Nach Angaben der Preisbeobachtungsstelle des Wirtschaftsministeriums haben vor allem die Preise für unverarbeitete Lebensmittel, wie beispielsweise Gemüse, ziemlich angezogen. Deutlich mehr auf den Tresen legen, mussten die Belgier in diesem Jahr auch für Meeresfrüchte. Muscheln, Garnelen & Co. waren im Vergleich zu den Vorjahren in diesem Jahr rund 20 Prozent teurer. Entlastet wurde das Portemonnaie derweil durch niedrigere Treibstoffpreise sowie Mobilfunktarife.
Aber was sind die Gründe für den Preisanstieg? Der VRT-Finanzexperte Michaël Van Droogenbroeck führt unter anderem das Rabattverbot ins Feld, das zeitweise hierzulande galt. Zur Erinnerung: Im Zuge der raschen Verbreitung des Coronavirus hatte die Föderalregierung um die damalige Premierministerin Sophie Wilmès (MR) während der ersten Welle in hiesigen Geschäften Rabatte und Werbeaktionen untersagt, da diese zu Hamsterkäufen animierten. Vor dem Sommer wurde das Verbot außer Kraft gesetzt. Normalität herrscht seither in den Regalen aber nicht. „Die Preise sind seit der Aufhebung des Verbots nicht wieder auf das alte Niveau gesunken“, meint Michaël Van Droogenbroeck.
Dass die Supermärkte an der Preisschraube gedreht haben, sind aber nicht nur die Umstände schuld, sondern auch die Verbraucher selbst. „Weil wir gerade schnell und sicher einkaufen wollen, greifen wir im Supermarkt häufiger zu Markenprodukten. Und gerade diese Top-Marken sind teurer geworden. Die Preise der No-Name-Ware ist hingegen kaum gestiegen. Durch unser Einkaufsverhalten füttern wir also das teurere System“, gibt Michaël Van Droogenbroeck zu verstehen.
Dass wir gerade bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel und andere Waren auszugeben als sonst, habe auch damit zu tun, dass „wir einen Großteil des Geldes, das wir normalerweise im Gastgewerbe ausgegeben hätten, in diesem Jahr in die Supermärkte gepumpt haben“.
Michaël Van Droogenbroeck weist aber auch darauf hin, dass die Verbraucher nicht vergessen dürften, dass die Lebensmittelketten in Zeiten von Corona mehr Ausgaben hätten. „Denken Sie zum Beispiel an die Maßnahmen zur Desinfektion der Einkaufswagen oder an die Mitarbeiter, die den ganzen Tag am Eingang standen.“
Zu den großen Gewinnern der Krise zählt der Finanzexperte die regionalen Händler – vor allem diejenigen, die sich einen Automaten zugelegt hätten, um ihre Produkte coronakonform an den Mann bzw. die Frau zu bringen. „Das Gastgewerbe war natürlich einer der größten Verlierer“, sagt Van Droogenbroeck. „Aber dadurch stieg auch die Nachfrage nach Mahlzeiten zum Mitnehmen.“ Parallel habe sich dadurch auch der Essenslieferungssektor extrem weiterentwickelt. (calü)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren