Alors... on Deutsch

Dem Verband zur Förderung der deutschen Sprache in der Wallonie – allen voran Prof. Manfred Peters – gebührt mein allergrößter Respekt und Sympathie für diese lobenswerte Initiative.

Abgesehen von den überschaubaren Echos in der frankophonen Presse wird wohl auch die dritte Auflage von der wallonischen Öffentlichkeit relativ unbeachtet geblieben sein. Eigentlich ein Unding in Anbetracht der steigenden Bedeutung des Deutschen und der Tatsache, dass die Wallonie offiziell zweisprachige Region ist. Optimal wäre natürlich, wenn man sich auch in Brüssel verstärkt an die Landessprache Deutsch erinnern würde. Die Frage darf z. B. erlaubt sein, wann die Maßnahmen des Corona-Konzertierungsausschusses endlich wichtig genug sind, damit sie bereits im Rahmen der Pressekonferenz auf Deutsch übersetzt werden.

Noch ein Wort zu der unrühmlichen kürzlichen Entscheidung der Malmedyer Grundschulen, bis auf Weiteres auf den Deutschunterricht zu verzichten. Pikanterweise hat die Stadt fast zeitgleich beschlossen, sich an einer Kampagne der FWB zu beteiligen und in den beiden ersten Schuljahren Wallonisch einzuführen. „Sinn und Zweck sei“, so Bgm. J. P. Bastin, „die Öffnung hin zu anderen Kulturen, damit die kleinen Malmedyer realisieren, dass es nicht nur Französisch gibt. Dazu gehöre neben Englisch auch die deutsche Sprache, die man wunderbar durch Weihnachtslieder erlernen könne (…).“ Auch wenn das Wallonische Bestandteil der kulturellen Identität und der Folklore der Stadt ist – im Unterricht hat sie m.E. nichts verloren. Im Gegensatz zur deutschen Sprache, denn Malmedy ist immer noch eine Fazilitäten-Gemeinde und, wie bereits erwähnt, die Wallonie eine zweisprachige Region.

Andere interessante Artikel auf GrenzEcho.net

Kommentare

  • Werter Herr Schleck, die Aussagen von Bürgermeister Bastin, Malmedy habe ich absichtlich in Anführungszeichen gesetzt, da es Zitate aus einem Artikel sind, der in der Ausgabe von L'AVENIR, Verviers vom 6. Oktober erschienen ist. Übrigens legt sich die Fédération Wallonie-Bruxelles, das von der früheren Kulturministerin Alda Gréoli (cdH) lanciert wurde, hierfür mächtig ins Zeug. Es lohnt sich die Webseite "Ma commune dit Oui aux langues régionales" der FWB aufzurufen, oder auch "Ma Commune dit ÄY!" der Stadt Malmedy. Zur Erlangung eines offiziellen Labels schlägt das Ministerium 36 mögliche Aktionen in den Bereichen Kommunikation, Kultur, Beschilderung/Tourismus/Wirtschaft und Unterrichtswesen vor. Für den letzteren Bereich sind gleich 6 Aktionen vorgesehen. Es geht also mehr als nur um einen kurzweiligen Dialektunterricht in den Grundschulen. Dabei hat die FWB sich von einer ähnlichen Aktion aus Frankreich inspiriert, womit die Regionalsprachen im Elsaß, in Okzitanien, in der Bretagne u.a. gefördert werden sollen. Und hier unterläuft den Malmedyern der Denkfehler: Beim lobenswerten Vorsatz, auch das Deutsche und das Englische zu berücksichtigen, vergisst man, dass es sich zumindest beim Deutschen um eine Landessprache handelt, noch dazu mit besonderem Stellenwert für den Kanton Malmedy. Zwecks Vermeidung von Missverständnissen: Als Eupener liegt es mir fern, diese Aktion zu kritisieren. Ich bedauere nur sehr - wie nicht wenige Malmedyer auch - dass zu Beginn des Schuljahres das Erlernen der deutschen Sprache in den Grundschulen der Gemeinde abgeschafft bzw. zeitweilig(?) ausgesetzt wurde, aber zum gleichen Zeitpunkt wertvolle Unterrichtszeit für das Erlernen der "Regionalsprache" investiert wird.

  • „Sinn und Zweck sei“, so Bgm. J. P. Bastin, „die Öffnung hin zu anderen Kulturen, damit die kleinen Malmedyer realisieren, dass es nicht nur Französisch gibt."

    Echt? Das will man mit Wallonisch erreichen?
    Einer Sprache, in zahlreichen regionalen Dialekten zersplittert, die niemand mehr spricht?

    Höchstens in einigen Folklorezirkeln und Theatergruppen wird sie noch "gepflegt" (Sobald eine Sprache "gepflegt" werden muss, hat sie keinen Humus mehr, in dem sie verwurzelt sein sollte)... und einmal im Jahr wird am 15. August eine Messe auf (Lütticher) Wallonisch in Outremeuse gefeiert.

    Wir leben seit einem halben Jahrhundert in der Wallonie.
    Früher sprachen unsere älteren Nachbarn noch Wallonisch untereinander, aber das ist lange her.
    Die jetzige Generation, die man nun als "die ältere" bezeichnen könnte, beherrscht noch einige Redewendungen, die jüngeren Leute und die Kinder auch das nicht mehr.

    Es stimmt, der durchschnittliche Wallone ist nicht gerade ein begeisterter Mehrsprachler. Wozu auch? Um einmal im Jahr an die Küste zu fahren und im Restaurant Muscheln mit Fritten zu bestellen, braucht man kein Niederländisch. Den Urlaub verbringt man eh im Süden, da genügt Französisch.
    Nun ja, es wollen auch welche die "Öffnung zu anderen Kulturen", etwa in Gesprächskreisen oder Abendkursen, aber das ist eine kleine Minderheit.

    Also, Niederländisch? Nicht nötig. Deutsch? Zu schwer. Allenfalls mit dem Englischen kann man sich anfreunden, muss man sogar, wenn man in einer Firma tätig ist, die Verbindungen ins Ausland hat, und das sind im kleinen Belgien eine ganze Menge.

    Aber wer in Brüssel tätig ist, wird nicht umhinkommen, sich Niederländischkenntnisse anzueignen, zumindest, wenn er Karriere machen will.

    Wie man feststellen kann, nimmt auch bei den Flamen die Kenntnis der zweiten Landessprache ab. Auch dort wird sie durch das Englische ersetzt, gefördert noch durch das Fernsehen, dass englischsprachige Filme durchweg in der Originalsprache mit Untertiteln bringt.

    Bevor sich nun manche in die Brust werfen in "Ostbelgien" stricto sensu, sollte man die eigenen Sprachkenntnisse mal kritisch analysieren. Ich stelle immer wieder fest, dass nicht nur die Französisch-, sondern auch die Deutschkenntnisse sehr zu wünschen übrig lassen.
    Bestes Beispiel: die von Fehlern wimmelnden Beiträge in den Foren.
    Sich da selbst als "perfekt zweisprachig" zu preisen, na ja...

    Was Herr Kremer oben über den mangelnden Respekt vor den deutschsprachigen Mitbürgern und ihrer Sprache schreibt, dafür lieferte die RTBF wieder ein gutes Beispiel.
    Die Pressekonferenz in Sachen Corona wurde langatmig jeweils in F und NL übersetzt, sogar mit Gebärdensprache für Gehörlose. Als aber Oliver Paasch das Wort ergriff, um auf Deutsch die neuen Maßnahmen zu erläutern, schnitt die Regie ihm brüsk nach ein paar Sätzen Bild und Ton ab und schaltete zu einem belanglosen Kommentar ins Studio.
    Allerdings: Das BRF-Fernsehen brachte zur selben Zeit ... ein Standbild mit Musik.

Kommentar verfassen

2 Comments