„Die absichtliche Tötung oder Störung geschützter Tierarten steht im Widerspruch zu den EU-Richtlinien. Dazu gehört auch, Katzen draußen frei herumlaufen zu lassen und zu wissen, welchen Schaden sie anrichten können“, sagen die Anwälte Arie Trouwborst und Han Somsen der Universität Tilburg gegenüber der niederländischen Zeitung „Trouw“.
Die zwei Juristen haben in der Zeitschrift „Journal of Environmental Law“ einen Artikel veröffentlicht, in dem sie schreiben, die Hauskatze (Felix catus) sei einer der größten Vernichter von Tierarten. Für fast 370 bedrohte Spezies sei sie eine Gefahr. In Europa gilt die Hauskatze, die ihren Ursprung in Afrika hat, sogar als eine der drei schädlichsten exotischen Tiere. Ihre Opfer sind Vögel und kleine Säugetiere wie Mäuse, aber auch Reptilien, Fische und Amphibien.
In den Niederlanden werden laut einer Studie jedes Jahr mehr als 140 Millionen Tiere von Katzen getötet. Mehr als die Hälfte der Opfer kann auf Katzen mit einem Besitzer zurückgeführt werden. In unserem Nachbarland gibt es zwischen zwei und drei Millionen Hauskatzen. Dazu kommen noch Zehntausende Straßenkatzen, die – relativ gesehen – mehr Opfer fordern, weil sie kein anderes Futter bekommen.

Eine weitere Studie, die auf belgischen und französischen Zahlen basiert, zeigt laut dem flämischen Rundfunk, dass eine der häufigsten Todesursachen für Vögel im Garten ein Angriff einer Katze ist.
Im Hinblick auf den Tierschutz wäre es daher besser, eine Hauskatze nicht frei herumlaufen zu lassen, zumal dies nach Ansicht der niederländischen Rechtsexperten sogar illegal sei. Sie beziehen sich auf die Europäische Vogelschutzrichtlinie, die die europäischen Länder verpflichtet, bestimmte Tierarten und ihre Lebensräume zu schützen und mögliche Gefahren zu begrenzen. Da Katzen eine Bedrohung darstellen, behaupten Trouwborst und Somsen, dass die „Raubtiere“ nicht frei herumlaufen dürften.
„Kein Haustier darf unkontrolliert nach draußen. Die Katze ist da irgendwie eine Ausnahme.“
„Es gibt keinen Mitgliedstaat, der das Herauslassen von Katzen verbietet“, sagt Arie Trouwborst in der Sendung „De ochtend“ des flämischen Hörfunksenders „Radio 1“. „Wir haben uns gefragt, warum die Mitgliedstaaten dies weiterhin tolerieren, aber wir können uns keinen Grund vorstellen. Kein anderes Haustier darf unkontrolliert ins Freie gelassen werden. Das gilt für Schlangen, Hunde, Frettchen etc. Die Katze ist da irgendwie eine Ausnahme.“
Trouwborst fragt sich, ob es nicht an der Zeit sei, diese Gewohnheit zu ändern, jetzt, da wir wissen, wie viel Schaden Katzen der biologischen Vielfalt zufügen. Auch die Regierung könne dabei eine Rolle spielen. Er vergleicht es mit dem Rauchen. „Raucher mochten auch die Tatsache nicht, dass das Rauchen an immer mehr öffentlichen Orten verboten war, aber es wurde getan, weil das Rauchen anderen schadet“, argumentiert er.
Professor Jogchum Vrielink von der Universität Saint-Louis in Brüssel hält laut der VRT die Argumentation seiner Kollegen aus Tilburg für sehr vertretbar. Er wisse aber nicht, ob sie zum jetzigen Zeitpunkt vor Gericht notwendig sei. „Dazu müsste in Europa systematischer über die von Katzen verursachten Schäden geforscht werden“, sagt er. „Aber es ist sicherlich nicht auszuschließen, dass man der Argumentation auch jetzt schon Folge leisten könne.“
„Katzen sind eine Art Faunenverfälscher.“
Er plädiert sowieso dafür, Katzen immer im Haus zu halten. „Es stimmt zwar, dass es für Katzen instinktiv ist, zu jagen, aber Hauskatzen gehören überhaupt nicht in unsere Natur. Sie sind eine Art Faunenverfälscher (Faunenverfälschung: Veränderung des Artenbestands durch die Einführung einer oder mehrerer fremder Arten; A. d. r.). Sie haben nichts mit der europäischen Wildkatze zu tun, die auf natürliche Weise in der Wildnis vorkommt. Es sind domestizierte Tiere, wie ein Esel oder ein Hund“, erklärt er im Interview mit dem flämischen Rundfunk.
„Es gibt keine guten Argumente dafür, Ihre Katze nach draußen zu lassen. Es gibt aber viele gute Argumente, sie drinnen zu halten“, betont Vrielink. „Das liegt auch im Interesse der Katzen selbst. Wir alle sind verpflichtet, gut auf unsere Haustiere aufzupassen. Die Zahl der Todesfälle unter den Katzen, die ins Freie gelassen werden, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ist enorm. Sie werden überfahren, fangen Krankheiten oder werden von anderen Katzen oder Katzenhassern angegriffen. Dadurch werden Katzen, die draußen herumlaufen, im Durchschnitt nur halb so alt wie Katzen, die drinnen bleiben.“
Laut Vrielink ist es durchaus möglich, eine Katze im Haus zu halten. „Aber man muss sich mehr mit ihr beschäftigen. Man muss ihr Leben interessant und aktiv genug gestalten. Katzen müssen spielen, sie brauchen Aufmerksamkeit. Man muss sicherstellen, dass diese Tiere ein anderes Ventil für ihren Jagdinstinkt finden. Man kann ein Spiel daraus machen, sie nach Essen suchen zu lassen. Katzen können auch Stunden mit einfachem Spielzeug wie einer Schachtel, Papiertüten, Angelruten mit herunterhängenden Federn oder Laserlichtern, die sie jagen können, verbringen. Kratzbäume sind ebenfalls ein Muss, denn sonst schärfen sie ihre Krallen an den Hausmöbeln. Am besten wird auch pro Katze mindestens ein Katzenklo zur Verfügung gestellt, das regelmäßig gereinigt wird. Wer draußen genug Platz hat, kann auch ein geschlossenes Gehege im Garten aufstellen.“ (alno)

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