Der Countdown für die Emirate läuft

<p>Hassa al-Mansuri, Astronaut der Vereinigten Arabischen Emirate, winkt im Juri-Gagarin-Trainingszentrum. Zusammen mit zwei weiteren Astronauten startet er am 25. September 2019 vom Kosmodrom in Baikonur seinen Raumflug zur Internationalen Raumstation (ISS).</p>
Hassa al-Mansuri, Astronaut der Vereinigten Arabischen Emirate, winkt im Juri-Gagarin-Trainingszentrum. Zusammen mit zwei weiteren Astronauten startet er am 25. September 2019 vom Kosmodrom in Baikonur seinen Raumflug zur Internationalen Raumstation (ISS). | Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Als mit Neil Armstrong am 21. Juli 1969 zum ersten Mal ein Mensch den Mond betritt, gibt es die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) noch nicht. Erst kurz vorher werden große Ölfelder in der Region gefunden und innerhalb von wenigen Jahrzehnten wachsen Städte wie Dubai und Abu Dhabi mit ihren glitzernden Hochhausfassaden in den Himmel. Jetzt soll es noch weiter gehen. Zum ersten Mal schicken die VAE am 25. September einen eigenen Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. Als „astro_hazza“ twittert Hassa al-Mansuri schon von den Vorbereitungen in Russland, posiert in seinem Raumfahrtanzug. Die Parallelen zum deutschen „Astro_Alex“ Alexander Gerst sind unverkennbar. Nur folgen dem Deutschen auf Twitter momentan rund 1,3 Millionen Menschen, Hassa al-Mansuri hat bislang knapp über 5.000 Follower.

Dabei verkünden die Emirate seit Monaten stolz, dass Al-Mansuri der erste arabische Astronaut sein wird, der auf arabisch eine Videotour durch die ISS führen und Experimente auf arabisch erklären wird. Im neuen „Race to Space“ geht es auch um Superlative. Wenngleich der erste Araber schon 1985 mit den USA in den Weltall geflogen ist. Trotzdem: „So ein relativ junges Programm wie bei den Emiraten: Das ist kein PR-Gag, da steht ein ganzer Wirtschaftszweig hinter“, sagt der Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur Esa, Jan Wörner. Erst vor zwei Jahren haben die Emirate ihr Astronautenprogramm offiziell gestartet. Mit Hilfe internationaler Partner aber schnell aufgeholt. In Vorbereitung auf den Flug zur ISS hat die Esa die Emirate bei der Mission unterstützt, etwa was die Auswahl und Durchführung der wissenschaftlichen Experimente an Bord betrifft. Die Ausbildung fand größtenteils in Russland statt, eine Sojus-Rakete wird Al-Mansur in den Weltall bringen, wo er acht Tage lang bleiben soll.

„Früher war es Du oder Ich, Russland gegen die USA“, sagt Esa-Generaldirektor Wörner. „Heute ist es ein gesunder Wettbewerb und es gibt sehr viel Kooperation. Das ist das Wunderbare: Das Weltall gehört allen.“ Das Astronautenprogramm der VAE ist jedoch nur ein Teil einer umfassenden „Weltraum-Strategie“, wie die Weltraumagentur der Emirate selbst beschreibt: Es sei Teil der Strategie, unabhängiger vom Öl zu werden und den Übergang in eine „wissensbasierte und innovationsgetriebene Wirtschaft“ zu schaffen. Mit KhalifaSat haben die Emirate im vergangenen Jahr ihren dritten Erdbeobachtungssatelliten ins All geschossen. Im kommenden Jahr soll der erste Satellit zum Mars starten und dort umfassend die dünne Atmosphäre und die Jahreszeiten untersuchen. Die Marsmission solle eine „wissenschaftliche und technische Renaissance in den Emiraten und der arabischen Welt“ anstoßen, heißt es in einem Magazin des Mohammed-bin-Rasched-Weltraumzentrums (MBRSC). Und die Emirate blicken schon weiter. Innerhalb der nächsten rund hundert Jahre wollen sie die erste bewohnbare Siedlung auf dem Roten Planeten errichten.

Immer mehr Nationen und private Anbieter mischen im Weltraum mit. In diesem Jahr führten Indien und Israel bereits Mondmissionen durch, die aber zumindest teilweise scheiterten. Auch die USA wollen wieder zurück auf den Mond. Was nach Science Fiction klingt, sei ein riesiger Wirtschaftszweig, sagt Esa-Generaldirektor Jan Wörner: „Raumfahrt ist Innovationstreiber, dafür muss man Raumfahrt aber als komplette Infrastruktur verstehen, das ist mehr als reine Neugier.“ Es gehe um mehr als nur um Prestige. „So aktiv wie heute war Raumfahrt noch nie.“ (dpa)

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