„Das Trockenwerden ist in vielen Familien ein kompliziertes und emotionales Thema, das nicht nur selten zu Verzweiflung führt. Steht der Eintritt in den Kindergarten an, beschäftigen sich viele Eltern rechtzeitig mit dem Versuch, ihrem Kind die Windel abzugewöhnen. Bei vielen Kindern gelingt dies problemlos, bei einigen allerdings nicht. Der Weg weg von der Windel ist ein großer und wichtiger Meilenstein, den wir nicht erzwingen können oder sollten, sondern auf dem wir unser Kind an die Hand nehmen und es begleiten“, schreibt der Ecolo-Abgeordnete Andreas Jerusalem.
Das Trockenwerden sei nicht nur ein Lernvorgang, sondern auch eine „natürliche Entwicklung“: „Eines ist bei der Windelabgewöhnung ganz besonders wichtig: Einfühlungsvermögen, Verständnis und kein Druck.“ Natürlich sei das Personal in den Kindergärten nicht für die Sauberkeitserziehung der Kinder verantwortlich. „Das sind die Eltern. Aber dennoch benötigen einige Kinder über das 3. Lebensjahr hinaus noch Begleitung, auch im Kindergarten. Wir wissen sehr gut, dass diese Aufgabe in vielen Kindergärten ganz selbstverständlich gelebt wird.“
Ecolo sei es wichtig, dass den Kindergärten die personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, die diese Begleitung ermöglichen. „Das sind im Falle der DG die Kindergartenhelfer und Kindergartenassistenten. Ecolo möchte nämlich nicht, wie Vivant, den Druck auf unsere Eltern erhöhen, dass mit der Herabsenkung des Kindergarteneintrittsalters auf 2,5 Jahren auch alle Kinder mit 2,5 Jahren trocken sein müssen. Wir fordern unsere Regierung auf, in engem Austausch mit den Kindergärten zu bleiben, um immer dem realen personellen Bedarf gerecht zu werden.“ Es zeige sich deutlich, dass die jetzt schon teilweise eingestellten Kindergartenassistentinnen auch heute schon im Kindergarten „vollkommen ausgelastet“ seien, bevor das Eintrittsalter herabgesenkt werde. Kindergarten sei viel mehr als nur „spielen und betreuen“. Er sei ein wichtiger Lern- und Entwicklungsort, der die Grundlagen für unsere Gesellschaft von morgen lege. „Wenn hier die personellen Ressourcen nicht stimmen und die Kindergärten ihren wichtigen Aufgaben nicht gerecht werden können, hat das nicht nur Folgen für die einzelnen Kinder und deren Familien, sondern auch für das gesamte Schulsystem und unsere Gesellschaft von morgen“, so Jerusalem.
Hintergrund der Debatte im PDG waren Äußerungen des flämischen Bildungsministers Ben Weyts (N-VA). Ihm zufolge geht Zeit zur programmatisch festgelegten Erziehung im Kindergarten verloren, wenn man sich um Kinder zu kümmern habe, die nicht sauber seien. Mit diese Aussage hatte der CSP-Abgeordnete Colin Kraft DG-Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) konfrontiert. Diese hatte wiederum erklärt, dass das Kindergartenpersonal in der DG immer häufiger mit der Problematik konfrontiert werde, und für diese Herausforderung stünden den Kindergärtnern Kindergartenassistenten und -helfer unterstützend zur Seite. Das entsprechende Stellenkapital werde seit September 2018 progressiv erhöht und werde zum 1. September 2024, wenn das Kindergarteneintrittsalter von drei auf 2,5 Jahre gesenkt wird, 100 Prozent betragen. In der Debatte hat der Vivant-Abgeordnete Alain Mertes unterstrichen, „dass wir das erwarten können, dass Kinder mit Zweieinhalb, beim Kindergarteneintritt, trocken sind“. Das sollte von Schulen und der Politik den Eltern klar kommuniziert werden. Er glaube nicht, dass früher, als es die Ausnahme gewesen sei, wenn ein Kind nicht trocken war, „alle Kinder traumatisiert wurden“, so Alain Mertes seinerzeit in der PDG-Regierungskontrolle. (sc)
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