Hat man an der Eupener Wesertalsperre nicht rechtzeitig reagiert?

<p>Blick auf die Eupener Wesertalsperre</p>
Blick auf die Eupener Wesertalsperre | Archivbild: belga

„In diesem Fall hätte es weniger Schaden gegeben“, zeigt sich Damien Ernst, Professor für Elektromechanik an der Uni Lüttich, im Gespräch mit der Zeitung „La Meuse“ überzeugt. Am Montagmorgen habe es bereits eine Wetterwarnung gegeben, dass es in den Tagen danach außergewöhnlich starke Regenfälle geben wird - mit dem Höhepunkt von Mittwochabend bis Donnerstagabend.

Diese Warnung habe man an der Wesertalsperre in Eupen aber nicht genutzt, um den Wasserpegel vorsorglich abzusenken, damit der Stausee im kritischen Moment mehr Wasser aufnehmen kann. Ohne Vorsorge habe der Stausee an der Wesertalsperre am Mittwochnachmittag seinen Höchststand erreicht, sodass man dazu gezwungen gewesen sei, den Überlauf ins Tal abzulassen, kritisiert Damien Ernst. 43 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hätte man zwischen Montagmorgen und Mittwochmorgen, als die Situation noch nicht kritisch war, im Stausee in Eupen ablassen können. Das wären 7,3 Millionen Kubikmeter gewesen, rechnet der Professor vor. „Das ist natürlich enorm. Das hätte zwar nicht alles geändert, weil es natürlich immer noch Schäden gegeben hätte, aber das Schlimmste hätte verhindert werden können“, sagt Damien Ernst im Gespräch mit der Zeitung „La Meuse“. Gerade durch den hohen Wasserstand seien die meisten Schäden verursacht worden.

Die Redaktion der Zeitung „La Meuse“ hat vergeblich versucht, Fabian Docquier, zuständiger Direktor für den Betrieb der Staudämme aus dem Ministerium der Wallonischen Region, um eine Stellungnahme zu bitten. Vorher hatte Docquier betont, die Ingenieure hätten richtig gehandelt. „Ja, wir haben die Warnung am Montag erhalten, aber die außergewöhnlichen Regenfälle wurden erst am Dienstag bestätigt, und wir konnten nicht das Risiko eingehen, das Tal zu überfluten“, zitierte die Zeitung Docquier.

Der Direktor rückte auch die Rolle des Staudamms als Trinkwasserreserve für den Sommer in den Mittelpunkt. Doch auch dieser Darstellung widerspricht der Lütticher Professor Damien Ernst: „Die Situation in diesem Sommer ist ganz und gar nicht dieselbe wie im vergangenen Sommer. Es gab viel Regen und der Grundwasserspiegel ist hoch genug. Außerdem wusste man sehr genau, dass sich der Staudamm bei den vorhergesagten Regenfällen schnell wieder füllen würde.“ (sc)

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