Belgier setzen Zeichen: „Black Lives Matter“-Proteste im ganzen Land entfacht

<p>Demonstranten während eines Anti-Rassismus-Protests im Rahmen der „Black Lives Matter“-Proteste in Antwerpen am Sonntag, den 7. Juni 2020.</p>
Demonstranten während eines Anti-Rassismus-Protests im Rahmen der „Black Lives Matter“-Proteste in Antwerpen am Sonntag, den 7. Juni 2020. | Foto: belga/Dirk Waem

Die Gruppe „Belgian Youth Against Racism“ (dt. Belgische Jugend gegen Rassismus) hatte in der vergangenen Woche in den sozialen Netzwerken zu Demonstrationen in mehreren Städten des Landes gegen Polizeigewalt und Rassismus gegen Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten, aber auch gegen dieselbe Gewalt hier in Belgien und gegen Rassismus in der belgischen Gesellschaft aufgerufen. Vielerorts gingen hunderte oder sogar tausende Menschen auf die Straße.

In Gent nahmen am Sonntagnachmittag etwa 750 Menschen an einer Protestaktion im König-Albert-Park teil. Die Aktivisten trafen sich bei der Statue von König Albert I, zogen ihre Schuhe aus und legten sie um die Skulptur herum. Sie hielten eine Schweigeminute von 8 Minuten und 46 Sekunden: genau die Zeit, die George Floyd in Minneapolis am Boden gepresst lag, mit dem Knie des Polizisten in seinem Nacken.

„Alles verlief ohne Zwischenfälle, und wir mussten nicht eingreifen“, sagte die Sprecherin der örtlichen Polizei von Gent, Liesbet De Pauw. Die Aktion wurde nicht zugelassen, sodass die Organisatoren ein Bußgeld in Höhe von 350 Euro erhielten.

In Antwerpen versammelten sich etwa 1.200 Menschen am Sonntagmittag am Steenplein. Die Mehrheit der Demonstranten schien die im Kampf gegen das Coronavirus auferlegte Regel der körperlichen Distanz eingehalten zu haben, so ein Sprecher der örtlichen Polizei. Ursprünglich auf der Place Verte geplant, zogen die Demonstranten im letzten Moment auf den Steenplein um.

<p>Ein Anti-Rassismus-Protest in Antwerpen am Sonntag, 7. Juni 2020.</p>
Ein Anti-Rassismus-Protest in Antwerpen am Sonntag, 7. Juni 2020. | Foto: belga

Die Stadt- und Polizeibehörden hatten die Versammlung nicht genehmigt. Sie verlief jedoch ruhig und friedlich. Am Samstag hatten sich bereits rund 700 Menschen auf der Place Verte versammelt, um zu protestieren.

Auch in Hasselt erhielt man keine Genehmigung für einen physischen Protest, sodass eine alternative Aktion ins Leben gerufen wurde. Die Aktivisten wurden aufgefordert, jeweils ein Paar Schuhe auf den Platz Kolonel Dusartplein hinzulegen, woraufhin einige Personen Reden hielten. Insgesamt waren dort über 200 Teilnehmer, wie die örtliche Polizei bestätigte.

<p>Die Sitz-Aktion in Hasselt verlief friedlich.</p>
Die Sitz-Aktion in Hasselt verlief friedlich. | Foto: belga

Die soziale Distanz wurde dabei nicht durchgehend gewahrt. Nach dem Sitzstreik begaben sich die Aktivisten zur nahe gelegenen Leopold II.-Statue, die Anfang der Woche mit roter Farbe bemalt wurde, und banden ihr ein weißes Tuch um den Kopf, als Protest gegen seine Schreckensherrschaft im Kongo im 19. Jahrhundert.

In Antwerpen wurde die Statue des Königs am Donnerstag ebenfalls rot beschmiert.

<p>Die Statue von König Leopold II in Antwerpen wurde am Donnerstag mit roter Farbe bemalt.</p>
Die Statue von König Leopold II in Antwerpen wurde am Donnerstag mit roter Farbe bemalt. | Foto: belga

Auch in der Hauptstadt, auf dem Place Poelaert vor dem Justizpalast, fand später, ab 15 Uhr, eine große Demonstration statt. Nach Angaben der Polizei kamen rund 10.000 Menschen. Die Organisatoren hatten im Vorfeld mit 5.000 Personen gerechnet.

<p>Auch in Brüssel gingen die Leute auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu protestieren.</p>
Auch in Brüssel gingen die Leute auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu protestieren. | Foto: belga

„Der Mord an George Floyd hat offensichtlich viele Menschen wachgerüttelt“, sagte Ange Kazi, Sprecherin des Kollektivs „Belgian Network for Black Lives“ (BNFBL), das ebenfalls zu dieser Aktion aufgerufen hatte. „Viele Menschen haben die Polizeigewalt satt, von der Schwarze systematisch betroffen sind“, fügte sie hinzu. Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten habe zwar Masken getragen, aber wegen der Menschenmenge sei es schwierig gewesen, körperlichen Abstand zu halten.

<p>Brüssel: Ein Plakat mit der Aufschrift „Wäsche ist das Einzige, das wegen der Farbe getrennt werden sollte“.</p>
Brüssel: Ein Plakat mit der Aufschrift „Wäsche ist das Einzige, das wegen der Farbe getrennt werden sollte“. | Foto: belga

An der Demonstration nahmen Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und Hautfarben teil. Viele von ihnen trugen Plakate mit der Aufschrift „Black Lives Matter“, aber viele Plakate bezogen sich auch auf Menschen, die Opfer von Polizeigewalt wurden oder bei Polizeieinsätzen in Belgien gestorben sind. Der Name Semira Adamu tauchte immer wieder auf, ebenso wie der des Kleinkindes Mawda und der Brüsseler Jugendlichen Mehdi und Adil.

Die dort gehaltenen Reden bezogen sich auch mehr als einmal auf die Vorfälle in Belgien. „Wir fordern Gerechtigkeit für jedes Opfer von Polizeigewalt in Belgien“, hieß es. „Für jeden Vorfall von Polizeigewalt muss unverzüglich ein Untersuchungsrichter ernannt werden, sodass das Opfer und seine Familie mit einer unabhängigen Untersuchung rechnen können. Es darf auch nicht sein, dass die an dem Vorfall beteiligte Polizeizone die Untersuchung selbst durchführt“.

<p>Protest in Brüssel</p>
Protest in Brüssel | Foto: belga

Die Polizei war vor Ort, um die Protestaktion im Auge zu behalten. Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten habe Mundmasken getragen, aber „social distancing“ sei auch hier schweirig gewesen.

Auch in Ostende demonstrierte eine große Anzahl Menschen an der Statue von König Leopold II.

Der Afroamerikaner Geroge Floyd wurde bei seiner Festnahme in Minneapolis am 25. Mai von einem Polizisten langsam erstickt. Der Vorfall verursachte weltweit eine Welle von (teilweise gewaltsamen) Protesten und Aktionen. (belga/alno)

Kommentare

  • Belgier? Cela reste à prouver...
    Während der öffentlich-rechtliche Propagandasender "BRF", wie immer, das gutmenschliche Zusammenleben vortäuscht und seine Leser (BRF online) lügt und von friedlicher Demonstration faselt, liest es sich bei Le Soir ganz anders "Commerces vandalisés, jets de projectiles... : la manifestation contre le racisme à Bruxelles dérape"
    https://www.lesoir.be/305606/article/2020-06-07/commerces-vandalises-jet...
    Wie lange noch wird der BRF desinformieren und manipulieren?

  • Lieber Herr Hetzel , natürlich : "Black LIfe Matters" wie auch " All Lives Matter" , ob alt oder schwarz, ob jung, weiß Ausländer/in usw.
    Es scheint , Sie haben die Proteste In Brüssel selbst miterlebt? Dann können Sie vielleicht sagen, ob das Foto oben in dem Artikel, wo die Menschen ( zwar mit Masken, aber diese schützen ja nicht so gut wie distancing, darüber scheint sich die wissenschaftliche Community ja einig ) so total eng nebeneinander stehen, ein echtes oder ein gefaktes Foto ist ? Am 14. April wiesen Sie ja darauf hin, dass die Einschränkung der Grundrechte ( also auch das der Versammlungsfreiheit ) -- ich zitiere : " ... zum Schutz der Volksgesundheit - unser aller Gesundheit - absolut notwendig ist ".

  • Belgier? Belgier natürlich - wer denn sonst? Etwa Deutsche, die nach Belgien kommen zum Protestieren?

    Bezüglich BRF: Falsche Adresse, hier sind Sie beim Grenz-Echo... Oder gehen Sie sich etwa beim Bäcker beschweren, dass die Wurst nicht gut ist?

    Zum Inhalt: Ja, es hat Ausschreitungen gegeben, aber erst gegen Ende der friedlichen Demonstration und in einem anderen (benachbarten) Viertel als dort, wo demonstriert wurde. Die Krawallmacher waren ca. 100, die friedlichen Demonstranten um die 10.000... Das ergibt schon ein ganz anderes Bild der Sache.
    (https://www.lesoir.be/305604/article/2020-06-07/black-lives-matter-des-h...)

    Wer betreibt hier Desinformation und Manipulation Herr François?

  • Lieber Herr Hezel;
    ...Die Krawallmacher waren ca. 100...
    IdT, nur 100...
    Fragt sich auch aus welche Gegend/Regionen diese 100 sind bzw.. welche Nationalität?
    Wahrscheinlich waren es die "weiße Belgier" die alles anderem als "weißes" feindlich gegenüber stehen...oder Herr Hezel...
    Wissen Sie auch Herr Hezel, wie viele verletzte Polizisten es hierbei/hiernach wieder gegeben hat, oder ist das für sie "irrelevant und unwichtig"...???
    Es sind eh nur Polizisten...es ist deren Job...Pfui Teufel...
    Aber bloß vorsichtig sein beim einschreiten, weil es könnte ein Demonstrant verletzt werden...
    Um diese Zustände "Sehen zu können/zu wollen" bedarf es schon ein wenig Objektivität und Realismus"...Nicht wahr Herr Hezel...
    Am Sonntag, beim VRT(Flämische Sender) in der Sendung "De Zevende Dag" war ein junge dunkelhäutige anwesend der im Interview meinte.."Man müßte die Belgier "NEU Erziehen"...
    Die "Alternativsendung auf RTL TVI...Idem...
    Fragt sich wenn ich die Krawalle vom vorigen Sonntags, samt alle andere "Manifestationen und Kundgebungen" betrachte, wer "NEU Erzogen" werden soll?!?!
    Vielleicht muss man "Einigen" mal klar machen das um etwas zu erreichen "Arbeit und Einsatz" erforderlich ist..und die Dukaten nicht einfach aus dem Himmel fallen.
    MfG.

  • @ Maxi Richter - Wenngleich ich dem Inhalt der Demo im Kern zustimmen kann, war sie aus epidemiologischer Sicht sicherlich nicht sinnvoll, da wäre eine andere Form des Protestes vielleicht angebrachter gewesen. Aber man sollte die überwältigende Mehrheit der friedlich Demonstrierenden nicht mir der vergleichsweise kleinen Anzahl der ewigen Randalierer über einen Kamm scheren, denn dadurch verliert man den Blick für das eigentliche Thema.

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