„Sie haben klar gemacht, dass die UN bleiben sollen“, sagte Richard Brennan, Regionaldirektor für Nothilfe bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), am Dienstag in Kairo. „Es gab einige ermutigende Zeichen und Gespräche.“ Über den Verbleib der UN-Mitarbeiter liefen derzeit „auf hoher politischer Ebene“ Verhandlungen zwischen Taliban-Vertretern und ranghohen Vertretern der Vereinten Nationen.
Die Machtübernahme der Taliban vor gut einer Woche hat die Arbeit in Afghanistan für humanitäre Helfer teils stark beeinträchtigt. So können 500 Tonnen dringend benötigter Arzneiwaren nicht geliefert werden, weil derzeit keine kommerziellen Flüge in Afghanistan landen dürfen. Die WHO verhandelt aber mit mehreren Ländern in der Hoffnung, dass diese die Güter nach Kabul bringen können.
Schon vor der aktuellen Krise war Afghanistan nach UN-Angaben die drittgrößte humanitäre Katastrophe weltweit. 18 Millionen Menschen - etwa die Hälfte der Bevölkerung - benötigen humanitäre Hilfe. Die Corona-Pandemie hat die Lage noch verschärft. Die Impfungen kommen nur langsam voran: Nur fünf Prozent der Bevölkerung sind der WHO zufolge gegen das Coronavirus geimpft.
Das für Afghanistan zuständige WHO-Regionalbüro in Kairo hatte schon zuvor gemahnt, dass die humanitäre Hilfe nicht unterbrochen werden würde. Millionen Afghanen seien darauf angewiesen. Das ohnehin schwache Gesundheitssystem sei durch die jüngsten Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Laut WHO sind 95 Prozent der medizinischen Gesundheitseinrichtungen geöffnet und arbeiten weiter. Einige weibliche Angstellte hätten ihre Jobs aber aufgegeben. (dpa/calü)

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