Am Montagabend hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron in einer TV-Ansprache alle Pläne, die Tour wie gehabt vom 27. Juni bis zum 19. Juli durchzuführen, durchkreuzt. Der 42-Jährige verlängerte die strikten Sicherheitsmaßnahmen im Zuge der Coronakrise landesweit bis zum 11. Mai und erklärte außerdem, dass „Veranstaltungen mit großem Publikum frühestens Mitte Juli abgehalten werden“ könnten.
Veranstalter ASO hatte sich zuletzt eine Bedenkzeit bis 15. Mai gegeben, um darüber zu beraten, ob man weiter am ursprünglichen Datum festhält, eine Verschiebung anstrebt oder sogar ganz absagt.
Ähnlich wie das IOC mit den Olympischen Spielen in Tokio wartete zuletzt ASO-Chefplaner Christian Prudhomme darauf, dass ihm staatliche Stellen die Entscheidung über die Absage abnehmen. Grund für diese Taktik dürften finanzielle Verbindlichkeiten der großen Event-Veranstalter sein, deren Versicherungen nicht greifen, wenn sie von sich aus ihre Events absagen, ohne dazu gezwungen zu sein.
In den vergangenen Tagen war bereits durchgesickert, dass man sich bei der ASO längst mit einer späteren Austragung der 107. Tour de France beschäftige - womöglich vier Wochen später als geplant, vom 25. Juli bis 16. August.
Anfang April hatte Prudhomme zwar noch erklärt, man halte am ursprünglich geplanten Datum fest. Er sagte aber auch: „Das hängt natürlich von der Entwicklung der Pandemie ab. In 'Tour de France' ist 'France' das wichtigste Wort. Es kommt auf die gesundheitliche Situation im Land an. Ich wünsche mir, dass die Tour de France stattfindet, aber dabei geht es mir nicht um die Tour de France, sondern: Wenn sie nicht stattfindet, würde das bedeuten, dass sich das Land in einer katastrophalen Situation befindet.“
Prudhomme schloss gleichzeitig am 2. April auch aus, die Tour „hinter verschlossenen Türen", also ohne Zuschauer am Straßenrand, zu veranstalten. Das hatte zuvor die französische Sportministerin Roxana Maracineanu angedacht. Für die Bürgermeister der Etappenorte war dies jedoch keine Option, da sich die enormen Kosten für die Veranstaltung nur lohnen würden, wenn auch Menschen kommen, die in den Gemeinden Geld ausgeben. (jph)

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