Pokal-Halbfinale und Aufstiegsrennen: Holstein Kiel lebt „zwei Träume“

<p>Holstein Kiel schaffte am Mittwoch den historischen Einzug ins Pokalhalbfinale.</p>
Holstein Kiel schaffte am Mittwoch den historischen Einzug ins Pokalhalbfinale. | Foto: dpa

Über Kiel lag mal wieder dichter Nebel, und das war die große Chance. Der Heimflug der Holstein-Profis musste gestrichen werden, also ging es nach dem historischen Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale mit dem Bus zurück in die Heimat. Von Essen nach Kiel, gut fünf Stunden durch die Nacht - „da haben wir Zeit für ein paar Bier“, sagte Trainer Ole Werner grinsend.

Nicht nur der 3:0 (2:0)-Sieg beim starken Viertligisten Rot-Weiss Essen, auch die obligatorische Party war also schon am Donnerstagmorgen abgehakt, und das war gut so. Denn im Pokal und in der 2. Liga hat Holstein Kiel noch einiges zu tun: Schon am Montag (20.30 Uhr/Sky) geht es beim Hamburger SV wieder um den Bundesliga-Aufstieg.

„Für uns ist das eine historische Angelegenheit.“

So ein bisschen auskosten wollten sie diesen Abend für die Klubhistorie aber schon. Nur einmal hatte dieser 120 Jahre alte Verein zuvor an der Vorschlussrunde des größten nationalen Pokals teilgenommen, und das war zu Kriegszeiten: 1941 stand Holstein im Halbfinale des Vorgänger-Wettbewerbs. „Fürchten“, sagte Coach Werner mit Blick auf die Auslosung nun, müsse man sich „vor niemandem“ – wollte das aber nicht falsch verstanden wissen: „Für uns ist das eine historische Angelegenheit, da ist jedes Los ein gutes Los.“

Die Topklubs Borussia Dortmund und RB Leipzig sind in den Halbfinals (1./2. Mai) dabei, dazu der Sieger des Nachholspiels zwischen Zweitligist Jahn Regensburg und Werder Bremen. Mit ein bisschen Losglück scheint sogar das Finale möglich, aber wie es auch kommt: „Es sind nur noch vier Kugeln in der Trommel, und wir sind dabei“, sagte Werner, „das konnte keiner erwarten.“

Und doch kommt der Erfolg nicht aus dem Nichts. 2013 war der Klub noch viertklassig, seitdem ging es stetig bergauf. 2018 klopfte Holstein schon einmal an die Tür zur Bundesliga, scheiterte erst in der Relegation und verlor danach einige Leistungsträger und Erfolgstrainer Markus Anfang – knapp drei Jahre später bietet sich dennoch die nächste Aufstiegs-Chancen. Punktgleich mit dem VfL Bochum liegt Kiel an der Ligaspitze.

Holstein ist das Glück hold.

Der KSV hat dabei einen Spielstil gefunden, der nicht spektakulär ist, aber erfolgreich. Die Mannschaft um Bundesliga-Routinier Fin Bartels, gebürtiger Kieler, entwickelt phasenweise große Wucht in der Offensive, spielt überwiegend aber kontrolliert, stellt die beste Abwehr der Liga und darf sich in dieser Saison zudem über einiges „Spielglück“ freuen.

Immer mal wieder trat Kiel zuletzt nach mindestens fragwürdigen Entscheidungen zum Strafstoß an, so auch am Mittwochabend in Essen. „Eine krasse Fehlentscheidung“ sah RWE-Klubchef Marcus Uhlig gar und hatte damit wohl recht. Zumal das Spiel ohne Alexander Mühlings Foulelfmeter zur Führung (26.) einen völlig anderen Verlauf hätte nehmen können.

Am Ende wird allerdings auch dieser Elfmeter nur eine Randgeschichte bleiben. Etwa vier Millionen Euro hat Holstein in dieser Pokalsaison schon eingenommen, nicht nur in Coronazeiten eine große Summe für den Klub. Die Erfolgsgeschichte im Pokal könnte also schon bald die solide wirtschaftliche Basis bilden für einen Erstligisten namens Holstein Kiel. „Im Moment“, sagt Fin Bartels, „sind es zwei Träume, die wir leben.“ (sid/tf)

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