RDJ: Junge Menschen fühlen sich nicht gehört

<p>Illustration: dpa</p>
Illustration: dpa

In der ostbelgischen Jugendarbeit hätten sich die Jugendeinrichtungen im Frühjahr 2020 schnell an die neue Situation und die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie angepasst und ihr Angebot in den digitalen Raum verlegt. Der Jugendsektor habe „sein Bestmögliches“ gegeben, um weiterhin für die Kinder und Jugendlichen da zu sein und hat engagiert unterschiedliche kreative Angebote geschaffen.

Allerdings sei es für die Akteure der Jugendarbeit schwierig, neue Jugendliche über virtuelle Wege zu erreichen. Zudem führten digitale Aktivitäten langfristig dazu, dass die Gruppendynamik leidet. Laut den Jugendorganisationen bleibt mit dem dauerhaft virtuellen Angebot der „Spaß auf der Strecke“ und es „fehlt der soziale Aspekt“. Vor allem bei den Über-12-Jährigen, bei denen physisch organisierte Aktivitäten bis vor kurzem verboten waren, sei festzustellen, dass sie die Motivation und den Kontakt zur Gruppe verlieren. Darum befürchteten die Jugendorganisationen einen zukünftigen Leitermangel, wenn jetzt die Nachwuchsgenerationen wegbrechen. Durch die notwendigen virtuellen Angebote in den letzten Monaten sei darum festzustellen, dass die digitale Jugendarbeit ein ergänzendes Angebot zur klassischen Jugendarbeit sein, sie aber niemals ersetzen könne, so der RDJ.

„Die Jugendarbeit ist ein wichtiger Teil der ostbelgischen Kultur. Aus dem Grund sollte sichergestellt werden, dass sie weiterhin für alle Kinder und Jugendlichen finanziell zugänglich bleibt. Die Jugendarbeit braucht eine finanzielle und inhaltliche Unterstützung von der Politik während und nach der Pandemie, um nicht schlagartig zur normalen Tagesordnung zurückkehren zu müssen.“

Neben der Jugendarbeit vertritt der RDJ auch individuelle Jugendliche ohne Zugehörigkeit zu einer Jugendeinrichtung und möchte darum besonders auf das Problem in Bezug auf die psychologischen Aspekte von jungen Menschen in Zeiten der Coronakrise hinweisen. Jugendliche brauchten für ihre persönliche Entwicklung den Kontakt zu Gleichaltrigen. In einer Lebensphase, in der sie sich von den Eltern abkapseln wollen, sind sie aktuell mit diesen „eingesperrt“. Zusätzlich gebe es derzeit keinerlei Ausgleichsmöglichkeiten durch Sport- oder Gruppenaktivitäten, denn diese waren bis vor kurzem für die Über-12-Jährigen verboten. Auch gebe es kaum Studentenjobs, mit denen Jugendliche sich ein Stück Unabhängigkeit ermöglichen können. Besonders chancenärmere Jugendliche und solche ohne Rückhalt blieben aktuell auf der Strecke, da die Erreichbarkeit von öffentlichen Diensten durch die Coronakrise zusätzlich erschwert sei.

„Junge Menschen werden von der Politik aktuell als SchülerInnen, Lehrlinge oder StudentInnen wahrgenommen, allerdings definieren sie sich vor allem über ihren Freundeskreis und ihre Hobbys. Laut der deutschen Studien JuCo 1 und 2 (Mai und Dezember 2020) – Gespräche mit ostbelgischen Jugendlichen bestätigen die Ergebnisse auch für unsere Region – fühlen sich junge Menschen in der Krise nicht gehört und es wird ihnen keine Perspektive geboten. Im Gegenteil: Jugendlichen wird oftmals vorgeworfen, sich nicht an die Maßnahmen zu halten. Dass ihnen gerade eine Zeit ihres Lebens ‘gestohlen’ wird (Abitur, Studentenleben, Praktikum, Berufsanfang), wird kaum thematisiert“, findet der RDJ.

Vereinsamung, Depressionen, Suchtverhalten, Angstzustände und Bildungsbenachteiligung bei Jugendlichen seien nur einige der aktuellen Konsequenzen der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie. „Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, inwiefern die mentale Gesundheit der jüngeren Generationen langfristig beeinflusst wird. Von Seiten der Politik sollten zum einen Jugendliche bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen prioritär berücksichtigt werden.“ Zum anderen brauche es endlich einen proaktiven Ansatz der EntscheidungsträgerInnen. Bereits im April 2020 habe der RDJ in seiner Stellungnahme darauf aufmerksam gemacht, dass Betreuungs- und Beratungsangebote für Jugendliche in Ostbelgien fehlten. „Das hat sich bis jetzt nicht verbessert. Dabei müssen kurzfristig viel mehr – vor allem niedrigschwellige – Angebote für Jugendliche zur psychischen Versorgung errichtet werden. Ein Online-Angebot, das den Erstkontakt vereinfacht, eine erste Beratung sicherstellt und an die entsprechende Organisation weiterleitet, wäre hier ein möglicher Lösungsansatz“, so der RDJ.

„Fast ein Jahr verzichten Kinder und Jugendliche bereits auf so viele Dinge, die vorher selbstverständlich waren. Sie verzichten aus Solidarität für die Gesellschaft und als fester Bestandteil von dieser. Nun wird es Zeit, dass die Politik sich solidarisch mit der jungen Generation zeigt. Junge Menschen müssen als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden und mitreden dürfen. Es müssen die Weichen gestellt werden, damit Jugendliche Unterstützung erhalten, wenn sie sie brauchen. Es darf nicht bis auf die Zeit nach der Pandemie gewartet werden, sondern es muss jetzt proaktiv und langfristig gehandelt werden“, so der RDJ.

Die komplette Stellungnahme ist zu finden auf https://www.rdj.be/wp-content/uploads/2021-stellungnahme-im-sonderaussch...

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment