HIV-Infizierte: In der DG gibt es kein verbindliches Zahlenmaterial

<p>Ein Mensch unterzieht sich einem HIV-Test.</p>
Ein Mensch unterzieht sich einem HIV-Test. | Foto: picture alliance/dpa/Agencia Uno

Wenn es um die Zahl der HIV-Infizierten in Belgien geht, ist das Material nicht gerade aktuell: Laut Institut Sciensano, das die Registrierung und Beurteilung der Infektionsentwicklung in Belgien übernimmt, gab es hierzulande 923 neue Diagnosen im Jahr 2019. Diese Angaben stammten aus dem aktuellsten Bericht von 2020 zum Stand der Situation Ende 2019, wie Gesundheitsminister Antonios Antoniadis (SP) nach einer schriftlichen Frage der Abgeordneten Diana Stiel (Vivant) erklärte.

Aus dem Material könnten keine Fallzahlen für Ostbelgien abgeleitet werden, fügte er hinzu. Auch in der DG müsse von einer Dunkelziffer ausgegangen werden, „da es möglich ist, über einen variablen Zeitraum mit dem HIV-Virus zu leben, ohne dass direkte Symptome auftreten und die Diagnose einer HIV-Infektion gestellt wurde“.

„Von regionalen Unterschieden ist auszugehen.

Eine Einschätzung

für Ostbelgien

gibt es nicht.“

Laut Sciensano wurde für das Jahr 2018 die Dunkelziffer der HIV-positiven Menschen, die ihr serologisches Statut nicht kannten, bei 9,1 Prozent geschätzt. „Dabei ist von regionalen Unterschieden auszugehen. Eine Einschätzung für Ostbelgien gibt es nicht.“ In der DG seien HIV-Schnelltests rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich. „Ein positiv ausfallender Schnelltest muss jedoch durch eine serologische Blutanalyse ergänzt werden. Die Allgemeinmediziner sowie Fachärzte aller Fachrichtungen können die serologische Blutanalyse anfragen. Sowohl die Krankenhauslabore als auch die niedergelassenen Labore in der DG können die serologischen Blutanalysen durchführen“, erläuterte der Gesundheitsminister.

Bei der Vereinigung Prisma würden Sprechstunden zur Vorbeugung und Früherkennung von sexuell übertragbaren Krankheiten für Menschen aller Altersgruppen angeboten. Kaleido sei Ansprechpartner für Jugendliche und arbeite eng mit den Hausärzten sowie mit der Aidshilfe Aachen und dem Centre de Reférence Sida aus Lüttich zusammen. Auf die Stiel-Frage nach einer medikamentösen Behandlung in der DG oder in Krankenhäusern antwortete er, dass die Behandlung und Betreuung von HIV-positiven Menschen „durch spezifische, anerkannte Referenzzentren“ stattfinde. Hierzulande gebe es zwölf Referenzzentren, die jeweils einem Krankenhaus angegliedert seien. Das nächstliegende Zentrum zu Ostbelgien sei in Lüttich.

In der DG habe sich durch Kaleido eine Arbeitsgruppe mit verschiedenen Partnern zur Förderung der sexuellen Gesundheit bei Jugendlichen gebildet. Ein Schwerpunkt beziehe sich auf das Thema HIV und Aids. „So werden zum Beispiel diesbezüglich in den Klassen des 3. Sekundarschuljahres Animationen durchgeführt. Die Präventionsarbeit bezieht sich nicht ausschließlich auf HIV und Aids, sondern auf alle sexuell übertragbaren Erkrankungen“, antwortete Antoniadis.

Ferner biete das Bürgerinformationsportal der DG Links zum Thema Prävention an. Zur Vorbeugung sexuell übertragbarer Krankheiten habe das Ministerium ein Informationsfaltblatt veröffentlicht. Sensibilisierungsmaßnahmen gebe es zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Allerdings hätten vorgesehene Kampagnen wegen der Corona-Pandemie nicht oder nur teilweise stattfinden können. Alle genannten Anlaufstellen und Ärzte seien verpflichtet und verpflichteten sich, Anonymität zu gewährleisten. Berichte über mögliche Ausgrenzungen von HIV-Positiven seien in der DG nicht bekannt.

In ihrer Frage hatte Diana Stiel einen GrenzEcho-Artikel erwähnt, in dem es um HIV ging. Aids könne demnach bei rechtzeitiger Behandlung vermieden und durch eine HIV-Behandlung sogar rückgängig gemacht werden, trotzdem redeten viele Betroffene nicht über ihre Infektion, „da sie sich noch immer Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt sehen“. Es gebe nach wie vor Vorurteile „mit verheerenden Folgen“: Viele potentiell Infizierte würden sich gar nicht erst auf HIV testen lassen, da sie die gesellschaftlichen Folgen fürchteten. Die Lage habe sich aufgrund der Corona-Pandemie weiter zugespitzt, da sich noch weniger Menschen auf HIV haben testen lassen, und viele hätten ihre Medikamente nicht mehr regelmäßig bekommen. „Die daraus resultierenden Neuinfektionen und somit weitere Verbreitung des Virus könnte man den betroffenen Menschen ersparen. Die HIV-Pandemie kann also nur durch Tests und entsprechende Medikamente für Infizierte eingedämmt werden, um der Ansteckung weiterer Menschen vorzubeugen und um den Ausbruch von Aids zu verhindern.“

„Wenn Menschen mit Sars-Cov-2 bei ersten Symptomen frühzeitig eine adäquate Behandlung erhalten würden, könnten schwere Verläufe verhindert und Menschenleben gerettet werden.“

„Der Corona-Pandemie könnte auf eine ähnliche Weise begegnet werden, um die Übertragung des Virus und damit die Krankheit Covid-19 zu verhindern: Wenn Menschen, die sich nachweislich mit Sars-Cov-2 infiziert haben, bei ersten Symptomen frühzeitig eine adäquate Behandlung erhalten würden, könnten schwere Verläufe verhindert und Menschenleben gerettet werden“, so Diana Stiel. Für die Vivant-Fraktion sei es „absolut unverständlich“, dass ein im Schnellverfahren entwickelter und „bisher unzureichend getesteter“ Corona-Impfstoff millionenfach verimpft werde, während überhaupt keine Ressourcen in die Entwicklung einer medikamentösen Therapie gegen Covid-19 fließen würden. (sc)

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