Die Menschen in Toronto kommen aus der halben Welt. Die Hauptstadt der Provinz Ontario zählt 2,7 Millionen Einwohner. Wie bei jeder angesagten Großstadt gilt immer wieder eine andere „Neighborhood“ als hip und wird gentrifiziert.
Viktorianisches Erbe im Distillery District
Vor fast 200 Jahren hieß Toronto noch York und zählte nur ein paar Hundert Bewohner. 1834 wurde die Stadt in Toronto umbenannt, um sich besser von New York zu unterscheiden. Der Distillery District ist ein gutes Beispiel dafür, was einst in York los war: nicht viel.
Mit der Gooderham and Worts Distillery kam 1837 Leben ins Viertel. Briten waren es, die sich hier direkt am Ufer des Ontariosees niederließen und Alkohol herstellten. Heute gilt das Areal als besterhaltene Kollektion industrieller Architektur aus der viktorianischen Zeit in Nordamerika.

Heute wird hier sogar wieder Alkohol gebrannt, jedoch nicht mehr Whiskey und Wodka, sondern vor allem Sake. Eine Craft-Bier-Brauerei gibt es natürlich auch. Auch eine Reihe kleiner Boutiquen, Galerien und „Eateries“ sind in die neuen alten Gemäuer eingezogen.
Leslieville: Barbeque in der Tankstelle
Leslieville im Osten Torontos ist einer der Stadtteile, in denen bereits viel passiert ist und der sich laufend verändert. Der Kanadier Judson Flum ist zurückgekehrt, ausgerechnet an eine Tankstelle. Hier hat sein Vater früher das Auto richten lassen. Bei Judson kann man zwar auch Benzin kaufen, viel spannender ist aber das, was er drinnen in seinem Leslieville Pumps General Store and Kitchen anbietet: Southern Barbeque, kerniges Südstaaten-Essen.
Dazu gehört Pulled Pork ebenso wie geräuchertes Fleisch. Dazu gibt es die ur-kanadische Poutine, Pommes frites mit Bratensoße und Käse. Und vergleichsweise Gesundes für die Jungdynamischen im Viertel.
Zu jeder Zeit gut gefüllt mit Menschen jeden Alters sind auch die vielen kleinen Cafés und Restaurants im Viertel. Viele Kreative und junge Familien ziehen in die neuen Wohnungen, die überall gebaut werden oder in alten Fabrikhallen entstehen. Die Älteren leben schon seit Jahren vornehmlich in den Seitenstraßen der Queen Street East, in denen es ganze Reihen hübscher Backsteinhäuser aus vergangenen Zeiten gibt. Und das mit Garten, mitten in der Stadt.
Liberty Village: Gefühl von Freiheit
Ganz anders sieht Liberty Village aus. Einst stand hier das größte Gefängnis Torontos und eine sogenannte Besserungsanstalt für Frauen. Nachdem die Menschen ihre Zeit in diesen Anstalten abgesessen hatten, bekamen sie im Liberty Village wieder ein Gefühl der Freiheit – daher der Name des Viertels. Auch Industrie siedelte sich hier an.
Liberty Village liegt auf der Westseite der Stadt gleich hinter den Gleisen des Stadions. Die jungen Kreativen, die Hippen und die Karrieristen frisch aus der Uni leben hier in Hochhaussiedlungen, die zumeist von größeren Grünflächen umgeben sind.

Galeriekunst und Street Art in Queen Street West
Die amerikanische „Vogue“ hat die Queen Street auf der Westseite Torontos zwischen Bathurst und Gladstone Street zum zweitcoolsten Viertel der Welt ernannt. Das liegt an der hohen Konzentration von Kunstgalerien, kleinen Boutiquen, Designstudios und einzigartigen Bars und Restaurants. In Queen Street West finden sich zwar auch die Shops der großen Modeketten, doch alles fügt sich zu einem schicken großen Ganzen zusammen, das Einheimische wie Touristen anlockt. Ein Abstecher sollte von West Queen West aus nicht fehlen - in die wohl bunteste Straße Torontos, die Rush Lane. Sie ist besser bekannt als Graffiti Alley.
Kensington Market: Bohemiens und Multikulti
Kensington Market ist wie ein kleines Toronto mitten in Toronto. „Bohemian“ nennen die Kanadier dieses Viertel zwischen der Spadina Avenue und Dundas, Bathurst und College Street, das durch viele kleine, bunt angestrichene Häuser geprägt wird. In Kensington gibt es keine großen Kaufhäuser, keine superschicken Designerläden, keine weißen Tischdecken in den Restaurants. Alles wirkt sehr geerdet. Rentnern begegnet man ebenso wie deren Enkeln. Das kulinarische Angebot in Kensington ist vielfältig, weil in dem Viertel schon lange viele Nationalitäten leben. (dpa)



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