In Kayah an der Grenze zu Thailand seien mehr als 108.000 Menschen auf der Flucht. Viele harrten in Waldgebieten aus, „ohne Nahrung, Wasser, sanitäre Einrichtungen oder medizinische Versorgung“, betonte Bachelet. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar, Tom Andrews, hatte bereits vor wenigen Tagen vor einem Massensterben in der Region gewarnt.
„Statt den Dialog zu suchen, brandmarkt das Militär seine Gegner als "Terroristen" und verfolgt politisch motivierte Anklagen gegen die demokratische Führung“, sagte Bachelet und appellierte an den Staatenbund Asean und „andere einflussreiche Staaten“, auf der sofortigen Einstellung der Gewalt und der Menschenrechtsverletzungen zu bestehen. Die entmachtete Regierungschefin Aung San Suu Kyi und weitere ehemalige Spitzenpolitiker werden von der Justiz zahlreicher Vergehen beschuldigt.
Die Gefangenenhilfsorganisation AAPP veröffentlichte am Freitag eine Liste, wonach seit dem Umsturz mindestens 22 Menschen in der Haft oder bei Verhören zu Tode gefoltert wurden. Unter den Opfern sind Politiker, Aktivisten, ein Poet und einfache Zivilisten aus allen Landesteilen. Seit Monaten gibt es immer wieder Berichte über grausame Folter von Gefangenen. Insgesamt wurden AAPP zufolge bereits knapp 6.000 Menschen festgenommen.
„In etwas mehr als vier Monaten hat sich Myanmar von einer fragilen Demokratie zu einer Menschenrechtskatastrophe entwickelt“, sagte Bachelet. Die Militärjunta sei allein verantwortlich für die Krise und müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Die Hochkommissarin will den UN-Menschenrechtsrat am 7. Juli über die Lage in Myanmar informieren. (dpa/calü)

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