Auf das Wiedersehen mit Christian Streich beim wohl ungewöhnlichsten Spitzenspiel der jüngeren Bundesliga-Geschichte freut sich Julian Nagelsmann ganz besonders. „Christian ist ein extrem positiver Charakterkopf und ein unglaublich intelligenter Mann“, sagte Bayern Münchens Coach vor dem Generationenduell mit dem Trainer-Guru des SC Freiburg am Samstag. Die beiden Fußballlehrer standen sich in der Liga schon oft gegenüber, doch eine Anekdote über den Freiburg-Trainer blieb dem 34-Jährigen in spezieller Erinnerung: „Vor einem Spiel mit Hoffenheim hat er mir gesagt, dass er etwas später zu einem Interview mit Sky kommt, weil er mein Interview in der FAZ noch fertig lesen wollte“, erzählte Nagelsmann. Streich habe sich dann in die Kabine gesetzt, sich die Viertelstunde genommen und später noch mit Nagelsmann über einige Aussagen gesprochen. „Ich schätze ihn sehr“, sagte der Bayern-Trainer, „und freue mich auf das Wiedersehen.“
Aus dem Breisgau schickte Streich ebenfalls lobende Worte nach München an seinen um 22 Jahre jüngeren Kollegen: „Er ist eine tolle Erscheinung, ein außergewöhnlicher Trainer, wie jeder weiß. Sehr, sehr reflektiert, ein sehr intelligenter Mensch“, sagte er. Dann berichtete Streich von „schönen Gesprächen“ mit Nagelsmann. „Er quatscht mit jedem wie mit einem Kumpel“, sagte er. Und nur „wenige in dem Alter“ könnten bei so einem großen Verein wie dem FC Bayern arbeiten – „erstens vom Wissen und zweitens vom Selbstvertrauen her“.
Der gegenseitige Respekt vor dem ersten großen Schlager der noch jungen Bundesligasaison ist riesig. Der gut aufgelegte Tabellenführer aus München empfängt den Dritten aus Freiburg, das noch einzige ungeschlagene Team der Liga. „Es ist ein wichtiges Spiel. Die Anführungszeichen beim Spitzenspiel kann man weglassen, das ist ein Spitzenspiel“, betonte Nagelsmann.
Der SCF sei laut Nagelsmann ein „sehr sympathischer Verein, der aus seinen Möglichkeiten das Maximale über mehrere Jahre“ heraushole. Auch dank Streich, der Menschen begeistern könne.
Auf dem Rasen in der Allianz Arena treffen jedenfalls die beste Offensive sowie beste Defensive aufeinander. Während die Bayern in zehn Spielen beeindruckende 38 Tore erzielten, ließen die Breisgauer nur sieben Gegentreffer zu.
Nach der 5:2-Gala am Dienstag in der Champions League gegen Benfica Lissabon wollen die Bayern vor der Länderspielpause nachlegen, die Freiburger hoffen ähnlich wie beim 1:1 vor drei Jahren in München auf eine „Gefühlsexplosion“.
Streich will dem großen FCB „die Stirn bieten“, auch wenn „unsere Stirn vielleicht nur halb so groß ist wie ihre bayerische“, sagte der Coach vor seinem 300. Bundesligaspiel für die Breisgauer und schmunzelte.
Nagelsmann hat bei der Suche nach der richtigen Aufstellung derweil die Qual der Wahl. Einzig Marcel Sabitzer fehlt wegen Magen-Darm-Problemen. Es werde wieder einen treffen, sagte Nagelsmann, „der leistungsmäßig völlig unverdient“ nicht von Beginn an spielen wird. Und dann wieder ein 5:2, um die Tabellenführung zu festigen? „Ich gewinne gerne 5:2, aber lieber ist mir ein 3:0“, sagte Nagelsmann und lächelte. (sid/tf)

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