Für die Schalker sind solche Momente bittersüß. Viele Ehemalige fühlen sich noch zu den Königsblauen hingezogen, sie schwärmen von früheren Zeiten, wie beispielsweise auch Leroy Sané, der mit Goretzka gemeinsam auf Schalke spielte, oder Manuel Neuer und zuletzt Alexander Nübel – aber sie sind dem Verein und seiner legendären Knappenschmiede längst entwachsen.
Die Gegenwart ist finanziell und sportlich mehr als trist. Das hat auch Goretzka erkannt. „Das Letzte, was Schalke jetzt braucht, ist irgendein Ex-Spieler, der dem Verein sagt, was er zu tun oder zu lassen hat“, sagte er. Die Schalker haben mit sich schließlich selbst genug zu tun. Die Horrorshow der Rückrunde mit 16 Spielen in Folge ohne Sieg wirkt nach. Angeblich rumort es in der Mannschaft, Trainer David Wagner ist bei den Wettanbietern der Topfavorit für den ersten Rauswurf der Saison. Doch es gibt auch Hoffnung. „Die Pause hat uns gutgetan, um den Negativtrend der Rückrunde zu stoppen. Wir haben eine positive Vorbereitung hinter uns“, sagte Vorstand Alexander Jobst dem Magazin Sponsors.
„Es passt nicht in unsere Philosophie, einen 22-jährigen, hochveranlagten Spieler, der noch vier Jahre Vertrag hat, zu transferieren.“
Die vergangene Saison dramatische Flaute im Sturm sollen Schnäppchen-Zugang Vedad Ibisevic (Hertha BSC), der sein geringes Grundgehalt für einen guten Zweck spendet, und der am Dienstag verpflichtete Goncalo Paciencia (Eintracht Frankfurt) beheben. Nur die Absteiger Düsseldorf und Paderborn hatten seltener getroffen als Schalke mit seinen 38 Toren. Drei davon gingen auf das Konto von Weston McKennie, den Schalke aufgrund der hohen Corona-Einbußen an Juventus Turin abgeben musste – wieder verscherbelt der Verein, der überdies eine millionenschwere NRW-Landesbürgschaft bekommt, sein Tafelsilber. „Es ist der Situation geschuldet, dass wir Weston abgegeben haben. Es passt nicht in unsere Philosophie, einen 22-jährigen, hochveranlagten Spieler, der noch vier Jahre Vertrag hat, zu transferieren“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider bei Sport1.
Überlebenswichtige 4,5 Millionen Euro fließen als Leihgebühr, im nächsten Sommer könnte eine Kaufpflicht in Höhe von 18,5 Millionen greifen. Weitere sieben Millionen könnten durch Bonuszahlungen dazukommen.
Der „wirtschaftlich attraktivste Deal“ (Schneider) gibt Schalke die Chance, den Umbruch solide fortzuführen. Von Europapokalambitionen hat sich der Verein nach dem unwürdigen Abschied seines Patrons Clemens Tönnies ohnehin verabschiedet. 20 Ligaspiele gegen den FC Bayern ohne Sieg lassen beim Triplegewinner auch nichts Großes erwarten. Zuletzt immerhin bezwangen die Schalker den VfL Bochum im Test 3:0. Leon Goretzka schaute ganz genau hin. (sid)

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