Corona-Impfstoff sorgt für Streit im DG-Parlament

<p>Die EU-Kommission hat Verträge mit den Herstellern aller drei Impfstoffe, denen die besten Chancen für eine rasche Zulassung in den kommenden Wochen gegeben werden. Neben Moderna sind das Biontech/Pfizer (Foto) und Astrazeneca. Alle drei hatten in den vergangenen Tagen vielversprechende Testdaten bekannt gegeben. Demnach sind alle drei Vakzine wirksam und verträglich.</p>
Die EU-Kommission hat Verträge mit den Herstellern aller drei Impfstoffe, denen die besten Chancen für eine rasche Zulassung in den kommenden Wochen gegeben werden. Neben Moderna sind das Biontech/Pfizer (Foto) und Astrazeneca. Alle drei hatten in den vergangenen Tagen vielversprechende Testdaten bekannt gegeben. Demnach sind alle drei Vakzine wirksam und verträglich. | Foto: Photo News

Michael Balter (Vivant) mahnte an, der Impfstoff müsse sicher sein. Nebenwirkungen seien jetzt aber nur ungenügend erforscht. Antoniadis warf Balter vor, Probleme nur zu benennen, aber keine wirklichen Lösungen zu bringen. Vivant wolle die Gesellschaft wohl Jahre in einem Lockdown belassen. Die Sicherheit des Impfstoffs sei oberste Priorität, und danach werde in einer „konzentrierten Aktion der Menschheit“ geforscht. Auch Gregor Freches verstand nicht, warum Vivant den Impfstoff infrage stellt.

Am Ball bleiben will die DG-Regierung auch, was die Verteilung von EU-Mitteln des Aufbaufonds angeht, wie Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) nach einer Frage von Charles Servaty (SP) erklärte. 5,15 Milliarden Euro soll Belgien aus diesen EU-Mitteln erhalten, jedoch gebe es innenpolitischen Streit um die Aufteilung des Geldes. (sc)

Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Schleck,

    Der fragliche Faktencheck der dpa weicht bereits in der Überschrift „Arbeitspapier fehlinterpretiert: Forscher warnen lediglich vor Überbewertung der Corona-Maßnahmen“ das Ergebnis der NBER-Studie auf. Zum Einen brauchst keine Studie, um vor einer „Überbewertung“ zu warnen, beinhaltet der Begriff doch bereits intrinsisch etwas, vor dem man sich hüten sollte.

    Des Weiteren wird diese Wortwahl dem Studienergebnis inhaltlich nicht gerecht. Dort heißt es nämlich u.a. wortwörtlich "...indicating that removal of lockdown policies has had little effect on transmission rates." Dass die Aufhebung der Einschränkungen kaum Einfluss auf die Übertragungsraten hatte, ist weit mehr als eine allgemeine "Warnung vor einer Überbewertung" dieser Maßnahmen, sondern kann durchaus als niederschmetterndes Ergebnis für alle Befürworter der Aufrechterhaltung bzw. Verschärfung von Corona-Maßnahmen betrachtet werden.

    Dann zu dem von Ihnen erwähnten ZEIT-Artikel, der übrigens auch von der dpa stammt. Nun ja, ich hätte es vorgezogen, wenn die ZEIT einen Link zu der fraglichen Studie beigefügt hätte. Denn so bleibt es bei allgemeinen Auskünften wie "Ein Großteil der Coronavirus-Infektionen passiert einer US-Studie zufolge aller Wahrscheinlichkeit nach an sogenannten «Superspreader»-Orten wie Restaurants, Fitnessstudios und Cafés". Man achte auf ungenaue Angaben ("Großteil") und den Konjunktiv "aller Wahrscheinlichkeit nach". Das Ergebnis mündet dann auch schließlich in Altbekanntes: "Das Modell .... fand überall dort die meisten Infektionen, wo sich mehrere Menschen in geschlossenen Räumen über längere Zeit aufhalten."

    Diese Forscher vergessen aber, dass dieses Ergebnis nichts darüber aussagt, ob die Vermeidung dieser Superspreader letztendlich die Infektionen insgesamt nachhaltig verringern würde. Denn wer sich heute auf der Party ansteckt, wird sich morgen nicht mehr in der U-Bahn anstecken, und umgekehrt.

  • Ja, diese Studien und Expertisen…
    Aus langjähriger beruflicher Erfahrung weiß ich, dass es zu jeder Expertise auch eine Gegenexpertise gibt, womit nicht gesagt werden soll, dass es sich in jedem Fall um bewusste Irreführung handelt. Auch in angeblich objektiven Sachaussagen steckt immer eine gehörige Portion persönlicher Interpretation, manchmal auch Irrtümer. Eine gewisse Skepsis ist da immer angebracht, das würde Herrn Leonard eher ehren als disqualifizieren. Der Herr Schmitz selbst ist da gänzlich frei von jedwedem Selbstzweifel.

    Anders ist es, wenn Resultate bewusst verfälscht dargestellt werden, so wie es mit der NBER-Studie geschehen ist:

    „Weltweites Totalversagen: Studie bestätigt völlige Wirkungslosigkeit aller Corona-Maßnahmen“ lautet die reißerische, aber unzutreffende Schlagzeile eines dubiosen Internetportals „Journalistenwatch“, was Herrn Meyer aber nicht davon abgehalten hat, diesen Artikel Wort für Wort zu übernehmen, ohne ihn als Plagiat zu kennzeichnen oder – wie es korrekte wissenschaftliche Vorgehensweise erfordert hätte, die Studie selbst auch nur zu verlinken:
    https://ostbelgiendirekt.be/corona-in-belgien-tsunami-entkommen-267555
    Joseph Meyer 20/11/2020 19:48 ff.
    In demselben Forum bekennt Herr Meyer allerdings freimütig, ein „Nichtexperte“ zu sein. Immerhin eine, wenn auch späte Selbsterkenntnis. (22.11.2020 16:08)

    Dass auch Herr Schmitz recht freihändig mit seinen Quellen umgehen kann, dafür hat er in diesem Zusammenhang ein Beispiel geliefert:

    „Bei meiner Suche stieß ich dann auch prompt auf den diesbezüglichen Faktencheck der (unverdächtigen) dpa. Erstaunlicherweise kann sogar dieser Faktencheck die niederschmetternde Aussage bzgl. der Nutzlosigkeit der Corona-Maßnahmen nicht wirklich entkräften, siehe
    https://dpa-factchecking.com/germany/200914-99-556895/.

    Dabei war es absolut nicht das Ziel des dpa-Faktenchecks, die Aussagen dieses Artikels zu widerlegen, sondern nur, dessen Autor eine Falschinterpretation nachzuweisen, was ja schon in der Überschrift deutlich wird: „Arbeitspapier fehlinterpretiert: Forscher warnen lediglich vor Überbewertung der Corona-Maßnahmen“

    Dass das Herrn Schmitz entgangen sei sollte, bei der Akribie, mit der er sonst Kommentare, Aussagen und Studien seziert, glauben wohl nur ganz Naive. Man kann also von einem bewussten Täuschungsmanöver sprechen. Ja, „niederschmetternd“!

    Mal sehen, was er zu folgender Studie der Stanford University zu sagen hat: https://www.zeit.de/news/2020-11/11/corona-infektionen-hauptsaechlich-an...
    Wahrscheinlich auch „simplizistisch, niederschmetternd“?

    A propos Schweden , Maßnahmen und Masken: Dem Herrn Schmitz scheint entgangen zu sein, dass dort die Maßnahmen drastisch (für dortige Verhältnisse) verschärft wurden und die Königliche Akademie der Wissenschaften „dringend“ angeraten hat, eine Maske zu tragen. Das mit der Selbstverantwortung des mündigen, dennoch autoritätsgläubigen Bürgers stösst wohl an seine Grenzen…

  • Sehr geehrter Herr Leonard,

    Sie räumen also ein, dass Untersuchungen zu „gegensätzlichen und differenzierten Sichtweisen über die Wirksamkeit von wie auch immer gearteten Lockdowns gelangen“. Ich nehme also zur Kenntnis, dass selbst Sie nicht frei von jedem Zweifel bzgl. der Nützlichkeit der Corona-Maßnahmen sind.

    Dann habe ich mir die von Ihnen erwähnte Studie vom 8. Juni 2020 des Imperial College London (ICL) im Detail angeschaut. (https://www.nature.com/articles/s41586-020-2405-7.pdf)

    Zum einen betrachtet die ICL-Studie nur 11 Länder über den Zeitraum ab Ende Februar bis zum 4. Mai 2020. Die von mir erwähnte NBER-Studie betrachtet dagegen insgesamt 24 Länder und 25 US-Staaten bis Ende Juli 2020, berücksichtigt also auch das Infektionsgeschehen nach Aufhebung der Lockdowns.

    Aber das, was mich an der ICL-Studie doch erschreckte, ist die Tatsache, dass die ICL-Forscher folgende Hypothese zu Grunde legten: „Our parametric form of Rt assumes that changes in Rt are an immediate response to interventions rather than gradual changes in behaviour.“ In Abb. 1 wird diese wahrlich simplizistische, um nicht zu sagen kindische Hypothese überdeutlich. Letztendlich hatten also die ICL-Forscher die unmittelbare Wirkung der Einschränkungen auf das Infektionsgeschehen VORAUSGESETZT, um dann lediglich das genaue Ausmaß dieser Wirkung zu bestimmen. Das ist eine ganz merkwürdige Vorgehensweise. Nun wundert es mich auch nicht mehr, dass Schweden laut dieser Studie dank seiner Coronamaßnahmen (?!) lediglich 2800 Coronatote statt der gemäß dem „hypothetischen kontrafaktischen Szenario“ (sprich keine Maßnahmen ergriffen) prognostizierten 28000 zu beklagen hatte.

    Und dann schreiben Sie: „Besonders aussagekräftig sind die Entwicklungen in... Belgien und Frankreich als positive Beispiele und in den USA als abschreckendes Szenario einer gescheiterten Politik.“ Dann schau’n wir uns mal die nüchternen Zahlen diesbezüglich an: https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=tru...

    Also ich lese daraus die „Aussage“, dass Belgien in dieser Dreiergruppe mit Abstand die meisten Corona-Toten pro Kopf zu beklagen hat, und dass Frankreich sich anschickt, die USA zu „überholen“, womit die USA dann die wenigsten Toten pro Kopf zu beklagen hätten.

  • Nachtrag:

    Würden die Menschen nicht seit Monaten von Ihnen und ihrem Mitstreiter Dr. Meyer manipuliert, durch unablässige Kommentare, die die Pandemie leugnen und oder verharmlosen, die dazu auffordern alle Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln abzuschaffen oder nicht zu befolgen, ...
    und wären alle Menschen solidarisch statt narzisstisch auf vermeintliche individuelle Freiheiten in einer Krisensituation zu pochen, könnte auf Lockdowns oder Zwangsmaßnahmen wohl größtenteils verzichtet werden.

    Sie beklagen Lockdowns und sind selbst die Ursache dafür, Herr Schmitz.

  • Wie einseitig-utilitaristisch Gerhard Schmitz mal wieder argumentiert, mit dem Ziel, die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu untergraben, zeigt dieser Kommentar.
    Das Arbeitspapier (!) des NBER wurde bisher noch keinem Peer-Review unterzogen.
    Es ist zudem nur EINE von dutzenden Untersuchungen, statistischen Erhebungen und wissenschaftlichen Studien, die zum Teil zu gegensätzlichen und differenzierten Sichtweisen über die Wirksamkeit von wie auch immer gearteten Lockdowns gelangen.

    Bsp.: „Eine am 8. Juni 2020 in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern des Imperial College London schätzte für elf europäische Länder, darunter Deutschland, den Effekt der nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ausgehend von den registrierten Todesfällen. Aus diesen rechneten sie Infektionszahlen zurück und verglichen sie mit den Simulationen eines „hypothetischen kontrafaktischen Szenario[s]“, bei dem die Pandemie sich mit unveränderter Reproduktionsrate fortsetzt. Sie kamen so zu dem Schluss, die Maßnahmen hätten einen sehr großen Effekt gehabt. Insbesondere ein allgemeiner Lockdown mit umfassenden Kontakt- und Bewegungsbeschränkungen für die gesamte Bevölkerung könne die Infektionsrate demnach um mehr als 80 % senken.“

    Weitere Studien stützen diese Sichtweise, andere widersprechen ihr.
    Einen interessanten Überblick liefert der Beitrag zum Thema „Massenquarantäne“ auf Wikipedia.

    Wer in den letzten Wochen beobachtet hat, wie die Infektionskurven sich in vs. Ländern weltweit noch einem „Lockdown, Teillockdown, Lockdown light,... entwickelt haben und diese mit Ländern vergleicht, die trotz hoher Infektionsrate keine solchen Maßnahmen ergriffen haben, muss kein Wissenschaftler sein, um zu eindeutigen Erkenntnissen zu gelangen.
    Besonders aussagekräftig sind die Entwicklungen in... Belgien und Frankreich als positive Beispiele und in den den USA als abschreckendes Szenario einer gescheiterten Politik.

    Herr Schmitz schein ein Verfechter des Amerikanischen Weges zu sein, wo seit März eine Corona-Dauerwelle herrscht und täglich neue Rekordzahlen an Infizierten und Toten verzeichnet werden.
    Gestern waren es 175.000 Neuinfizierte und 2200 Tote.

    Auch diese Fakten darf O. Paasch gerne mit in den Konzertierungsausschuss nehmen.

  • Minister Antoniadis: “Vivant wolle die Gesellschaft wohl Jahre in einem Lockdown belassen.“

    Ich verstehe Herrn Antoniadis so, dass er davon ausgeht, dass ein Lockdown das Infektionsgeschehen günstig beeinflusst. Ich empfehle ihm und allen Entscheidungsträgern dringend, einen Blick auf die bereits an dieser Stelle von mir erwähnte Studie des berühmten NATIONAL BUREAU OF ECONOMIC RESEARCH bzgl. der Wirkung von Lockdowns zu werfen. (https://www.nber.org/system/files/working_papers/w27719/w27719.pdf)

    In dieser Studie wird der Verlauf der Pandemie bis Ende Juli in 24 Ländern (darunter Belgien und Schweden) und in 25 US-Bundestaaten akribisch analysiert.

    Die Untersuchung der Autoren ergibt, dass die Wirkung der Corona-Maßnahmen in der Anfangsphase der Pandemie erheblich überwertet wurde und dass die Aufhebung der Maßnahmen nur geringe Auswirkungen auf die Übertragungsraten hatte.

    Ich würde mir wünschen, dass insbesondere Oliver Paasch die Experten beim nächsten Konzertierungsausschuss auf diese Studie ansprechen würde, damit sie schwarz auf weiß lesen können, dass im Rahmen der ersten Welle die Aufhebung der Corona-Einschränkungen in den untersuchten Ländern tatsächlich nur geringe Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen hatte.

    PS: Es wurde sich dieser unsäglichen, geradezu erpresserischen Argumentation (Impfung oder Lockdown) schon mal bedient. Ich erinnere an die als unausweichlich hochstilisierte „Wahl“ zwischen Maskenpflicht und Schulschließung.

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