Die Klimapläne der EU: Scheitern ist keine Option

<p>Mondlandung oder Bauchlandung: von der Leyens Pläne fliegen hoch. Welche Landung ihnen beschert sein wird, wird sich zeigen.</p>
Mondlandung oder Bauchlandung: von der Leyens Pläne fliegen hoch. Welche Landung ihnen beschert sein wird, wird sich zeigen. | Foto: dpa

Ob von der Leyen ein richtg großer Wurf gelingt, muss die Zukunft zeigen. Man kann ihre Pläne getrost als eine Revolution bezeichnen: Europa soll Mitte des Jahrhunderts „klimaneutral“ sein. Ob Mobilität oder Energie, ob Bauen oder Landwirtschaft: Nahezu alles muss neu gedacht werden bzw. gründlich umgekrempelt werden. Der neuen Kommissionschefin war bei der Vorstellung dieses ehrgeizigen Planes fast kein Superlativ zu schade. Wörter sind nun einmal wichtig, wenn man einen ganzen Kontinent umkrempeln und sich an die weltweite Spitze stellen möchte.

Noch sind von der Leyens Pläne aber nur vage Vorstellungen einer Welt, die man sich wünschen würde. Wer träumt nicht von sauberen Städten, gesunder Nahrung, Häusern, die keine Energie mehr verbrauchen oder gar welche produzieren?

Die Frage ist nur, ob die Pläne auch realistisch sind. Die EU ist alles andere als geschlossen in ihren Ambitionen für eine saubere Zukunft. Ob man Polen, Tschechien oder Ungarn wird überzeugen können, mitzuziehen, wird sich bald zeigen. Jedenfalls hat man schon einmal mächtige Köder ausgelegt, um die Mitteleuropäer von den Plänen zu überzeugen. Mit Milliarden sollen die Zögerer und Zauderer an Bord gehievt werden. Ein Blick nach Frankreich und den dort seit über einem Jahr protestierenden Gelbwesten läßt erkennen, dass es auch anderswo Widerstand geben wird. Aus Deutschland hat sich die Industrie bereits zu Wort gemeldet, die zwar ihre Unterstützung für eine ökologische Transformation betont, sich aber außerstande sieht, bei einer Revolution mitzuziehen. Und dann wäre da noch die triste Realität, die eine ganz andere Sprache spricht. Erst kürzlich hat die EU einen Haushalt verabschiedet, der beispielsweise im Agrarsektor ein Weiter-so in Zahlen festschreibt. Und bis heute hat es die EU nicht geschafft, eine gemeinsame EU-Energiepolitik auf die Schiene zu bringen. Auch die großen Pläne, die Jean-Claude Juncker zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hatte und mit denen er Milliarden und Abermilliarden mobilisieren wollte: vergessen! Visionen sind gut, die Menschheit braucht wohl etwas, an dem sie sich in diesen Zeiten klammern kann, in denen kaum ein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint.

Allerdings wäre ein wenig Realitätsssinn angebracht. Das fängt schon bei dem Begriff „Klimaneutralität“ an. Jede Aktivität hat einen ökologischen Impakt, das Leben hat einen ökologischen Impakt.

Man kann der EU nur wünschen, dass sie ihr Ziel erreicht und nicht, wie so oft, scheitert. Sonst ist die Glaubwürdigkeit endgültig dahin.

Andere interessante Artikel auf GrenzEcho.net

Kommentare

  • Nun, Herr Scholzen, erstens war es nicht Helmut Kohl, sondern Helmut Schmid, dem dieses Zitat zugeschrieben wird. Zweitens hat er das später in einem Interview so kommentiert:

    ZEITmagazin: Wenn man Ihnen so zuhört, könnte man meinen, Sie hätten eine Vision. Dabei haben Sie doch mal gesagt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

    Schmidt: Diesen Satz habe ich ein einziges Mal gesagt, er ist aber tausendfach zitiert worden. Einmal hätte genügt.

    ZEITmagazin: Wie ist er überhaupt in die Welt gekommen?

    "Schmidt: Das weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich habe ich ihn in einem Interview gesagt. Das muss mindestens 35 Jahre her sein, vielleicht 40. Da wurde ich gefragt: Wo ist Ihre große Vision? Und ich habe gesagt: Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen. Es war eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage.
    ( https://www.zeit.de/2010/10/Fragen-an-Helmut-Schmidt/seite-4 )

    Drittens disqualifizieren sich sich weiter als nicht ernst zu nehmender Diskussionspartner. Nach "blöd" nun "Irrenanstalt". In diesem Sinne: Gib Gas, Guido!

  • Bundesjanzler Kohl meint eeinst:
    "Politiker, die nur noch Visionen haben, sollten zum Arzt gehen"
    "Klimapolitiker" sollten sich besser selbst in eine Irrenanstalt einliefern lassen.

  • Lieber Herr C. Schumacher;
    Sie haben eine "Vision" vergessen...neben den Atomausstieg...usw...
    Nämlich das "Marrakesch Pakt"...
    Diese Vision wird den Politiker auch nichts kosten...
    MfG.

  • Viele (die meisten??) Politiker haben inzwischen jeden Sinn für Realität verloren. Es ist ja nichts Verbotenes Visionen zu haben und zu träumen, doch sollte man auch stets mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Jetzt auch noch auf Europaebene diese Akademikervisionen in verpflichtende Gesetze packen, so dass wir, sollten wir die Träume einiger Entrückter nicht erfüllen können, auch noch kräftig zur Kasse gebeten werden, zeigt wieder einmal deren Weltfremdheit.
    Politiker haben schon des Öfteren „Visionen“ in Verpflichtungen und Gesetze verpackt, man denke z.B. an den Atomausstieg, die Energiewende oder das Pariser Abkommen. Was ist dabei herausgekommen? Nichts, außer jede Menge verschleudeter Steuergelder. Aber was solls, denen die solchen Unsinn beschließen und unterschreiben kostet es ja nichts.

Kommentar verfassen

4 Comments