Meakusma Weekend 2021 abgesagt

<p>Meakusma Weekend 2021 abgesagt</p>
Foto: Geert Coppens

„Das Gebäude, in dem sich unsere Büros befinden, kann auf bisher unbestimmte Zeit nicht betreten werden. Zudem liegen auch unsere Privatwohnungen in betroffenen Gebieten. Es gibt dort zurzeit noch keinen Internetempfang. Die Übernachtungsmöglichkeiten für Künstler und Besucher sind durch das Unwetter sehr begrenzt. Alle Campingplätze wurden überschwemmt, mehrere Hotels und Bed & Breakfasts, wo wir jährlich Künstler und Besucher unterbringen sind teils stark beschädigt. Da viele Gäste und Künstler aus dem Ausland das Meakusma Weekend besuchen, waren ausreichende Unterkünfte schon immer eine Herausforderung. Jetzt ist es schlicht unmöglich ausreichende Schlafplätze anbieten zu können. Erst recht wenn man bedenkt, dass viele Anwohner gerade auf der Suche nach Wohnungen sind, wo sie vorübergehend unterkommen können, da sie ihr Heim verloren haben,“ heißt es in einer Stellungnahme von Meakusma.

Ebenfalls sei der Hauptlieferant für das technische Material schwer von der Flut getroffen worden, so dass dieser wohl nicht das nötige Material und die Präsenz vor Ort gewährleisten kann. Auf logistische Hilfestellungen seitens der Stadt Eupen könne man im Moment nicht mit Sicherheit zählen, da diese mit dem Wiederaufbau der Stadt völlig ausgelastet ist. „Wir möchten aus diesem Grund auch keine zusätzliche Arbeit für die Stadtverantwortlichen verursachen. Es gibt gerade wichtigeres für diese zu tun.“, so der Veranstalter. Und die notwendigen Schritte zur Vorbereitung der Veranstaltung müssten eigentlich jetzt bereits unternommen werden, und nicht erst in einigen Wochen, wenn sich die Lage vielleicht beruhigt hätte.

Neben der Stadtverwaltung, spielte die Situation der Bevölkerung auch eine Rolle in den Überlegungen Meakusmas: „Aufgrund der Pandemie hatten wir den geplanten Standort des Festivals vom Alten Schlachthof zum Eupen Plaza verlegt. Durch die Lage und die Corona-Auflagen, die eine regelmäßige Lüftung vorsehen, wäre es im Stadtzentrum zu einer größeren Lärmbelästigung gekommen. Nach der langen kulturellen Durststrecke hätten wir das Festival als Lichtblick und Bereicherung für viele Menschen gesehen. In dem Fall hätten wir auch gerne mit betroffenen Anwohnern den Kontakt gesucht, um Nachsicht für die Lärmbelästigung gebeten und auch nach eventuellen Lösungen oder Entschädigungen gesucht. Nach der katastrophalen Überschwemmung empfinden wir die Situation allerdings anders und wir möchten eigentlich niemandem eine zusätzliche Belastung zumuten“.

Ändernde Corona-Maßnahmen

Obschon die Corona-Krise aufgrund der Ereignisse der letzten Woche ein wenig in den Hintergrund getreten ist, bleibt sie für Kulturveranstalter allgegenwärtig. Die Planung läuft unter ständig ändernden Bedingungen, auch mit der Möglichkeit eines Verbots in letzter Sekunde. Dies erschwert die Durchführung um ein vielfaches. „Der Föderalstaat hält zwar bisher weiterhin an der Aussage fest, die Maßnahmen bis September zu lockern, jedoch wurden bereits stärkere Reisebeschränkungen angekündigt. Dies hat direkte Konsequenzen für unsere Künstler, Helfer und auch Besucher. Als Festival mit einem internationalen Programm und einem internationalen Publikum bedeutet dies, nicht nur mit einer komplizierten logistischen Situation konfrontiert zu sein, sondern man ist auch einem unberechenbaren finanziellen Risiko ausgesetzt. Kurzfristige Entscheidungen, wie der veränderte Umgang mit Tests, erschweren die Situation. Das hat man unter anderem auch an der Absage der Veranstalter von Pukkelpop gesehen. Und die Entwicklung der Zahlen der letzten Wochen gibt uns das Gefühl, dass die Durchführung von größeren Veranstaltungen auch in Bezug auf Corona mit Risiken verbunden ist. Uns scheint, dass die Situation zu unberechenbar ist. Wir sind keine Experten, jedoch möchten wir uns genau aus diesem Grund auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und ein eventuelles Gesundheitsrisiko für die Gesellschaft schaffen. Möglicherweise ist dies übervorsichtig, aber wir halten es für verantwortungsvoller das Risiko in unserem Handeln gering zu halten, als jetzt um jeden Preis eine große Veranstaltung durchzudrücken“, so Meakusma. Und weiter: „Es kann sein, dass sich die Lage in den nächsten Wochen so entwickelt, dass wir oder die Besucher denken, die Absage sei eine falsche Entscheidung gewesen. Mit diesem Risiko müssen wir nun leben. Uns ist jedoch wichtig, eine Veranstaltung von angemessener Qualität und Sicherheit für Gäste und Künstler garantieren zu können. Außerdem ist uns wichtig, dass Besucher und Künstler frühzeitig anders planen können und nicht in letzter Sekunde damit konfrontiert werden, dass es eine Absage gibt.“

Kleineres Programm am Wochenende

Einige Programmpunkte bleiben am Wochenende jedoch bestehen. So wird ein Ferienlager für Kinder und Jugendliche der Musikschulen von St.Vith und Jette wie geplant durchgeführt. Zum Abschluss gibt es ein Konzert in der Eupener Nikolauskirche. Am Sonntag finden dort ebenfalls Konzerte von Sarah Davachì und Maria W. Horn statt. Außerdem wird geprüft, welche der geplanten Installationen präsentiert werden können. Alle Darbietungen werden kostenlos zugänglich sein. Weitere Infos dazu folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Menschen. die ein Ticket für das Meakusma Festival 2021 gekauft haben, werden in den nächsten Wochen ihr Geld zurück erhalten. Diejenigen unter ihnen, die bereits Reisevorbereitungen getroffen haben, können sich an den Veranstalter wenden. Und für 2022 hegt der Veranstalter die Hoffnung auf eine Rückkehr zur ursprünglichen Form und zu den gewohnten Standorten des Meakusma Festivals: „Wir möchten die Hoffnung nicht aufgeben, bald zu einer Form der Normalität zurück zu gelangen, da wir überzeugt sind, dass positive Begegnungsorte lebenswichtig für Menschen sind. Die letzte Woche hat nochmal gezeigt, dass Solidarität und ein Zusammengehörigkeitsgefühl essentiell wichtig sind, für eine Gesellschaft und für jeden Einzelnen. Wir hoffen bald wieder Gelegenheiten schaffen zu können, genau das zu kultivieren“. (red/hegen)

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