen der Klubführung um Aufsichtsratschef Jens Buchta und der Opposition um Eurofighter Ingo Anderbrügge, die offiziell keine Opposition sein will, erschwert die Planungen für die 2. Liga und den dringend notwendigen Wiederaufstieg.
Gutes Personal – für die sportliche Leitung und die Mannschaft – wird nur schwer von einem Engagement zu überzeugen sein, wenn der Verein nur noch als Lachnummer, Skandalnudel und Chaos-Klub wahrgenommen wird. Mit einer Führung, die dem brutalen Absturz, so der weitverbreitete Vorwurf, tatenlos zuschaut. Mit 240 Millionen Euro Schulden, die die Möglichkeiten extrem einschränken. Und mit einem Machtvakuum nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies, in das jetzt – mit durchaus fragwürdigen Mitteln – oppositionelle Kräfte stoßen wollen. Schalke verliert derzeit nicht nur auf dem Spielfeld. (sid/tf)

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