Der Abschied schmerzte. Auch wenn die Trennung von Thiago längst nicht mehr überraschte, wurde es vor dem Training von Bayern München am Donnerstag „sehr emotional. Alle waren sehr traurig, als er sich verabschiedet hat“, sagte Trainer Hansi Flick sichtlich betroffen.
Nach sieben erfolgreichen Jahren verlässt der spanische Zauberfuß den Rekordmeister mit Tränen in Richtung FC Liverpool – und hinterlässt beim FC Bayern auf dessen Mission Triple-Verteidigung eine riesige Lücke. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der der Mannschaft viel gegeben hat. Ich kann Kloppo (Jürgen Klopp, A.d.R.) nur gratulieren. Er bekommt einen Topspieler und einen super Menschen“, betonte Flick vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 am Freitag (20.30 Uhr/ZDF).
Derweil war der Thiago-Abschied nicht die einzige große Neuigkeit am Donnerstag: Wegen der gestiegenen Infektionszahlen in München dürfen beim Eröffnungsspiel nun doch keine Zuschauer dabei sein. Das entschied die Stadt München. Davor war noch auf 7.500 Fans gehofft worden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach in einer Mitteilung von einem „falschen Signal“ und verwies auf aktualisierte Corona-Werte des Robert Koch-Instituts. Demnach ist die Inzidenzzahl in München über Nacht von unter 34 auf 47,6 gestiegen. „Für mich bedeutet dieser hohe, jetzt auch vom RKI bestätigte Inzidenzwert, dass wir über deutlich einschneidendere Einschränkungen im öffentlichen Leben zumindest nachdenken müssen. Und da kann ich nicht zeitgleich Tausende Fans in die Stadien lassen“, sagte der Politiker.
Doch zurück auf den Platz: Klopps Wunschspieler Thiago, für den Liverpool 30 Millionen Euro zahlt, könnte nicht der einzige sehr schmerzhafte Abgang der Münchner bleiben. Noch immer gibt es bei Abwehrchef David Alaba keine Einigung. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach in der Schlammschlacht nun immerhin ein Machtwort. „Jeder sollte jetzt einmal ruhig sein, solange die Verhandlungen noch laufen“, sagte er in Richtung Uli Hoeneß und Alabas Berater-Seite bei Bild live. Zuvor hatte noch einmal Salihamidzic den Österreicher im „Kicker“ in die Schranken gewiesen: „Beim FC Bayern gibt es eine sportliche und finanzielle Obergrenze: Robert Lewandowski und Manuel Neuer.“ Und eben nicht Alaba, auch wenn Flick seinen Innenverteidiger am Donnerstag als „eines der Herzstücke dieser Mannschaft“ würdigte.
Längst ist bei den Bayern die Triple-Euphorie dem ganz normalen Wahnsinn gewichen. Die ungeklärten Personalfragen – auch Javi Martinez will weg – überschatteten die nur einwöchige Vorbereitung ebenso wie der Fall Kingsley Coman. Der Franzose hatte Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person aus seinem Umfeld und befindet sich weiter in häuslicher Quarantäne. Gegen Schalke „ist er nicht dabei“, sagte Flick. Dabei sei auch der letzte Test negativ gewesen. „Er hat jetzt schon den dritten oder vierten negativen Test. Ich weiß nicht, ob es da eine 14-tägige Quarantäne braucht. Ich entscheide das nicht, aber so ganz nachvollziehbar ist das nicht.“
Bei all den Baustellen war bei den Bayern selbst das Pflichtspieldebüt von Leroy Sané, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Schalke, nur eine Randerscheinung. Der Topeinkauf der Münchner dürfte angesichts des Coman-Ausfalls sofort in der Startelf stehen. Sané sei zwar „noch nicht bei 100 Prozent, aber warum sollte er nicht anfangen? In der Nationalmannschaft hat er auch schon gespielt. Er ist auf einem guten Weg“, sagte Flick. „Wir dürfen nicht jammern, wir müssen positiv nach vorne gehen“, betonte der 55-Jährige tapfer: „Wir werden auch am Freitag einen sehr guten Kader zur Verfügung haben.“ (sid/dpa/tf)

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