WHO-Chef Tedros: „Wir sind besorgt über den Mangel an Dringlichkeit“

<p>Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, spricht auf der 56. Münchner Sicherheitskonferenz zum Thema Coronavirus.</p>
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, spricht auf der 56. Münchner Sicherheitskonferenz zum Thema Coronavirus. | Foto: dpa

„Die Welt gibt Milliarden für den Schutz vor Terrorangriffen aus, aber relativ wenig, um sich auf die Attacke durch ein Virus vorzubereiten, die sehr viel mehr Menschenleben fordern könnte und wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mehr Schaden anrichten könnte“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München. „Das ist gefährlich kurzsichtig“, mahnte er.

„Wir sind besorgt über den Mangel an Dringlichkeit, den die internationale Gemeinschaft bei der Finanzierung der Maßnahmen an den Tag legt“, sagte Tedros. Die WHO hatte vergangene Woche um 675 Millionen Dollar (623 Mio Euro) gebeten, unter anderem, um Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen bei der Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch zu helfen. Am Freitagabend war der erste Fall einer Infektion mit dem Virus auf dem afrikanischen Kontinent bekannt geworden.

China habe die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 durch drastische Maßnahmen wie die Abschottung von Millionenstädten mindestens verzögert, sagte Tedros. Damit habe das Land der Welt ein Zeitfenster beschert, um jetzt alle nötigen Maßnahmen zu treffen. Er appellierte an die Weltgemeinschaft, sich solidarisch zu zeigen.

Tedros warnte vor Gerüchten und Falschnachrichten, die sich schneller ausbreiteten als dieses Virus. Die WHO arbeite mit Facebook, Twitter, YouTube und anderen Sozialmedienkanälen, um Panikmache zu unterbinden. Regierungen und Medien müssten die Menschen angemessen vor Gefahren warnen, „aber ohne die Flammen der Hysterie anzufachen“, sagte Tedros. „Es ist Zeit für Fakten, nicht Furcht.“ (dpa)

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