„Get-a-Teacher“: Vivant kritisiert Einfluss der Banken

<p>Für Vivant sollte das Thema Geld im Unterricht behandelt werden. Die Fraktion sieht das Projekt „Get-a-Teacher“ aber kritisch.</p>
Für Vivant sollte das Thema Geld im Unterricht behandelt werden. Die Fraktion sieht das Projekt „Get-a-Teacher“ aber kritisch. | Illustration: Jens Kalaene/dpa

Ziel ist, jungen Menschen konkret den Umgang mit Geld und allem, was damit zu tun hat, zu erklären. Die Funktionsweise des Geldes und den Umgang damit in den Schulen zu thematisieren, fordere Vivant schon länger, teilte die Fraktion in einer Mitteilung mit. Die Gefahr der privaten Überschuldung durch Kredite bleibe aktuell. Auch die Bank BNP Paribas Fortis biete ein ähnliches Projekt unter dem Titel „Education financière dans l'enseignement“ an. Dabei würden in einem Schuljahr über 500 Präsentationen in ganz Belgien abgehalten.

Kritische Stimmen sähen in diesen Projekten allerdings viel mehr die Imagepflege der Banken als die Information der Schüler. „Die Banken ringen um ihr zukünftiges Klientel und setzen dabei im Zeitalter des Onlinebanking auf den direkten Kontakt zu den Jugendlichen, da diese die Banken nicht mehr persönlich aufsuchen. Aus diesem Grund wird es für die Banken immer schwieriger, auf die herkömmliche Art weitere Finanzdienstleistungen zu verkaufen und gehen daher selbst auf die potenziellen Kunden zu“, kritisiert Vivant. Da es allerdings „gerade die Kreditinstitute sind, die junge Menschen mit günstigen Krediten in eine Schuldenfalle locken, sind diese Projekte in unseren Schulen mit außerordentlicher Vorsicht zu genießen“, findet die Oppositionsfraktion.

Ihre „Vorbildfunktion“ hätten die Banken spätestens durch die Bankenkrise im Jahr 2008 verloren, „als sie durch maßlose Spekulation die Finanzkrise verursacht haben“. Diese Informationen würden den Schülern wohl eher verschwiegen. Auch Versicherungen, Gewerkschaften, Politiker und selbst einige Privatbetriebe sowie andere Organisationen drängten in die Schulen und hätten es auf „dieses noch relativ leicht beeinflussbare und formbare Publikum“ abgesehen.

Solange nicht ausgeschlossen werden könne, dass es sich um eine „Marketingmaßnahme“ der Banken handele und Wissensvermittlung „möglicherweise mit indirekter Werbung“ vermischt werde, „haben wir große Bedenken, die Jugendlichen dem Einfluss der Banken auszusetzen“, so Vivant. Bei ehrlichen Absichten könnten die Banken Fortbildungen für Lehrer anbieten, damit diese die Informationen sinnvoll in den Lehrplan einbetten und eine objektive Diskussion zum bestehenden Finanzsystem anleiten können.

Darüber hinaus müsse das Thema Geld auch „breiter“ dargestellt werden, wozu zum Beispiel das Aufzeigen alternativer Geldsysteme gehöre. „Hier braucht es eine offene Diskussion über die Eigenheiten und die Unterschiede der einzelnen Systeme. Die verschiedenen Geldsysteme stehen nämlich - anders als oft angenommen - nicht in Konkurrenz zueinander, sondern könnten sich gegenseitig, zum Wohle aller Akteure einer Gesellschaft, sehr gut ergänzen.“ Dazu wünscht sich Vivant eine offene Diskussion, auch an den Schulen.

Es könne nicht sein, dass Schüler und Studenten „als totale Analphabeten in Sachen Geld“ ins Leben entlassen werden: „Denn nur so haben Banken und andere Einrichtungen aus dem Finanzsektor leichtes Spiel. Die große Mehrzahl der Erwachsenen weiß zwar, wie man ein Konto eröffnet, einen Kredit beantragt oder einen Dauerauftrag anlegt. Warum es aber eine Inflation gibt, wieso es überhaupt einen Zinseszins gibt und was dessen Auswirkungen sind, wissen nur wenige.“ (red/sc)

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