Im vergangenen Jahr befragten Forscher der Universität Antwerpen rund 3.000 junge Erwachsene aus Flandern, der Wallonie und Brüssel im Rahmen einer umfassenden europäischen Studie zu ihren Erfahrungen mit grenzüberschreitendem Verhalten im Sport, etwa in Form von Vernachlässigung, psychischer und körperlicher Gewalt, sexueller Belästigung und gar Vergewaltigung.
Demnach hat jeder fünfte Sportler in Flandern und jeder vierte Sportler in der Wallonie vor seinem 18. Lebensjahr sexuelle Übergriffigkeit erlebt. Die Hälfte der Sportler berichtet von körperlicher Belästigung, zwei Drittel von psychischer Gewalt. Einer von drei Sportlern in Flandern und vier von zehn wallonischen Sportlern erfuhren Vernachlässigung in Form von unzureichender medizinischer Versorgung.
Die häufigsten Formen von grenzüberschreitendem Verhalten im Sport sind körperlicher Natur, etwa Bestrafung durch übermäßige Anstrengung, Demütigung, keine Anerkennung für sportliche Leistungen und negative Kritik am Aussehen. Die am wenigsten verbreiteten Formen sind sexuelle Nötigung und Vergewaltigung. Allerdings machten acht Prozent der Befragten diese Erfahrungen vor ihrem 18. Lebensjahr.
Insgesamt haben drei Viertel aller Befragten vor ihrem 18. Lebensjahr mindestens eine Form von übergriffigem Verhalten erlebt. In Flandern (72 Prozent) ist die Zahl etwas niedriger als in der Wallonie und Brüssel (80 Prozent).
Männer melden mehr Fälle von grenzüberschreitendem Verhalten. Besonders groß ist der Unterschied bei körperlichen Übergriffen – 61 gegenüber 42 Prozent bei Frauen. Männer berichten auch von mehr sexuellen Anzüglichkeiten, einschließlich sexueller Belästigung. Dies ist bemerkenswert, denn frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen häufiger Opfer sind. Bei den Tätern handelt es sich in erster Linie um Sportler aus der eigenen oder aus anderen Mannschaften, aber auch um Trainer und Betreuer. In der Hälfte der Fälle waren Männer beteiligt, in einem Viertel Frauen und in den übrigen Fällen sowohl Männer als auch Frauen.
Etwa einer von drei Sportlern, die Opfer von Übergriffigkeit wurden, erzählt niemandem davon. Diejenigen, die es doch taten, vertrauten sich in der Regel ihrer Familie oder Personen außerhalb des Sportsektors an. Nur vier bis acht Prozent der Athleten, die diese Erfahrung machten, erzählten jemandem innerhalb der Sportorganisation davon.
Die Zahlen stehen im Einklang mit den Ergebnissen aus anderen europäischen Ländern. Die Ergebnisse sind immer noch um einiges höher als bei der ersten Messung im Jahr 2014. Den Forschern zufolge könnte dies auf ein höheres Bewusstsein in der Gesellschaft zurückzuführen sein, was dazu führte, dass in der jüngsten Erhebung mehr grenzüberschreitende Verhaltensweisen richtig erkannt und gemeldet wurden.
Die Forscher haben eine Liste von Empfehlungen formuliert. So halten sie einen allgemeinen politischen Rahmen für die Prävention jeglicher Form von grenzüberschreitendem Verhalten für sinnvoll. Zudem könnten Präventionsinitiativen gefördert und unabhängige Stellen eingerichtet werden, an die sich Sportler vertrauensvoll wenden können. Sportorganisationen sollen sensibilisiert werden, übergriffiges Verhalten zu erkennen. (belga/sue)

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