In letzter Stunde vereint: Pelés Krankheit stärkte das Familienband

<p>An Neujahr erhellte eine Drohnenshow zu Ehren von Pelé den Himmel über dem Gonzaga-Strand in Santos.</p>
An Neujahr erhellte eine Drohnenshow zu Ehren von Pelé den Himmel über dem Gonzaga-Strand in Santos. | Foto: dpa

Das weiße Zeltdach spannt sich über den Mittelkreis des Estadio Urbano Caldeira, links und rechts davon markieren quer über den Rasen Holzplanken zwei Pilgerpfade. Das im Volksmund nur Vila Belmiro genannte Stadion ist bereit für ein letztes Adeus an „O Rei“, den am Donnerstag nach einem Krebsleiden verstorbenen Fußball-König Pelé.

Volksheld, Legende, Idol: Der Sarg von Pelé wird am Montag ab 10 Uhr Ortszeit zur Totenwache im Stadion des FC Santos aufgebahrt, am Dienstag folgt die Beerdigung. Aufgebahrt wird Pelés Sarg am Montag dort, wo der König am 2. Oktober 1974 mitten im Spiel niederkniete, die Arme dankend ausbreitete und damit das Erfolgsbuch FC Santos zuschlug. Beim nun endgültigen Abschied hat er aber im Gegensatz zu damals die Familie ganz nah bei sich.

Wie zuvor im Hospital Albert Einstein, wo der siebenfache Vater den letzten Monat seines 82-jährigen Lebens verbrachte. Als die Hände der Enkel Otavio und Gabriel sich über seine und die seiner Kinder legten, festgehalten auf einem Instagram-Foto an seinem Todestag, ließ Pelé seinen matten Körper langsam los. So war auch mit Tochter Sandra Regina endlich Frieden geschlossen.

Posthum, denn das Kind aus einer Liebesbeziehung mit einer Hausangestellten war 2006 im Alter von 42 Jahren an Krebs verstorben, hatte zuvor trotz klarer DNA-Tests vor Gericht um die Anerkennung der Vaterschaft durch Pelé ringen müssen. Fünf Tage nach ihrem Tod wurde Pelé damals als Ehrengast beim Formel-1-Rennen in Sao Paulo von seinen Landsleuten einmalig ausgepfiffen.

Kely Cristina (55), Edinho (52) und Jennifer (44) aus erster Ehe mit Rosemeri (77) sah der damalige Spieler kaum aufwachsen. Für ihre Probleme fand er später, als er in Sachen Fußballgeschäft die Welt bereiste, erst Zeit, als diese auf ihn zurückfielen. So als Edinho zunächst nach einem Verkehrsunfall mit Todesfolge, dann in Verbindung mit einem Drogenkartell hinter Gittern landete.

„Gott hat mir jetzt die Rechnung geschickt“, sagte der dreimalige Weltmeister vor wenigen Jahren. Da hatte er schon seine Hüftoperationen hinter sich, war wegen falscher Behandlung auf Gehhilfen angewiesen, kaputte Knie und Rücken zwangen ihn gar in den Rollstuhl. Dann kamen Nieren- und Blasenprobleme und mit ihnen schon vor dem Darmkrebs der Gedanke an den Tod.

Pelé suchte die Kinder - und diese suchten ihn. Die Zwillinge Joshua und Celeste (beide 26) mit Ehefrau Nummer zwei, Assiria (62), leben im Pendel zwischen den USA und Brasilien, Flavia Cristina (53), nach einer Liebesnacht auf Selecao-Reisen in Porto Alegre geboren, fernab im Süden. Und dennoch wob sich das Familienband mit zunehmender Schwächung Pelés enger und enger.

Mit 75 Jahren trat Pelé 2016 noch einmal vor den Traualtar, Marcia Aoki wurde zur letzten Begleiterin. Sie fuhr den König mit Atemproblemen am 29. November eilends ins Krankenhaus, nahm die am Sterbebett versammelte Familienschar über den Jahreswechsel mit in Pelés Vila nach Guaruja.

Alle hatten noch einmal die Hand über und unter die ihres Mannes, Vaters, Opas gelegt, bevor Pelé in Frieden vereint mit sich und seiner Familie einschlief. Am Montag bei der Totenwache und am Dienstag bei der Beerdigung werden sie sich wieder gegenseitig Halt geben. (sid/tf)

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