Selenskyj: Halten die wichtigsten Gebiete - Die Nacht im Überblick

<p>Rauch steigt nach einem Angriff über einem ehemaligen Einkaufszentrum in Kiew auf, das als Waffendepot des ukrainischen Militärs benutzt worden sein soll.</p>
Rauch steigt nach einem Angriff über einem ehemaligen Einkaufszentrum in Kiew auf, das als Waffendepot des ukrainischen Militärs benutzt worden sein soll.

Die Ukraine hält nach Angaben ihrer Führung auch drei Wochen nach Kriegsbeginn jene Gebiete des Landes weiter unter Kontrolle, in die russische Truppen vorzudringen versuchen. Die Armee antworte auf jeden Angriff russischer Einheiten, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht zum Freitag. Am Rand der westukrainischen Stadt Lwiw schlugen am Morgen mehrere mutmaßlich russische Raketen ein. Nach ersten Angaben wurde niemand bei dem Vorfall verletzt. Lwiw liegt lediglich rund 80 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt.

Zuspruch für die bedrängten ukrainischen Städte

Der ukrainische Präsident wandte sich besonders an die Menschen in Mariupol, Charkiw und Tschernihiw, deren Städte belagert werden und schweren Schaden genommen haben. Sie würden nicht im Stich gelassen, versicherte er. Von der Armee bis zur Kirche tue jeder alles für die Menschen. „Ihr werdet frei sein“, versprach Selenskyj.

Der Staatschef dankte zudem US-Präsident Joe Biden für dessen „neue und effektive“ Hilfe - und bat um Verständnis, dass er nicht alle Details zum Unterstützungspaket der USA preisgeben könne. Washington hatte zuletzt weitere Waffen im Wert von mehreren Milliarden Dollar zugesagt.

Nach ukrainischen Angaben setzten russische Truppen in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf Tschernihiw fort. In Mariupol am Asowschen Meer bleibt unklar, wie viele Menschen beim Beschuss eines Theaters umgekommen sind. Der Abgeordnete Serhij Taruta schrieb auf Facebook, in den Schutzräumen des Gebäudes seien zuletzt offenbar noch mindestens 1300 Menschen gewesen. Aussagen der Abgeordneten Olga Stefanyschyna zufolge wurden am Donnerstag rund 130 Zivilisten lebend aus den Trümmern gerettet.

Nahe des Flughafens von Lwiw schlugen mehrere russische Raketen ein, wie Bürgermeister Andrij Sadowij auf Telegram mitteilte. Dabei sei ein Flugzeugreparaturwerk getroffen worden. In Lwiw ist es in den bisherigen drei Wochen Krieg vergleichsweise ruhig geblieben, die Stadt ist aber voller Flüchtlinge. Bei einer Attacke auf den Truppenübungsplatz Jaworiw nahe der Stadt vergangenen Sonntag hatte es nach ukrainischen Angaben mindestens 35 Tote und 134 Verletzte gegeben.

USA sprechen von russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine

US-Außenminister Antony Blinken warf Russland Kriegsverbrechen in der Ukraine vor, bezeichnete dies aber als seine persönliche Meinung. Er verwies auf eine ähnliche Äußerung von Präsident Biden. Absichtliche Angriffe auf Zivilisten seien ein Kriegsverbrechen. Offiziell hat die US-Regierung eine solche Einstufung bislang nicht vorgenommen. Blinken sagte aber: „Unsere Experten sind dabei, mögliche Kriegsverbrechen, die in der Ukraine begangen werden, zu dokumentieren und zu bewerten.“ Auch nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums greift das russische Militär in der Ukraine vermehrt zivile Einrichtungen an.

Das wird heute wichtig

Wegen des Kriegs in der Ukraine will US-Präsident Biden am Freitag mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping telefonieren. China ist der wichtigste Verbündete Russlands, lässt aber bei dem Angriff auf die Ukraine eine gewisse Distanz erkennen. Für Russland ist am Freitag der achte Jahrestag der Annexion der Krim. Putin hatte am 18. März 2014 eine Rede gehalten und dann den Beitritt der ukrainischen Halbinsel zu Russland unterzeichnet. Die meisten Ländern erkennen diese Annexion nicht an.

In New York nahm Russland wegen mangelnder Unterstützung im UN-Sicherheitsrat Abstand von einer Abstimmung über eine Resolution zur humanitären Lage in der Ukraine. Das mächtigste UN-Gremium soll aber am Freitag erneut zu einer Dringlichkeitssitzung wegen angeblicher US-Labore zur Produktion von Biowaffen in der Ukraine zusammenkommen - eine Behauptung, die von russischer Seite trotz fehlender Beweise immer wieder erhoben wird. Der Rat hatte sich schon einmal auf Anfrage Moskaus mit den Vorwürfen beschäftigt, die weithin als Falschinformation und haltlose Propaganda bezeichnet werden. (dpa/calü)

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