„Gareth Bale ist so verdammt genial“

<p>Zwischen Genie und Wahnsinn: Gareth Bale</p>
Zwischen Genie und Wahnsinn: Gareth Bale | Foto: EPA

Hohn und Spott ließen nicht lange auf sich warten, nachdem der passionierte Golfer Gareth Bale seinen Elfmeter in den Nachthimmel von Baku gejagt hatte. „Sicher gelandet“, scherzte die englische Fußballikone Gary Lineker und postete dazu ein Video, in dem der Ball in seinen Garten fliegt: „Ich denke, dass du das Grün von hier aus noch erreichen kannst.“ Dabei blieb Bales Fehlschuss nur eine Randnotiz an einem ansonsten herausragenden Abend. Denn der Kapitän der Waliser zeigte der Fußballwelt beim 2:0 gegen die Türkei, dass er es noch immer kann. Bale ging voran, wie ein echter Kapitän eben, und ließ sich nicht einmal von seinem deutlich verschossenen Elfmeter verunsichern. Ein ganzes Land träumt von einer neuen EM-Sensation – dank eines Superstars, dem nur wenige eine solche Leistung noch zugetraut hatten.

Es sei „schwierig“, meinte Bale, „das mit 2016 zu vergleichen“. Mit jenem Turnier vor fünf Jahren, bei dem die Dragons bei ihrer Endrunden-Premiere ins Halbfinale gestürmt waren und auf ihrem Weg unter anderem die Roten Teufel ausschalteten. Aber es sei „trotzdem ein fantastischer Sieg. Wir haben uns die Seele aus dem Leib gekämpft“. Mit vier Punkten vor dem Duell mit Italien Sonntag (18 Uhr) ist die K.o.-Runde greifbar.

Mit einem Traumpass auf Aaron Ramsey (42.) und einem leichtfüßigen Dribbling vor Connor Roberts' Treffer (90.+5) ebnete Bale den Weg zum Erfolg. Klar, es sei „kein schönes Gefühl“ gewesen nach dem Strafstoß, doch er sei „erfahren genug, dass mich das nicht zu sehr beeinflusst.“

Nach seinem Gala-Auftritt gab der 31-Jährige erst den Anheizer im Mannschafts-Kreis und schlenderte dann mit einem breiten Grinsen durch die Katakomben. Bale trage „nicht ohne Grund die Kapitänsbinde“, schwärmte Teamchef Robert Page. Jeder Mensch mache „Fehler, aber er hat sie weggesteckt und war der Mann des Spiels“. Ganz zur Verwunderung der Kritiker, schließlich ist der einst teuerste Spieler der Welt im Vereinsfußball längst keine große Nummer mehr. „Wales, Golf, Madrid, in dieser Reihenfolge“ – jene Einordnung seiner Prioritäten prangte 2019 auf einer walisischen Flagge, mit der Bale grinsend posierte und die Stimmung bei Real endgültig gegen sich aufbrachte.

Doch im Nationaltrikot schlüpft Bale in die Rolle des Teamplayers. Wer die Tore mache, sei „völlig egal“, sagte Bale, obwohl er selbst seit Oktober 2019 auf einen Treffer für Wales wartet. Gemeinsam mit Ramsey, dem zweiten Star in der Mannschaft, trägt er die Hoffnungen einer ganzen Nation. Die Sun prophezeite, dass der Erfolg „neben den Heldentaten der EURO 2016 als eine der großen Nächte in die walisische Fußballgeschichte eingehen“ werde. Selbst Lineker lenkte ein: „Jeder kann einen Elfmeter verschießen, aber Gareth Bale ist so verdammt genial.“ (sid/tf)

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