Schon vor Corona jettete Jadon Sancho in der Winterpause lieber in den warmen Süden als in seine nasskalte Heimat, diesmal wird ihm die Entscheidung abgenommen. Das traditionelle „Christmas Stocking“ in der Heimat fällt für die britischen Bundesliga-Legionäre aus, nachdem Deutschland wegen der neuen, hochansteckenden Corona-Variante ein Einreiseverbot von der Insel verhängt hat. „Demzufolge können wir ihnen nicht erlauben, über die Weihnachtstage nach England zu reisen“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.
Auch andere ausländische Spieler können Weihnachten wegen der ultrakurzen Winterpause und der Quarantäne-Bestimmungen nicht zu Hause verbringen. Und wer doch zu seiner Familie darf, den dürfte das wenig entspannen. „Wir können kein glückliches Weihnachten feiern“, sagte Augsburgs Trainer Heiko Herrlich, „wenn wir wissen, dass jeden Tag 500 Menschen an Covid sterben.“
Gerade wegen der allgemeinen Krisenlage wollen die Spieler, Trainer und Funktionäre zumindest die Feiertage im Kreise ihrer Liebsten verbringen. „Fakt ist nun mal, dass das, was wir seit Monaten erleben, etwas mit unserer Psyche macht“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt, und Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann verriet: „Es gibt einige Spieler bei uns, die haben ihre Familien im letzten Jahr zum letzten Mal gesehen.“
Das Wiedersehen – wenn es denn überhaupt erlaubt ist – wird ein kurzes Vergnügen. Zwischen den Mittwoch-Spielen im DFB-Pokal und dem ersten Bundesligaspielen im Jahr 2021 liegen nur neun freie Tage. Verkürzt wird die Pause, weil das Training aufgenommen und Testungen durchgeführt werden müssen. „Es gibt keine strikte Ansage, in Bremen zu bleiben“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt: „Aber es gibt auch kaum einen, der wegfahren will.“ Bei Arminia Bielefeld bleiben alle in Deutschland.
Trotz unterschiedlicher Bestimmungen gilt nahezu bei allen Klubs der 1. und 2. Liga: Wer nach einer Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne müsste, darf nicht weg. Das trifft vor allem auf nicht-europäische Profis wie Alphonso Davies (Kanada) und Douglas Costa (Brasilien, beide Bayern) zu, aber auch auf den Polen Krzysztof Piatek (Hertha) und den Dänen Marcus Ingvartsen (Union). Das Leipziger Gesundheitsamt genehmigte derweil den Antrag von RB auf eine Ausnahmeregelung. Demnach können die Profis, die aus Risikogebieten wieder einreisen, die mindestens fünftägige häusliche Quarantäne in die RBL-Akademie verlegen. Eine Sondervereinbarung mit der Stadt gebe es aber nicht, betonte der Klub.
Manche Klubs wie Union Berlin und der VfL Wolfsburg versuchen, die Angehörigen der betroffenen Spieler nach Deutschland zu holen. „Am Ende werden wir dafür sorgen, dass kein Spieler an Weihnachten allein sein wird“, sagte Union-Sportchef Oliver Ruhnert der Sport Bild.
Glück haben Spieler von Klubs in Nordrhein-Westfalen, weil die Quarantäne-Verpflichtung hier von einem Gericht gekippt wurde – sofern sie nicht aus Großbritannien oder Südafrika kommen. Doch Leverkusens Trainer Peter Bosz hilft das nicht, weil seine Heimat Niederlande ihrerseits Deutschland zum Risikogebiet erklärt hat und eine zehntägige Hausquarantäne vorschreibt. Der so genannte „kleine Grenzverkehr“ zwischen NRW und den Niederlanden erlaubt aber immerhin einen 24-Stunden-Aufenthalt ohne Quarantäne. (sid/tf)

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