„Zunächst mal haben wir keine Zeit, mit der griechischen Seite zu diskutieren "ist die offene Tür jetzt zu?" - diese Sache ist jetzt vorbei. Wir haben jetzt die Türen geöffnet“, sagte er dem Präsidialamt zufolge während der Rückreise von einem Treffen in Moskau am Donnerstag zu Journalisten. Die Reiseinterviews werden üblicherweise am folgenden Tag zur Verfügung gestellt.
Ein türkischer Journalist in der Delegation hatte die Frage gestellt, welchen Schritt der EU Erdogan als ausreichend erachten würde, um die am Wochenende erklärte einseitige Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge rückgängig zu machen.
Erdogan hatte am Samstag gesagt, die Türkei könne so viele Flüchtlinge nicht versorgen. Sie hat mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Außerdem hat sie viele Flüchtlinge und andere Migranten aus Afghanistan und anderen Ländern angezogen. Auf Erdogans Ankündigung hin hatten sich Tausende Menschen auf den Weg zur griechisch-türkischen Grenze gemacht.
Ein Flüchtlingspakt mit der EU von 2016 sieht eigentlich vor, dass die Türkei illegale Migration in die EU stoppt. Im Gegenzug erhält sie unter anderem finanzielle Unterstützung. Erdogan kritisierte, die EU habe ihre Versprechen nicht gehalten.
Gleichzeitig fürchtete die Türkei angesichts der Kämpfe in Nordsyrien nahe der türkischen Grenze einen weiteren Flüchtlingsandrang. In der Rebellenhochburg Idlib waren Hunderttausende Menschen geflohen. Am Donnerstagabend verständigten Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin sich in Moskau auf eine Waffenruhe für die Region.
Erdogan beschuldigte Griechenland in dem Interview auch, bei der Reaktion auf den Andrang von Migranten an der türkisch-griechischen Grenze „grausam“ vorzugehen. „Soweit ich folgen kann, haben sie mindestens fünf getötet.“ Eine Reaktion der griechischen Seite zu diesen Anschuldigungen gab es zunächst nicht. Frühere Vorwürfe, griechische Grenzbeamte hätten am Mittwoch scharf geschossen und einen Migranten getötet, hatte die Regierung kategorisch zurückgewiesen. (dpa)

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