Nach Zahlen des französischen Innenministeriums wurden in der Nacht von Sonntag auf Montag 157 Personen festgenommen und 352 Brände im ganzen Land verzeichnet. Obwohl die Zahl der Festnahmen in der sechsten Gewaltnacht zurückging, bleibt die Situation angespannt. Zu besonderer Sprachlosigkeit hat dabei der Angriff auf das Haus des Bürgermeisters einer Pariser Gemeinde am frühen Sonntagmorgen geführt.
Am Montagabend will Staatspräsident Emmanuel Macron mit den Präsidenten der beiden Parlamentskammern, Yael Braun-Pivet und Gérard Larcher, über die aktuelle Situation beraten. Zudem hat die Vereinigung der Bürgermeister Frankreichs die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gemeinsam vor den Rathäusern als Zeichen der Verbundenheit zu versammeln. Seit vergangenen Dienstag sind nach Angaben des Verbands 150 Rathäuser angegriffen worden.
Motivation dieser Angriffe ist die Bestürzung über den Tod des Jugendlichen Nahel M. aus Nanterre, der bei einer Polizeikontrolle von einem Polizisten erschossen wurde. Ein formelles Ermittlungsverfahren wurde im Anschluss eingeleitet. Es scheint, als habe der Vorfall die schon lange anhaltende Wut in Teilen der französischen Bevölkerung über das Verhalten der Polizei noch einmal befeuert.
Auch außerhalb von Frankreich hat der Vorfall Unruhen produziert. Sowohl in Lausanne als auch in Brüssel wurden Ausschreitungen am Wochenende gemeldet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga kam es in der belgischen Hauptstadt vor allem im Viertel Anneessens zu Randalen, die zu 30 Festnahmen führten. Sowohl in Belgien als auch in Frankreich, handelt es sich bei dem Großteil der festgenommenen Personen um minderjährige Jugendliche.
Ein Phänomen, welches nachdenklich stimmt. So fordert der Bürgermeister von Bordeaux, Pierre Hurmic, die Regierung auf, ihre Politik in Bezug auf die Vorstädte, die sogenannten „Banlieues“, zu überdenken. Eine Forderung, welche er beim Treffen der Bürgermeister mit der Staatsspitze am Dienstag direkt an Emmanuel Macron richten kann.
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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