In weniger als 90 Sekunden ist die achtgeschossige Textilfabrik zusammengekracht. Mehr als Tausend Menschen starben in der Produktionsstätte Rana Plaza in Bangladesch unweit der Hauptstadt Dhaka, wurden unter Trümmerbergen begraben. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Bilder der Katastrophe gingen vor sechs Jahren um die Welt. Sie zeigten symbolisch die erbärmlichen Arbeitsbedingungen von Millionen Textilarbeiterinnen, die Kleider für die westliche Welt herstellen.
Angestellte in Bangladeschs Textilfabriken verdienen inzwischen mehr, heißt es etwa von der Kampagne für Saubere Kleidung und der Organisation Femnet.
Nie wieder - versprachen damals viele Modeunternehmen. Doch was hat sich seither in dem Land getan, das die meiste Kleidung nach China liefert, aber auch westeuropäische Länder bedient. Angestellte in Bangladeschs Textilfabriken - die meisten sind Frauen - verdienen inzwischen mehr, heißt es etwa von der Kampagne für Saubere Kleidung und der Frauenrechtsorganisation Femnet, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzt. Inzwischen liegt ihr gesetzlicher Mindestlohn bei umgerechnet knapp 86 Euro (Tk 8.000) pro Monat. Nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik waren es noch knapp 57 Euro (Tk 5.300). Auch habe die Regierung inzwischen ein Hilfetelefon für Arbeiterinnen eingerichtet, was ihnen helfe, wenn sie Probleme hätten, heißt es von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Nach dem Fabrikeinsturz unterschrieben rund 200 Modeunternehmen ein Abkommen zu Brand- und Gebäudeschutz - den sogenannten Bangladesh Accord - woraufhin Inspekteure mehr als 1.600 Fabriken besuchten und sie entsprechend sicherer gemacht wurden. Inzwischen lief das Abkommen aber aus, und die Regierung von Bangladesch übernimmt die Kontrollfunktion. Industrie und Regierung seien nicht glücklich über die Vereinbarung, weil sie Arbeitnehmerrechte stärke, sagte der Präsident der Textilarbeiter-Gewerkschaft Amirul Haque Amin. Der Vize-Präsident der Vereinigung von Bangladeschs Fabrikbesitzern und Exporteuren, Faruque Hassan, klagt außerdem: „Wir haben die Sicherheit verbessert, die Arbeiterlöhne erhöht und soweit es geht Automatisierung eingesetzt, aber die Käufer zahlen uns weiterhin tiefe Preise.“ Oft müssten Arbeiterinnen zu tiefen Löhnen Überstunden leisten, sagt die Femnet-Vorstandsvorsitzende Gisela Burckhardt. Auch würden immer wieder Arbeiterinnen ihren Job verlieren, wenn sie einen höheren Lohn forderten. Ein Sprecher der ILO sagte aber, dass die Arbeiterinnen inzwischen mehr Mitspracherechte hätten.
Vom Handelsverband Deutschland HDE hieß es dazu: „Zusammen mit Fabrikbesitzern, Regierungen und Arbeitern fördern unsere Handelsunternehmen durch viele freiwillige Maßnahmen den Prozess, der zu existenzsichernden Löhnen führt. Wie hoch diese sind, müssen die Arbeiter mithilfe ihrer Arbeitnehmervertretungen mit ihren Regierungen aushandeln.“ Ein entscheidender Faktor in der Preiskalkulation der Produzenten seien die Löhne der Arbeiterinnen. „Die meisten Unternehmen haben die Zahlung von Mindestlöhnen in ihrem Code of Conduct (Verhaltenskodex) und arbeiten nur mit Produzenten zusammen, die diese Bedingungen erfüllen.“ (dpa)

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