Die blinden Flecken der Wirtschaft: „Oeconomia“ im IKOB zu sehen

<p>Illustration: dpa</p>
Illustration: dpa

Sie erforscht in ihrer Dokumentation die Grundlagen unseres Geld- und Finanzsystems. Der Ansatz der Regisseurin ist Neugier, ihre Methode scheinbar naive Fragen: Wie entsteht Geld? Wie funktioniert eine Bank? Woher kommt das Geld für Gewinne? Warum wächst die Wirtschaft, wenn Verschuldung und Vermögenskonzentration zunehmen?

Im Film kommen zahlreiche namhafte Experten zu Wort. Diese haben oft jedoch Mühe, diese elementaren Fragen überzeugend zu beantworten. Manchmal kommen sie selbst ins Grübeln – oder sogar ins Schwimmen. Losmann muss feststellen: Viele grundlegende Sachverhalte in der Wirtschaft werden weder hinterfragt noch verstanden – selbst von vermeintlichen Fachleuten nicht. Regisseurin Carmen Losmann gibt sich damit aber nicht zufrieden. Sie möchte in ihrem Film die Spielregeln des herrschenden Wirtschaftssystems nicht nur verstehen, sondern auch vermitteln. „Entstanden ist ein mutiger Film zu einem abstrakten Thema – dem modernen Geld- und Finanzsystem“, heißt es in einer Mitteilung von Attac DG.

Immer wieder wurden Losmann Drehgenehmigungen verweigert; Konferenzen wurden für sie nur nachgestellt; Interviews erst zugesagt, dann zeitlich eingeschränkt. Viele Gespräche durfte sie gar nicht aufzeichnen. Losmann reflektiert die Bedingungen, unter denen ihr Material entstand, und zeigt, dass die Branche sich nicht gern in die Karten blicken lässt. Seinem Sujet, dem Geld- und Finanzsystem, nähert sich „Oeconomia“ auf eine kluge und sinnliche Weise an.

Der Dokumentarfilm regt zum Nachdenken an – fertige Antworten hat auch er nicht. In seiner episodischen Erzählstruktur macht „Oeconomia“ sichtbar, dass die Wirtschaft nur dann wächst, dass Gewinne nur dann möglich sind, wenn wir uns verschulden. „Banken schöpfen Geld, indem sie Kredite vergeben, die sie gar nicht als Gegenwert in bar besitzen. Sie erschaffen Buchgeld, das enorme Wirtschaftskraft besitzt, aber erst einmal nur auf dem Papier besteht. Jenseits von distanzierten Phrasen der Berichterstattung, die ein Verstehen des Ungeheuerlichen letztlich immer wieder verunmöglichen, macht sich Carmen Losmann mit viel Scharfsinn daran, den Kapitalismus der Gegenwart zu durchleuchten“, heißt es in der Mitteilung.

Erkennbar werde ein Nullsummenspiel, das uns und unsere ganze Welt in die Logik einer endlos fortwährenden Kapitalvermehrung einspannt – koste es, was es wolle. „Ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird und vielleicht kurz vor seinem Ende steht.“ Auch visuell sei Carmen Losmann ein gelungenes Werk geglückt. So rahmen die Aufnahmen der glatt-polierten Oberflächen und Glasfassaden der Finanzgebäude sowie der fein-säuberlich hergerichteten Konferenzräume stimmig die Interviewsequenzen und das Erzählte ein. Dazu passt dann bestens der Ort der Filmvorführung. Gezeigt wird der Film im Museum für Zeitgenössische Kunst (IKOB) am Rotenberg in Eupen. Der Film startet um 19.30 Uhr. Im Anschluss an den Film wird über das Gesehene diskutiert. Die Diskussion leitet IKOB-Direktor Frank-Thorsten Moll. Der Eintritt ist frei. (red/sc)

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