Vor seiner Premiere als neuer Schalke-Trainer wird Manuel Baum von der Vergangenheit eingeholt. In seiner Bundesliga-Abschlusstabelle, die er vor der Saison als Experte für Sky getippt hatte, landete Schalke 04 nur auf Platz 15. Das sorgt für Spott und Häme im Internet, zumal der neue Chefcoach bei seiner Antrittsrede am Mittwoch der Mannschaft „sehr viel Potenzial“ attestierte. Dabei würden nicht wenige Fans diesen 15. Platz sogar sofort unterschreiben. Angesichts von 0 Punkten und 1:11 Toren sind die Abstiegssorgen schon nach zwei Spieltagen präsent, und am Samstag (18.30 Uhr) droht im Auswärtsspiel bei Champions-League-Starter RB Leipzig die nächste Pleite. Es sei denn, Baum und seinem ebenfalls neuen Co-Trainer Naldo gelingt bis dahin ein kleines Wunder.
„Ich weiß relativ gut und schnell, was man machen muss, um wirken zu können“, sagte Baum. Beim ersten Training am Mittwochabend kommentierte der 41-Jährige oft das Geschehen auf dem Platz, auch unterbrach er die Einheit für Anweisungen. Alleine das ist ein sichtbarer Unterschied zu Vorgänger David Wagner.
Baum sieht in der Mannschaft Potenzial für „deutlich weiter oben“.
Gegen Leipzig dürfte Baum sein völlig verunsichertes Team mit einem vereinfachten Konzept ins Spiel schicken. Zweikämpfe gewinnen, kollektiv verteidigen, Nadelstiche setzen – die klassischen Tugenden im Abstiegskampf sind gefragt. „Es ist so ähnlich wie beim Holzhacken“, verglich der gebürtige Bayer: „Wenn ich mit einer Hacke auf das Holz draufhaue, dann sehe ich sofort das Ergebnis. So sollten wir auch das Training und das Spiel auslegen.“ RB-Coach Julian Nagelsmann betonte, er sei auf Baums mögliche Veränderungen „gut vorbereitet“. Er sei „gespannt wie ein kleiner Junge, ob das funktioniert“. Generell gebe ein Trainerwechsel dem Gegner „immer einen kleinen Push“, so Nagelsmann.“
Auch langfristig hat Baum viel vor. Der Fußballlehrer, der für Schalke seinen Job als U18-Auswahltrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgab, sieht in der Mannschaft ein Potenzial „für deutlich weiter oben“. Er sei sich „hundertprozentig sicher“, so Baum, „dass wir mit den Ideen und Möglichkeiten, die ich mitbringe, deutlich mehr aus der Mannschaft herausholen, als sie gerade auf den Platz bringt.“
Der frühere Trainer des FC Augsburg geht seine neue Aufgabe selbstbewusst an – wohl auch, weil er die Zweifel an seiner Person mitbekommen hat. Das charakterlich schwierige Team und das chronisch aufgeregte Umfeld schrien förmlich nach einem anderen Trainertypen. Doch Sportvorstand Jochen Schneider vertraut auf den „absoluten Fachmann“ Baum, der nun „klare Strukturen und Abläufe“ auf den Platz bringen soll.
Für die gute Laune ist ein anderer zuständig. Naldo, einstiger Schalke-Abwehrchef und unvergessener Derby-Held, „gibt extrem viel Energie“, sagte Baum, „auch dem Trainerteam“. Wenn man so will, sind Baum und Naldo nun der Kopf und das Herz bei Schalke. Das ungleiche Duo will nur noch „nach vorne schauen“. Sein Saisontipp aus dem August interessiert Baum längst nicht mehr. (sid/tf)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren