Königin-Elisabeth-Wettbewerb: Belgische Hoffnung absolviert ihren Finalauftritt

<p>Die Belgische Hoffnung beim KEW: Stéphanie Huang</p>
Die Belgische Hoffnung beim KEW: Stéphanie Huang

Stéphanie Huang (26, Belgien)

Eine Belgierin im Finale des Concours Reine Elisabeth, das ist jedes Mal ein Ereignis (siehe Hintergrund weiter unten). Bei den Huangs liegt das Musizieren in der Familie. Mutter Huang war die erste Lehrerin sowohl von Stéphanie als auch ihrer Schwester Sylvia. Schon mit 12 Jahren debütierte Stéphanie als Solistin mit den Rokoko-Variationen von Tschaikowsky im Theater La Monnaie in Brüssel. In der flämischsprachigen Abteilung des Brüsseler Konservatoriums absolvierte sie bei Jeroen Reuling ihr Bachelorstudium. Ab 2017 studierte sie bei Marc Coppey (Masterabschluss und Diplome d’Artiste) und Emmanuelle Bertrand am Conservatoire National Supérieur in Paris. Seit 2020 besucht sie die Celloklasse von Gary Hoffman in der Chapelle Reine Elisabeth. Neben dem Dexia Preis gewann Stéphanie Huang den Suggio Preis in Porto (2015) und den Ersten Preis beim Wettbewerb Società Umentaria in Mailand (2021). Im Halbfinale des KEW ließ sie im Adagio des Haydn-Konzerts Nr. 2 subtile Eleganz und im Schlusssatz ein wahres Feuerwerk an virtuoser Beherrschung aufleuchten. Dies setzte sich im Kammermusikrezital mit einer sehr fein gestalteten Sonate von César Franck sowie den technischen Kapriolen der „Rossini-Variationen“ von Martinu und dem „Tanz des Grünen Teufels“ von Cassado fort. Hier zeigte sie, dass diese Stücke nicht nur reine „Showpieces“ sein müssen, sondern auch musikalische Kleinode sein können. Im Finale spielt Stéphanie Huang das berühmte Cellokonzert von Antonin Dvorak als Wahlkonzert. Ihre Schwester Sylvia spielte übrigens 2019 bei ihrem Finalauftritt das nicht ganz so populäre Violinkonzert desselben Komponisten. Dvorak liegt den Huangs wohl besonders am Herzen.

Marcel Johannes Kits (27, Estland)

<p>Marcel Johannes Kits aus Estland</p>
Marcel Johannes Kits aus Estland | Foto: Derek Prager

Im Vergleich zu Stéphanie Huang kann der Este Marcel Johannes Kits auf eine größere Wettbewerbs- und Konzerterfahrung blicken. Der 27-Jährige Cellist gewann 2016 den Brahms-Wettbewerb (Österreich), und 2018 den Enescu-Wettstreit (Rumänien). Ein Jahr später erreichte er beim ARD-Wettbewerb in München das Halbfinale. Schon seit seinem vierten Lebensjahr spielt Kits Cello. Nach einer ersten Ausbildung in Tallinn zog er 2014 nach Deutschland und studierte zunächst bei Francis Gouton und seit 2018 bei Jens Peter Maintz an der Universität der Künste Berlin. Er konzertierte oftmals mit dem Estnischen Nationalorchester in seinem Heimatland, aber ebenso in der Elbphilharmonie Hamburg, dem Boulez-Saal Berlin, der Berliner Philharmonie, in St. Petersburg und Moskau. Desgleichen war er bei zahlreichen Festivals (Olympus, Griechenland und Festspiele Mecklenburg-Vorpommern) zu Gast. Sicheres Auftreten, perfekte Technik, hohe Konzentrationsfähigkeit, innere Gelassenheit prägten sowohl seine Interpretation des Cellokonzerts Nr. 2 von Joseph Haydn als auch sein Kammermusikrezital. Eine unvergleichliche Palette an Farben zeichnete zum Beispiel seine Wiedergabe von Adagio und Allegro von Robert Schumann aus. In der Sonate von Francis Poulenc offenbarte er eindrucksvoll den Witz, die Ironie aber auch die Poesie dieser Komposition. Man darf sehr gespannt sein auf seine Interpretation des Konzerts Nr. 1 von Dmitri Schostakowitsch heute Abend im Finale mit dem Brussels Philharmonic.

Hintergrund: Die Belgier beim KEW

- Ist ein Belgier oder eine Belgierin beim „Elisabeth“ dabei? Diese Frage wird in jedem Jahr gestellt und macht deutlich, welche Bedeutung der Königin-Elisabeth-Wettbewerb in der Klassikszene des Landes hat. Die Einschaltquoten der übertragenden Rundfunk- und Fernsehanstalten (RTBF und VRT) schnellen dann jeweils in die Höhe. Oftmals gewinnt der Belgier oder die Belgierin den Publikumspreis. Ein bisschen Chauvinismus sei erlaubt.

- Laureat beim Concours Reine Elisabeth zu sein ist für belgische Teilnehmer ein wunderbares Sprungbrett für eine Karriere, dies nicht nur im eigenen Land. Aber vergessen wir nicht, um dieses Ziel zu erreichen, braucht es zum einen großes Talent und zum anderen Fleiß, Ausdauer und einen enormen Willen. Die Cellistin Stéphanie Huang hat es in diesem Jahr geschafft.

- Die bisherigen belgischen Preisträger in der Geschichte des KEW: 1938 Klavier: André Dumortier (8.), 1952 Klavier: Frans Brouw (4.) und Janine Kinet (12.). 1955 Violine: Clemens Quataker (10.) und Marcel Debot (12.). 1956 Klavier: Claude-Albert Coppens (8.)

- 1964 gewann der damals 17-Jährige Jean-Claude Vanden Eynden den dritten Preis, das bis dahin und für mehrere Jahre beste Ergebnis eines Belgiers. 1967 Violine: Marjeta Delcourt-Korosec (11.). 1971 Violine: Edith Volkaert (5.). 1975 Klavier: Evelyne Brancart (8.) und Dominique Cornil (11.). 1978 Klavier: Robert Groslot (6.) und Sylvia Traye (9.) 1980 Violine: Véronique Bogaerts (9.), 1987 Klavier: Johann Schmidt (4.).

- Beim ersten KEW für Gesang 1988 wurde Marie-Noëlle De Callatay 7. und Werner Van Mechelen 9. 1991 Klavier: Jan Michiels (12.), 1992 Gesang: Catherine Vandevelde (9.) und Isabelle Kabatu (12.).

- Ab 1995 werden nur die ersten sechs Laureaten in der der Reihenfolge der Punkte bekanntgegeben, die weiteren Preisträger in alphabetischer Reihenfolge. 2000 Gesang: Véronique Solhosse (Laureatin). 2004 Gesang: Shady Torbey (3.) und Lionel Lhote (6.).

- 2005 Violine: Yossif Ivanov (2.), 2007 Klavier: Liebrecht Vanbeckevoort (6.), 2009 Violine: Lorenzo Gatto (2.), 2011 Gesang: Thomas Blondelle (2.) und Sébastien Parotte (Laureat). 2012 Violine: Marc Boushkov (Laureat). 2014 Gesang: Jodie Devos (2.) und Sheha Tehoval (Laureatin). 2018 Gesang: Marianne Croux (6.) und Charlotte Wajnberg (Laureatin). 2019 wurde Sylvia Huang Laureatin des Violinwettstreits.

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