Ausgerechnet auf dem Pétanque-Platz in Kelmis trifft sich Gerd Blum mit dem GrenzEcho, um über Seifenkisten zu plaudern. „Ich habe früher hier gelebt, und es ist wie nach Hause kommen“, schwärmt er, nachdem er das Spiel beendet hat. Denn einst war Blum einer der Heroen der Göhlgemeinde. Bis zu 7.000 Zuschauer sind in den Sechzigern und frühen Siebzigern gekommen, um den Torjäger des RSC Union Kelmis schießen zu sehen. Und „den Gerard“ kennt man dort bis heute.
In der benachbarten Kaiserstadt kennt man ihn in einer anderen Rolle. „Hallo, Mister Seifenkiste, wie geht es?“, hatte der frühere Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) ihm zugerufen, wenn er ihm begegnet ist. Denn der inzwischen 80-Jährige organisiert schon seit rund 40 Jahren das alljährliche Rennen um die schönsten und schnellsten Selbstbaufuhrwerke. Er selbst gehörte zu den Piloten, die nach dem Krieg noch in den Trümmern nach Kinderwagenrädern gesucht hatten, die dann unter eine Seifenkiste von Dalli geschraubt hatten und dann Wege heruntergebrettert sind, auf denen heute eher Blechlawinen unterwegs sind.

Am 8. August organisiert Gerd Blum das 33. Aachener Seifenkistenrennen am Branderhofer Weg in Aachen. Es werden weder Eintritt noch Startgeld verlangt – das ist ihm wichtig. „Ich habe mir den Begriff ‚Seifenkistenrennen‘ früher sogar schützen lassen, damit niemand die Kinder ausbeutet“, erzählt er. Früher sind bei den Rennen bis zu 60 Teilnehmer dabei gewesen. Dieses Jahr werden es wohl weniger, aber er hofft auf eine stattliche Anzahl Teilnehmer auch aus Ostbelgien. Die Strecke am Branderhofer Weg sei nicht gefährlich – maximal 15 Kilometer pro Stunde sind machbar, sodass Kinder von fünf bis elf Jahren mitfahren können. Natürlich ist die Strecke mit Strohballen abgesichert und auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Die Kisten müssen mit Bremsen versehen sein und die Kinder einen Sturzhelm tragen. „Aber die Kinder fühlen sich auf ihren Kisten, als seien sie mit 250 Sachen unterwegs“, schwärmt Blum. Früher sind übrigens auch Politiker in einem eigenen Rennen gefahren. So hat Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) auch einmal den Pott in ihrer Kategorie geholt.
„Die Kinder brauchen nach Corona wieder Unterhaltung“, ist Blum überzeugt. Allerdings: Es gibt die abenteuerlichen Gefährte nicht im Supermarkt zu kaufen – man muss sie bauen. „Besonders Oma und Opa sind gefragt, denn die kennen das noch von früher.“ Und da kommt es neben technischem Sachverstand auch auf Kreativität an. Denn es gibt nicht nur Preise für die Schnellsten, sondern auch Sonderpreise für das floteste Mädchen sowie die kreativste und ulkigste Kiste. „Einmal ist jemand mit einer fahrenden Tomate gekommen“, erzählt er. Und auch technisch plaudert er aus dem Nähkästchen. So seien kleine Räder besser als große, und als Kugellagerfett sei Nähmaschinenöl die beste Wahl, verrät er.
Infos und Anmeldung bei Gerd Blum unter 0049-(0)151/47 21 63 54

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