Keine Segnung homosexueller Paare: Antwerpens Bischof schämt sich für „seine Kirche“

<p>Kritisierte die jüngste Mitteilung der Glaubenskongregation im Vatikan: Bischof Johan Bonny.</p>
Kritisierte die jüngste Mitteilung der Glaubenskongregation im Vatikan: Bischof Johan Bonny. | Foto: belga

Bonny empfindet vor allem intellektuelles und moralisches Unverständnis. „Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, für die dieses Schreiben schmerzlich und unverständlich ist: bei gläubigen und katholisch engagierten homosexuellen Paaren, bei Eltern und Großeltern von homosexuellen Paaren und deren Kindern, bei pastoralen Mitarbeitern und Seelsorgern von homosexuellen Paaren. Ihr Schmerz für die Kirche ist heute meiner.“

Die katholische Kirche hatte am Montag mitgeteilt, dass sie sich nicht befugt sieht, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Die Klarstellung der Glaubenskongregation im Vatikan hat im Anschluss für große Aufregung in der Kirche gesorgt. In dem sogenannten „Responsum ad dubium“ („Antwort auf einen Zweifel“), das mit der Zustimmung von Papst Franziskus veröffentlicht wurde, heißt es, Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Die Glaubenskongregation wies ferner darauf hin, dass sie sich auf „die Wahrheit des liturgischen Ritus“ bezieht und das Schreiben keine Diskriminierung ist oder sein soll. Außerdem könne einzelnen Menschen mit homosexuellen Neigungen der Segen durchaus gespendet werden. Unzulässig sei aber jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkennt.

Laut Bischof Bonny fehlen dem „Responsum“ die positiven Ansatzpunkte der Synode über Ehe und Familie, an der er als Vertreter der belgischen Bischöfe im Oktober 2015 teilgenommen hat, erklärte er im VRT-Rundfunk. „Dem vorliegenden Schreiben fehlt die seelsorgerische Sorgfalt, die wissenschaftliche Fundierung, die theologische Nuancierung und die ethische Strenge, die bei den Synodenvätern, die damals die endgültigen Schlussfolgerungen verabschiedeten, vorhanden waren“, so Bonny: „Das Dokument sei kein Beispiel dafür, wie wir einen gemeinsamen Weg gehen können.“

Bonny fürchtet ob seiner Aussagen eine mögliche Sanktion des Vatikans nicht: „Das werden wir dann sehen. Zu bestimmten Zeiten muss man Verantwortung übernehmen. Als Bischof von Antwerpen bin ich verantwortlich für die Glaubwürdigkeit des katholischen Episkopats in unserem Land. In Anbetracht dieser Verantwortung habe ich keine andere Wahl, als zu antworten.“

Unterdessen will eine Gruppe von mehr als 300 liberalen Seelsorgern in Österreich das vatikanische Verbot von Segnungen homosexueller Partnerschaften ignorieren. „Dieses Dekret stößt viele Christinnen und Christen vor den Kopf und vernebelt und diskreditiert die befreiende Botschaft Jesu“, schrieb die als Pfarrer-Initiative bekannte Bewegung am Dienstag in einer Stellungnahme. Die Priester und Diakone der Initiative kündigten an, auch weiterhin den Gottes Segen für die Liebe zwischen Homosexuellen in Gottesdiensten zu feiern. „Eine Theologie auf der Höhe der Zeit begründet diese verantwortliche Praxis“, betonten sie. Die Pfarrer-Initiative veröffentlichte bereits im Jahr 2011 einem „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem sie unter anderem die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern als Priester forderten. (mv/belga/dpa)

Kommentare

  • Endlich nochmals einer der Klartext spricht! Für diese Kirche kann man sich wirklich nur noch schämen. Dieser Altherrenverein hat aus den ganzen Skandalen offensichtlich immer noch nichts gelernt! Sie ist mittlerweile längst ein Auslaufmodell und hat es offensichtlich selbst immer noch nicht mitbekommen! Quo vadis?

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