Nach zwei Jahren endlich wieder eine Födekam-Generalversammlung in Präsenzform. Mit der Resonanz im St.Vither Triangel war Födekam-Präsident Marc Komoth aber nicht ganz zufrieden. „Es wäre schöner gewesen, wenn mehr Vertreter der 118 Mitgliedsvereine an der Generalversammlung teilgenommen hätten. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass die Vereine in der aktuellen Phase vor allem mit sich selbst beschäftigt sind, dennoch ist ein starker Verband wichtig, um die Interessen unseres Sektors gut vertreten zu können. Die Luft für die Vereine ist in den letzten zwei Jahren dünner geworden. Einige Vereine reden von Fusionen, andere denken sogar ans Aufhören“, erklärt Marc Komoth.
Auch wenn 2021 zahlreiche Veranstaltungen und Projekte Corona bedingt ins Wasser gefallen sind, kann Födekam auf ein arbeitsintensives Jahr zurückblicken. Das Födekam-Sekretariat ist von St.Vith nach Amel umgezogen. Im neuen Verbandssitz wurde auch die Notenbibliothek untergebracht. Zudem haben zahlreiche verbandsinterne Versammlungen und mehrere Treffen mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft sowie anderen Verbänden und Vereinigungen stattgefunden. Neben der Zeitschrift Födekam Neues veröffentlicht der Musikverband seit einigen Monaten eine Newsletter, um die Mitglieder zeitnah und aktuell informieren zu können.
Denkfabrik und Professionalisierung: Ferner hat Födekam 2021 eine Denkfabrik initiiert. Thema: Wie kann man Gesang und Musik attraktiver gestalten? Bei zwei Treffen haben die Mitglieder des Verwaltungsrates und des Teams Födekam diese Frage erörtert. In den kommenden Monaten sollen die Vereine in diesen Denkprozess miteingebunden werden.
Zudem wurde an einem Konzept zur Professionalisierung des ostbelgischen Musikverbandes gearbeitet. „Wir haben festgestellt, dass es für den Verband schwerer wird. Deshalb möchten wir uns professioneller aufstellen und Födekam in eine gesicherte Zukunft führen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass unsere beiden Sekretärinnen Jeannine Hepp und Elke Zanzen in naher Zukunft pensioniert werden und alle anderen Verbandsmitglieder Ehrenamtler sind“, fasst Marc Komoth die Lage zusammen.
Jahresprogram 2022: Viel Zeit und Knowhow haben die Födekam-Verantwortlichen in das Jahresprogramm 2022 investiert. Im Vokalbereich sind die Projekte The Walking Singers, Vocal Project, eine Chorleiter-Weiterbildung, die Singwoche für Kinder und Jugendliche, der Projektchor „Edition 2022 Frauen- & Männerchor“ und ein Seminartag „Singen mit Kindern“ geplant. Im Instrumentalbereich sind es das Play-In Junior Edition, der Solistenwettbewerb „Sonatina“, das Play-In mit Dirigent Otto M. Schwarz, das Jugendorchester „Band Factory“ sowie „Musik in der Schule“. Ein umfassendes Programm, das vielleicht ein kleines Loch in die Födekam-Finanzen reißen könnte. „Wir haben vorsichtig geplant. Ein mögliches Defizit können wir mit unseren Reserven auffangen“, sagt Kassierer Jean-Pierre Beckers. „Auch für 2021 sah der Haushaltsplan ein Minus vor, aber wir haben das Jahr mit einem Plus von rund 6.700 Euro abschließen können. Wir sind gut gerüstet.“
Last but not least fanden bei der Födekam-Generalversammlung die turnusmäßigen Wahlen für den Verwaltungsrat statt. Horst Bielen und Marc Komoth kandidierten erneut und wurden für weitere drei Jahre in den Verwaltungsrat gewählt. Nicht mehr angetreten war Rainer Hilger, der fast 16 Jahre VR-Mitglied war. Födekam-Präsident Marc Komoth dankte Rainer Hilger für seinen Einsatz und die gute Zusammenarbeit. Als Nachfolger wurde der 29-jährige Julian Pauels aus Crombach in das Gremium gewählt.
Hintergrund:
Födekam-Präsident Marc Komoth: „Es war ein schweres Jahr für die Vereine“
Wir sprachen mit Marc Komoth, Präsident von Födekam Ostbelgien.
Marc Komoth, wie sieht Ihr Rückblick auf das vergangene Jahr aus?
2021 war ein Corona-Jahr und es war ein schweres Jahr für die Vereine. Wenn wir davon ausgehen, dass Corona jetzt zu Ende ist, dann können wir an einen Neustart denken. Zum wiederholten Mal starten wir neu. Viele Vereine hatten auch schon Probleme vor Corona, die sich in den letzten zwei Jahren nicht von selbst gelöst, sondern eher verstärkt haben. Wir stehen also vor großen Herausforderungen. Ich bin aber sehr positiv und sehe vor allem die Veranstaltungen im Jugendbereich als sehr hoffnunggebende Zeichen, z.B. das Play In Junior Edition letztes Jahr in den Allerheiligenferien. Wir waren mitten in einer Phase, wo man nicht wusste, was darf man oder was darf man nicht. Die Kinder waren so begeistert und haben toll mitgemacht. Rund 75 Kinder haben gemeinsam eine Woche verbracht, haben es richtig gut gehabt und haben Freude an der Musik empfunden und Freundschaften geschlossen. Das sind die Projekte, die wir als Musikverband unbedingt fördern und ausdehnen wollen. Zusammenarbeit der Vereine, Zusammenarbeit vor allem im Jugendbereich, wie z. B. Band Factory und Vocal Project. Viele interessante Projekte konnten wir letztes Jahr zum Teil nicht durchführen, das wollen wir dieses Jahr nachholen.
Trotz Corona hat Födekam mehrere Initiativen ergriffen, oder?
Wir haben die Vereine dazu aufgerufen, nicht still zu stehen. Und das haben wir als Verband auch versucht. Wir haben einen Denkprozess gestartet, wo wir uns grundlegende Fragen stellen, wie man Musik und Gesang noch attraktiver machen kann. Dieser Denkprozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben bei der Generalversammlung die Vereine dazu aufgerufen, sich auch in diesen Denkprozess mit einzubringen. Nachdenken darüber, was man anders und besser machen kann, das ist auch die Rolle von Födekam. Als Verband versuchen wir auch, uns in Frage zu stellen. Und der Newsletter ist kein Ersatz für die altbekannte Zeitschrift Födekam Neues, sondern eine aktuelle, zeitnahe Ergänzung. Als Verband müssen wir versuchen, uns zu erneuern.
Und der Ausblick auf das laufende Jahr?
Hoffentlich wird es ein „normales“ Jahr. Die Planungen sind dementsprechend verlaufen. Schwerpunkt bleibt die Jugend. Das war schon immer so und wird auch in Zukunft der Fall sein. Ich möchte aber auch auf das altbekannte Play-In hinweisen, dem wir 2022 neuen Schwung geben wollen. Mit der Zeit ließ der Erfolg der Veranstaltung etwas nach. Es gab den Neustart mit dem Play-In New Generation. Und in diesem Jahr haben wir wieder einen großen Play-In mit einem sehr bekannten Dirigenten und zwar Otto M. Schwarz aus Österreich. Ziel ist es, Ostbelgiens Musikwelt richtig zu aktivieren und zusammenzubringen.
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