Macron würdigt Pflegekräfte und warnt vor Arbeitslosigkeit

<p>Bei einer Zeremonie anlässlich des französischen Nationalfeiertags hatte Präsident Macron (links) auch Ärzte und Pfleger eingeladen, denen er am Ende einer Zeremonie auf dem Place de la Concorde in Paris besonders für ihren Einsatz seit März dankte.</p>
Bei einer Zeremonie anlässlich des französischen Nationalfeiertags hatte Präsident Macron (links) auch Ärzte und Pfleger eingeladen, denen er am Ende einer Zeremonie auf dem Place de la Concorde in Paris besonders für ihren Einsatz seit März dankte. | Foto: epa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Französinnen und Franzosen auf eine wirtschaftlich harte Zeit nach der Coronavirus-Krise eingeschworen. „Wir werden einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben“, sagte Macron in einem Fernsehinterview zum französischen Nationalfeiertag. Gleichzeitig will der Präsident noch tiefer in Tasche greifen und stellte ein umfassendes Konjunkturprogramm in Aussicht.

Der Staatschef dankte am Vormittag bei den Feierlichkeiten zum 14. Juli auch den Pflegekräften für ihren Einsatz während der Krise. Wegen Corona fiel die übliche Militärparade erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Im Anschluss gab er ein Interview.

Macron sprach sich außerdem für ein langfristiges System von Teilzeitarbeit aus.

Macron erklärte in dem mehr als eine Stunde dauernden Gespräch, dass es Schätzungen zufolge im Frühjahr 2021 rund 800.000 bis eine Million Arbeitslose geben werde.

Um Arbeitsplätze zu erhalten, müsse weiterhin investiert werden. Macron sprach sich außerdem für ein langfristiges System von Teilzeitarbeit aus. Das französische Konjunkturprogramm werde mindestens 100 Milliarden Euro schwer sein, sagte der 42-Jährige. Hinzu kämen noch 460 Milliarden Euro, die bereits seit Beginn der Epidemie als Unterstützung der Wirtschaft zugesagt wurden.

Der Staatschef bekräftigte, dass die Regierung an der umstrittenen Rentenreform festhalten wolle. Er räumte jedoch ein, dass diese nicht in der Form wie vor der Gesundheitskrise geplant umgesetzt werden könne.

„Sie muss wieder diskutiert und verhandelt werden.“ Im Dezember und Januar wurde gegen die Reformpläne in Frankreich wochenlang protestiert - es kam zu Bahnstreiks, die das Land lähmten. Die Rentenreform gilt als eines der Prestigeprojekte Macrons. Vorrang hätten derzeit aber andere Themen, räumte der Staatschef ein.

„Ich bin überzeugt, dass wir innerhalb von zehn Jahren ein anderes Land aufbauen können.“ Andere Wege, „neue Methoden“ sollen dem Staatschef zufolge mit dem erst vor kurzem neu vorgestellten Kabinett möglich gemacht werden. Dass die französische Regierung unter Premierminister Jean Castex weiter nach rechts gerückt sei, wies Macron zurück. Er glaube an die „politische Überwindung“ solcher Kategorien. Macron gestand jedoch ein, dass sich das Land in einer Vertrauenskrise befinde. Frankreich habe „im Grunde Angst“, sagte er.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie stellte der Präsident strengere Regeln in Aussicht. Er sprach sich für eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen aus. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Coronavirus in Frankreich wieder etwas aktiver werde, sagte Macron. Aber dieses Mal werde das Land auf ein Wiederaufleben vorbereitet sein. Frankreich ist von der Corona-Krise mit rund 30.000 Toten hart getroffen.

Am Dienstagmorgen hat Frankreich mit einer Zeremonie Pflegekräften für ihren Einsatz im Kampf gegen Corona gedankt.

Staatschef Emmanuel Macron, Regierungschef Jean Castex und Gäste versammelten sich auf der Ehrentribüne auf der Place de la Concorde im Herzen von Paris. Wegen der Coronakrise war das traditionelle Programm für den 14. Juli geändert worden. Die übliche Militärparade fiel erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus.

Stattdessen gab es eine feierliche Zeremonie. Daran nahmen nur geladene Gäste teil, der Platz war hermetisch abgeriegelt. Normalerweise herrscht am 14. Juli Volksfestcharakter - Tausende Zuschauer schauen sich die Feierlichkeiten in Paris an. Dieses Jahr konnten die Franzosen die Feierlichkeiten nur live im Fernsehen verfolgen.

Die Zeremonie endete mit einer Hommage an die Pflegekräfte.

Macron hatte neben Pflegekräften auch Lehrkräfte, Bestattungspersonal, Feuerwehrleute und Sicherheitskräfte eingeladen. Damit wollte er ihnen für ihren Einsatz während der Krise danken. Sie saßen auf Tribünen, die rund um den Platz aufgestellt waren.

Die Zeremonie endete mit einer Hommage an die Pflegekräfte. Etwa zwei Dutzend Pflegerinnen und Pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte versammelten sich auf dem Platz. Alle Gäste erhoben sich, es gab Applaus - die Nationalhymne Marseillaise wurde gesungen. Macron trat anschließend von der Tribüne und wechselte ein paar Worte mit einigen von ihnen. Etwas später ging er noch durch die Reihen und sprach mit anderen Gästen. Dabei trug er eine Schutzmaske.

Frankreich dankte mit der Zeremonie auch den Partnerländern Deutschland, Österreich, Luxemburg und Schweiz, die im Frühjahr Corona-Patienten aus Ostfrankreich behandelt hatten. Diese Region war besonders schlimm von der Pandemie betroffen. (dpa)

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