An den Hängen des Jebel Hafeet war Chris Froome zurück in seinem Element. Nein, ein Alpenriese oder eine Pyrenäen-Prüfung war die Bergankunft der dritten Etappe der UAE Tour nicht, dennoch dürfte der viermalige Tour-de-France-Sieger am Klettertest in der Wüste Spaß gefunden haben. 10,8 km lang war der finale Weg ins Ziel, die maximale Steigung betrug elf Prozent.
Mit den Besten wie Tagessieger Adam Yates hielt Froome am Dienstag nicht mit, der 34-Jährige verlor schon am Fuße des Berges den Anschluss an das Peloton. Doch ums Gewinnen geht es dem Briten in den Vereinigten Arabischen Emiraten ohnehin nicht.
Froome ergreift eine zweite Chance. Wohin ihn diese führt, ist noch unklar. Sicher ist: Allein die Teilnahme am Rennen ist für ihn derzeit Erfolg genug. Auf die Rückkehr ins Peloton hatte er rund acht Monate warten müssen, acht Monate, in denen seine Zukunft als Radprofi nicht immer gewiss war.
„Wenn man kaum laufen kann, ist es schwer darüber nachzudenken, wieder ein Radprofi zu sein“, sagte Froome dem Portal cyclingnews.com. Ein schwerer Trainingsunfall am Rande des Criterium du Dauphine im Juni 2019 stellte Froomes Leben auf den Kopf. Er erlitt teils offene Brüche an Oberschenkel, Brustbein und Halswirbeln sowie am Ellbogen und den Rippen. Zwischenzeitlich lag er auf der Intensivstation, später sagte er: „Ich bin froh, am Leben zu sein.“
„Das war hart. Das war wirklich hart.“
Der Weg zurück war hart. Wochenlang war Froome ans Bett gefesselt, vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen. Das Gehen musste Froome neu lernen. „Das war hart. Das war wirklich hart“, sagte er: „Man denkt über so etwas nicht nach, bis es dich betrifft.“ Die körperliche Genesung war die eine Herausforderung. Die mentale Prüfung, die mit seiner Verletzung einher ging, die andere.
Anfang Dezember musste sich Froome einer dritten Operation unterziehen. Eine Naht aus dem zweiten Eingriff hatte sich entzündet. Sein Oberschenkel wird noch immer durch einen Metallstift stabilisiert. „Laufen fühlte sich fremd an. Es war härter, als wieder aufs Rad zu steigen“, sagte Froome.
Das tut Froome nun auch wieder im Profi-Peloton. Die UAE Tour soll für ihn vor allem einen Trainingseffekt haben. „Ich habe noch einen langen Weg vor mir. Das ist nur der Start für mich“, sagte er.
Auf dem Weg zurück sei seine Hauptmotivation, mit dem fünften Toursieg zu den Ikonen Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufzuschließen. „Diese Aussicht ist einfach nur gigantisch für mich“, hatte Froome im Januar gesagt.
Harte Konkurrenz für die Tour hat Froome mit den Teamkollegen Geraint Thomas und Egan Bernal, die die beiden letzten Auflagen der Großen Schleife gewonnen haben. Wenn Froome im Sommer bei der Großen Schleife wieder die Hänge der Alpen und Pyrenäen erklimmen kann, ist ihm das nach all den Strapazen womöglich Lohn genug. (sid)

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