Russland setzt in Afrika Ex-Kolonialmacht Frankreich unter Druck

<p>Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wurde aus Mali verdrängt, das, wie auch Burkna Faso, verstärkt die Nähe zu Russland sucht.</p>
Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wurde aus Mali verdrängt, das, wie auch Burkna Faso, verstärkt die Nähe zu Russland sucht. | Foto: dpa

Für Frankreich ist der hastige Abzug seiner Anti-Terror-Truppen aus Burkina Faso ein weiteres Kapitel in einem frustrierenden Rückzugsgefecht. Denn nach dem Abzug der rund 400 Soldaten der „Taskforce Säbel“, den französische Medien vor mehreren Tagen berichteten, wird Russland seinen Einfluss in der Region mit Söldnertruppen, aber auch politisch und wirtschaftlich ausdehnen.

Genauso lief es im vergangenen Jahr, als die ehemalige Kolonialmacht aus Mali verdrängt wurde, das ebenfalls verstärkt die Nähe zu Russland sucht. Längst ist in Frankreich von einem hybriden „Krieg der Narrative“ die Rede, bei dem Russland mit Desinformation zur Diskreditierung Frankreichs bis hin zu antifranzösischen Protesten auf der Straße beiträgt.

Viele Jahre lang war Frankreich mit seinen entsandten Truppen eine wichtige Kraft im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen in der Sahelzone, die insbesondere Mali und Burkina Faso zu schaffen machen. Ausbleibende Erfolge und Strategiefehler hätten das Ansehen der Franzosen geschwächt, sagte Experte Yvan Guichaoua von der Brussels School of International Studies der Zeitung „Libération“. Die Bevölkerung glaube nicht mehr, dass die französischen Truppen ihnen die Islamisten vom Hals schaffen, sondern brächten deren fortdauernde Attacken mit der Präsenz französischer Soldaten in Zusammenhang.

Wie auch in Mali dürfte Russland auch in Burkina Faso der Gewinner sein, sagt Ulf Laessing, Sahelexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung. Russland habe den schrumpfenden französischen Einfluss geschickt genutzt, den Militärjuntas in Westafrika militärische Hilfe angeboten und antifranzösische Propaganda über die sozialen Medien verbreitet, erläutert auch Politologe Guichaoua.

Es ist nach Mali und der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) der dritte Abzug der französischen Armee in Afrika. In Mali und der ZAR sind nun russische Söldner der Gruppe Wagner aktiv. Politische Analysten fürchten erhebliche geopolitische Auswirkungen auf die gesamte Region. Frankreich ist in Westafrika weiterhin im Senegal, der Elfenbeinküste, dem Niger und Tschad stationiert. „Vor allem in den letzteren beiden Ländern gibt es ebenfalls ein starkes anti-französisches Sentiment, das wie in Burkina Faso historische Gründe hat, aber auch mit dem als arrogant empfundenen Auftreten französischer Regierungsvertreter zu erklären ist“, sagt Laessing.

Der Generalstabschef der französischen Streitkräfte, Thierry Burkhard, bezeichnete die russische Söldnergruppe Wagner jüngst als einen wichtigen Faktor für die Destabilisierung in Afrika.

Anfang Dezember war Burkina Fasos Premierminister Apollinaire Kyélem de Tambèla „privat“ nach Moskau gereist. Im Januar erwiderten russische Diplomaten den Besuch in Ouagadougou. Berichten zufolge ging es dabei um die Stärkung militärischer Zusammenarbeit. Kurz darauf kam die Ansage: Burkina Faso will die langjährige militärische Partnerschaft mit Frankreich beenden.

Die Militärmachthaber Burkina Fasos haben sich laut Laessing bewusst der anti-französischen Stimmungen bedient, die von russischen Trollen in den sozialen Medien angefacht wurden. In den Straßen der Hauptstadt Ouagadougou wehten russische Flaggen. Viele Burkiner machen Frankreich - ähnlich wie in Mali - für den Vormarsch der Dschihadisten verantwortlich. Von Russland seien Gerüchte verbreitet worden, Frankreich habe die islamistischen Terroristen heimlich mit Waffen beliefert, sagt Laessing.

Aufgepeitscht von pro-russischen „Influencern“ seien französische Einrichtungen wie die Botschaft oder Kulturinstitute angegriffen worden, sagt Laessing. Nationale Sicherheitskräfte hätten tatenlos zugesehen. Der französische Botschafter und die Vertreterin der Vereinten Nationen wurden ausgewiesen. In dem Land wurde - wie auch in Mali - dem französischen Rundfunksender RFI ein Sendeverbot erteilt. Mit derartigen „populären Aktionen“ wolle die Militärregierung beweisen, dass sie die Zügel fest in der Hand halte, sagt Laessing. „Burkina Fasos Militärjunta hat den Abzug der Franzosen auf diese Weise regelrecht erzwungen.“

Die auf Frankreich fokussierten antiwestlichen Ressentiments in Afrika würden auch durch die neue Konfrontation zwischen dem Westen und Russland angesichts des Ukraine-Krieges angefacht, erklärte Experte Jean-Marc Gravellini vom Institut für Internationale und Strategische Beziehungen (Iris) in Paris. Wie zu Zeiten des Kalten Krieges verlagere sich diese Konfrontation auch nach Afrika. Russland sieht Afrika nach Angaben des Instituts für Sicherheitsstudien (ISS) dabei als gezielt einsetzbares Instrument im Kampf gegen den Westen. Demnach versucht sich Moskau an die Spitze der antikolonialen Bewegung zu setzen - und ist mit Burkina Faso wieder einen Schritt vorangekommen.

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