DG-Minister Antoniadis: „Mit einer Maske ist es nicht getan“

<p>Antonios Antoniadis</p>
Antonios Antoniadis | Foto: GrenzEcho-Archiv

„Grundsätzlich halte ich diese Maßnahme für richtig. Ich weiß zu gut, dass die Bewohner und die Angehörigen den Kontakt wünschen und auch dringend brauchen. Das Pflegepersonal tut sein Bestes, um die sozialen Kontakte aufzufangen, aber es ist schwierig, die eigene Familie zu ersetzen. Außerdem braucht das Pflegepersonal auch Entlastung. Angehörige und Ehrenamtliche haben in der Vergangenheit einiges auffangen können. Ich bin deshalb der Meinung, dass die aktuelle Situation nicht mehr lange anhalten darf“, heißt es in einer Stellungnahme des Ministers auf GrenzEcho-Nachfrage.

Man arbeitet dem Vernehmen nach, unabhängig vom Föderalstaat, an einem Strategiepapier, das das Leben in den Wohn- und Pflegezentren bis zum Ende des Jahres regeln soll. In diesem Papier gibt es ein Kapitel zu den Neueinzügen in Heime und zum Umgang mit Angehörigen und Ehrenamtlichen. „Meiner Meinung nach ist es aber noch zu früh, um darüber zu sprechen“, so Antoniadis. Und weiter: „Ich kann mir die Entscheidung nur so erklären, dass es sich hierbei um ein so emotionales Thema handelt, dass dem Krisenzentrum eine möglichst rasche Lösung für das Besuchsrecht am Herzen lag.“

Nun müssten die Regionen und Gemeinschaften eine konkrete Regelung ausarbeiten. Die DG hat sich bereits in diese Richtung eingebracht. Auch vom Ministerpräsidenten der Französischen Gemeinschaft, Pierre-Yves Jeholet (MR) kam inzwischen eine Mitteilung, dass man bemüht sei, eine gesamtbelgische Lösung zu finden. Minister Antoniadis hat inzwischen auf ostbelgischer Ebene Kontakt mit den betroffenen Einrichtungen genommen und offensichtlich erreicht, dass man von Schnellschüssen absieht. „Die einzige Bedingung, die vom Krisenzentrum vorgegeben wurde, ist, mit einer Referenzperson zu arbeiten. Das entspricht auch unserer Vorstellung. Aber als kritisch erachte ich den Zeitpunkt. Die Zahlen zu den Todesfällen im Inland sind dramatisch, unter anderem weil man – meiner Meinung nach – zu spät ein Kontaktverbot ausgesprochen hat“, so der DG-Gesundheitsminister. „Die Auswertung der Tests aus der Pilotphase in den Wohn- und Pflegezentren im Inland sprechen Bände.“

Dennoch gibt Antoniadis einen positiven Ausblick: „Aus sanitären und organisatorischen Gründen, aber vor allem aus Gründen der Sicherheit der Bewohner, werden wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft voraussichtlich ab dem 3. Mai, sprich dem Stichtag des Beginns der Lockerung der Ausgangssperre, ein Besuchsrecht einführen. Vorher halte ich das für gefährlich.“ Dieses Datum könnte dem Vernehmen nach für ganz Belgien gelten.

Vorher gibt es offensichtlich noch einige Fragen zu klären: Antonios Antoniadis: „Ich stelle mir die Frage, wie man im Inland auf den Materialmangel reagieren möchte. Mit einer Maske ist es nicht getan. In einigen Wohnbereichen braucht man Schutzkittel. Ohne ausreichend Schutzmaterial wird niemand in Ostbelgien die Heime betreten dürfen. Die Deutschsprachige Gemeinschaft wird dafür sorgen, dass dieses Material zur Verfügung steht.“ Das Material hat die DG frühzeitig über Kontakte zur Regierung in NRW, über die föderalen Kanäle, aber auch in Eigeninitiative organisiert.

Im Gegensatz zu der föderalen Ebene, wo es keine Konzertierung zu dem Thema mit den Betroffenen gab, will man in Ostbelgien an einer gemeinsamen Lösung arbeiten: „Ich habe gestern Nacht noch Kontakt mit den Wohn- und Pflegezentren gehabt. Bereits morgen habe ich nun eine Versammlung einberufen, um ein konkretes Verfahren auszuarbeiten. Mit den Einrichtungen werden wir die Besuchszeiten, die Schutzmaßnahmen und den Ablauf besprechen. Wir alle haben ein Interesse daran, dass die Bewohner wieder physischen Kontakt zu ihren Verwandten haben. Im Moment beschränkt sich der Kontakt hauptsächlich auf Telefonate und Videotelefonie“, so Antoniadis abschließend. Mittlerweile steht auch schon fest, dass es nicht nur eine lockere Runde zwischen den Gliedstaaten geben wird, sondern eine Ad-hoc-Sitzung des Konzertierungsausschusses. Dieser ist für Freitag anberaumt. (os/red)

Kommentare

  • Mit dem Wissen dass 17% in diesen Heimen infiziert sind, frage ich mich warum diese ¨Personen nicht in eine Quarantäne ausserhalb der Heime verlegt werden, damit die 83% sich nicht auch noch infizieren. Dass es von einer Person unter Einhaltung strenger Vorschriften, Schutzbrille FFP2(3) Maske und Kittel, sowie Chir. Maske für die infizierten Rentner und FFp2(3) Maske für Gesunde Rentner ausserhalb Ihrer Zimmer, die natürlich häufig desinfiziert werden sollten, wären von Anfang an nötig gewesen. Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung (Massenhaft) könnte erfüllt sein.

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