Die Heizung läuft, die Wände sind wieder weiß verputzt: Gerald Schumacher, gebürtig aus Weywertz, steht in seinem Haus nahe der Weser in der Pepinster. Mit seiner Lebensgefährtin Monique ist er seit Mitte Juli in Dison bei einer Freundin untergekommen. Das Wasser stand den beiden im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. Keller und Erdgeschoss mussten komplett erneuert werden, Möbel und ein Großteil des Besitzes sind unbrauchbar.
„Alleine hätten wir das niemals geschafft“, sagt Gerald Schumacher, dem der Schreck und die Anspannung der letzten Monate immer noch anzusehen ist. „Wir haben Glück gehabt, weil wir sehr viel Hilfe aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft hatten“, wissen er und seine Lebensgefährtin, dass viele Nachbarn noch längst nicht so weit sind, dass sie über die Rückkehr in ihr Haus nachdenken können. Vor zehn Jahren hat der gebürtige Weywertzer sich mit seiner Freundin in Pepinster niedergelassen.
Spontan eine Hilfsaktion über Facebook gestartet.
Der Zufall wollte es, dass er nach der Flut mit Pascal Müller und Sarah Nelles zwei Ostbelgier traf, die keine Sekunde zögerten, als sie das Ausmaß der Katastrophe sahen, und sofort eine Hilfsaktion starteten. „Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen“, blicken die beiden zurück auf ihren ersten Besuch in Verviers nach der Katastrophe. Am Morgen danach war klar, dass sie der Hilfe für die Betroffenen Priorität einräumen und so viel Zeit wie möglich freischaufeln. Über Facebook wurde eine Spendenaktion gestartet und in den ersten Tagen Ladungen mit Lebensmitteln, Putzmaterial und anderen Spenden in die Region gefahren.
Von Hotel Eifelland über Apotheke Hardy, Traiteur Kurt Schmidt bis zu Kurt Wiesemes, Henri Aerts, dem Tierheim Schoppen und Helmut Franzen: Die Liste der Spender, die die private Initiative unterstützten ist lang.
Auch jetzt kommt immer noch Hilfe bei dem engagierten Paar an: Die neuen Besitzer des Landhauses Küpper in Berg, Horst Cohnen, Christoph Meyer und Sacha Thommen, stellen die Einrichtung des früheren Restaurants zur Verfügung. Melanie Spee vom Imbiss Snackeria in Bütgenbach hat am Nikolaustag den Erlös einer Verkaufsaktion, aufgerundet auf 1.000 Euro, in Pepinster an Gerald Schumacher übergeben. Der gebürtige Weywertzer ist sehr gerührt von der Unterstützung, die er aus der alten Heimat erhält. Die nächsten Arbeiten werden nun Wand- und Bodenbeläge sein und in absehbarer Zeit hofft das Paar wieder in sein Haus zurückzukehren. Auch Möbel aus einer Spende stehen schon bereit. Ein Teil des Habs und Guts konnte auf die erste Etage des Hauses gerettet werden.
„Die Lager sind voll und viele Betroffene sind noch nicht so weit, dass sie in ihre Häuser zurückkehren können“, erklärt Sarah Nelles, warum derzeit eher Geld als Sachspenden benötigt wird.
Dringend gebraucht werden in der jetzigen Phase auch fleißige Helfer, die noch einmal mit anpacken. In der Woche nach Weihnachten, zwischen dem 27. und dem 31. Dezember, möchten Pascal Müller und Sarah Nelles eine Aktion starten, um die Gärten der Anwohner in der rue Hodister von Schlamm zu befreien. „Das muss jetzt gemacht werden, bevor die Arbeiten in den Häusern beendet werden“, erklärt Pascal Müller. Bei Gerald Schumacher musste der gesamte Schlamm von Hand entfernt werden, da der Garten nur durch das Haus zugänglich ist und so kein schweres Gerät zum Einsatz kommen kann.
Alleine wäre er verzweifelt, sagt Gerald Schumacher.
„Alleine schaffen wir das nicht“, sagen die Helfer aus der Eifel und hoffen noch einmal auf tatkräftige Unterstützung. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich melden unter Tel. 0479-39 84 77 oder 0473-26 18 10. Um das entsprechende Werkzeug und die Vorbereitung würden sie sich kümmern, wobei die eine oder andere Schaufel und Schubkarre willkommen wäre. „Alleine wäre ich verzweifelt“, blickt Gerald Schumacher zurück und kann dank der Unterstützung jetzt wieder ein bisschen optimistischer in die Zukunft schauen. Auch wenn die Angst ihn in den neu gestalteten vier Wänden wahrscheinlich noch lange begleiten wird. Erst neulich hat er eine Nachbarin angesprochen, die bei Regen begann ihr Haus mit Sandsäcken zu schützen.



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