Corona-Impfstoff: Viele Fragen bleiben noch zu klären

<p>Die EU-Staaten kaufen bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer (Bild).</p>
Die EU-Staaten kaufen bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer (Bild). | Foto: Photo News


Wann werden die Impfstoffe verteilt?


Bisher ist unklar, wann die Impfstoffe in den europäischen Ländern verteilt werden. Selbst bei den Impfstoffen, deren Tests weit fortgeschritten sind, fehlt die nötige Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA. Nationale Alleingänge soll es nicht geben bei den Corona-Impfungen in der EU. EMA-Anträge sind noch nicht gestellt, auch nicht von Biontech und Pfizer, die als erste westliche Anbieter vielversprechende Testdaten vorgelegt haben.

Die beiden Unternehmen stellen aber in Aussicht: „Lieferung soll Ende 2020 starten, vorbehaltlich der behördlichen Zulassung“. Auch die EU-Kommission schließt eine Lieferung vor Jahresende nicht aus. Die Europäische Kommission hat im Namen aller 27 EU-Staaten inzwischen drei Rahmenverträge mit Anbietern geschlossen, die in der Forschung sehr weit sind: Biontech/Pfizer soll bis zu 300 Millionen Einheiten liefern, Astrazeneca ebenfalls bis zu 300 Millionen und Johnson&Johnson bis zu 200 Millionen.

Hinzu kommt dann noch ein vierter Vertrag über 300 Millionen Dosen mit der Firma Sanofi, die aber in der Forschung noch nicht ganz so weit ist. Mit zwei weiteren Anbietern wird über ähnliche Verträge verhandelt.


Wie soll der Impfstoff in der Europäischen Union eigentlich verteilt werden?


Die Europäische Kommission hatte im Juni eine Regel vorgeschlagen und die Zustimmung der 27 Staaten bekommen: „Der Zugang zu Impfstoffdosen wird unter den teilnehmenden Mitgliedstaaten entsprechend des Schlüssels nach Bevölkerungsgröße verteilt.“


Was kosten die Impfstoffe?


Über die genauen Kosten der vier bereits geschlossenen Rahmenverträge wollte sich der Kommissionssprecher nicht äußern. Die Größenordnung lässt sich in etwa abschätzen: Die Mittel kommen aus einem sogenannten Soforthilfeinstrument mit ursprünglich 2,7 Milliarden Euro. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hatte die EU-Staaten schon vor Wochen gebeten, Geld nachzuschießen. Denn es gehe zur Neige.


Wann könnte frühestens die EU-Zulassung erfolgen?


Unisono betont die Politik: Es werden keine Abstriche bei der Sicherheit und beim üblichen Zulassungsverfahren gemacht - schon, damit die Bürger nicht das Vertrauen in die in aller Eile entwickelten Impfstoffe verlieren. Kyriakides sagte aber am Mittwoch auch: „Es wird keine Verzögerung geben.“ Genauigkeit und Schnelligkeit zugleich sollen erreicht werden, indem die einzelnen Daten nicht wie üblich von den Firmen bis zum Zulassungsantrag gesammelt werden, sondern jeweils direkt an die EMA geleitet werden, wenn sie vorliegen. Der Chef der zuständigen EU-Steuerungsgruppe, Clemens Martin Auer, nannte in der „Berliner Zeitung“ Mitte Dezember als frühestmöglichen Zulassungszeitpunkt. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA sei aber in der Entscheidung über die Lizenz völlig frei.


Wie arbeitet eigentlich die Zulassungsbehörde EMA genau?


Das Zauberwort heißt „Rolling Review“: Daten werden bereits ausgewertet, sobald sie verfügbar sind. Die erste Charge von Daten aus Laborstudien zu dem Biontech/Pfizer-Impfstoff sei bereits ausgewertet worden, so eine EMA-Sprecherin in dieser Woche. Derzeit sei die Prüfung einer zweiten Charge im Gange. Dabei gehe es um die Qualität des Impfstoffs, einschließlich seiner Inhaltsstoffe und der Art seiner Herstellung. Allerdings habe die EMA Daten zu klinischen Studien bisher noch nicht erhalten und bewerten können. (dpa/belga)

Kommentare

  • Die EU-Politiker befürchten nicht ganz zu Unrecht, dass der Bürger das Vertrauen "in die in aller Eile entwickelten Impfstoffe verlieren" könnte. Und dennoch tun sie wenig bis gar nichts, um genau das zu verhindern. Zum einen werden die genauen Kosten der vier bereits geschlossenen Rahmenverträge nicht mitgeteilt, und zum anderen hat die EMA die Daten zu den klinischen Studien vom Hersteller bisher weder erhalten, noch eingefordert.

    Da ist doch wohl etwas oberfaul im Staate EUROPA, und da hilft es wenig, dass Biontech am 4.5.2020 im Transparency-Register der EU unter der Nr. 516273537966-42 in der Sektion „In-house lobbyists and trade/business/professional associations“ eingetragen wurde. Pfizer ist übrigens bereits seit dem 18.12.2008 mit seinen Lobbyisten am Start (Reg.Nr. 4263301811-33).

    Warum also diese Geheimniskrämerei? Vielleicht kann ja unser EU-Abgeordnete Pascal Arimont diese Frage beantworten. Es geht schließlich um unsere Gesundheit und …. unser Geld.

  • Kurz nach der „Erfolgsmeldung“ bzgl. des neuen Impfstoffs verkauft der CEO von Pfizer 62% seiner Beteiligung an Pfizer für den Spitzenpreis von 5,6 Millionen Dollar. Das nenne ich mal eine „clevere“ Kommunikationspolitik. Erst mal nur die „gute Nachricht“ rausposaunen, damit der Aktienpreis durch die Decke geht, dann verkaufen, und dann die „schlechte Nachricht“ kleinlaut einräumen. Bin also gespannt auf diese „schlechte Nachricht“.
    (https://www.welt.de/wirtschaft/article219942174/Biontech-Pfizer-CEO-Albe...)

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