Der Erwerb des Führerscheins scheine eine „enorme Herausforderung“ für junge Menschen zu sein, so der RDJ mit Verweis auf eine Umfrage und Gespräche mit Netzwerkpartnern von Streetwork. Besonders die theoretische Führerscheinprüfung sei ein Problem, „denn viele Jugendliche, unabhängig von ihrem Bildungsniveau, müssen diese wiederholen“. Für Fahranwärter sei es ein enormer Aufwand, bis diese sich mit dem provisorischen Führerschein in ein Auto setzen und begleitend fahren dürften. „Dazu kommt, dass sowohl der Theoriekurs und die Theorieprüfung als auch das begleitende Fahren erhebliche Kosten verursachen können. Dabei ist es besonders in unserer ländlichen Region wichtig, einen Führerschein zu besitzen und mobil zu sein“, so der RDJ. Der Rat bittet die politischen Entscheidungsträger der Wallonischen Region und der DG darum, „dafür Sorge zu tragen, dass der Führerscheinerwerb und die Vorbereitung darauf für (nicht nur) junge Menschen zugänglicher und der Straßenverkehr sicherer wird“.
Folgende Forderungen richten sich an die Wallonische Region, die für das Führerscheinsystem zuständig ist: Das Führerscheinsystem in französischer und deutscher Sprache digitalisieren: virtuelle Lernplattform mit wichtigen Informationen und Dateien zur Vorbereitung auf die theoretische und praktische Prüfung, damit alle Informationen zentral, nachhaltig und schnell anpassbar zu finden sind; Erreichbarkeit des Führerscheinzentrums in Eupen verbessern, damit dieses in deutscher Sprache auf verschiedene Weisen kontaktiert werden kann (mindestens E-Mail und Telefon); Akkreditierung von Drittanbietern der Theoriekurse bei einer verpflichteten zweiten Teilnahme an einem Theoriekurs ermöglichen; Inhalte der Theoriekurse auf die Theorieprüfung beziehungsweise andersherum anpassen, sodass das abgefragte Wissen auch mit dem vermittelten Wissen übereinstimmt; die deutschsprachige Übersetzung der Theorieprüfung von einer deutschsprachigen Einrichtung überprüfen lassen, damit diese das Absolvieren der Prüfung nicht noch zusätzlich erschwert; die Sprachauswahl der Theorieprüfung in allen Fahrschulzentren ermöglichen, damit Personen unabhängig von ihrer Muttersprache die Prüfung im nächstliegenden Führerscheinzentrum ablegen können und schließlich die Prüfungseinsicht bei Prüfungen im Rahmen des Führerscheinerwerbs mit genauerem Feedback gewähren, damit FahranwärterInnen ihre Fehler nachvollziehen und ihr Wissen weiterentwickeln können. Auch wenn die Wallonische Region zuständig sei, müsse auch die DG-Regierung in dieser Sache „dringend aktiv“ werden, findet der RDJ. Diese sollte sich für die deutschsprachigen Ostbelgier einsetzen, indem sichergestellt wird, dass das Führerscheinzentrum in Eupen in deutscher Sprache erreichbar ist und das Problem der mangelnden Übersetzung in Theoriebuch, Theorieprüfungen und weiterem Material behoben wird. Außerdem sollten neue Unterstützungsangebote entwickelt und bestehende Initiativen gefördert werden. Dafür sollte auch das bestehende Dekret zur Einführung eines Unterrichtsangebots zum theoretischen Fahrschulunterricht überarbeitet werden, sodass es „in der Praxis auch umsetzbar“ sei. Zudem sollten Unterstützungsangebote entwickelt und gefördert werden, damit die Vorbereitung auf die praktische Prüfung für deutschsprachige (junge) Menschen unabhängig ihrer sozialen Herkunft „bezahlbar und zugänglich“ sei.
Die ostbelgischen Liberalen (PFF) bezogen am Dienstag ebenfalls Stellung zu der Problematik: „Selbst wenn ordentliche Bedingungen zum Führerscheinerwerb im Grunde eine positive Sache sind, weil sie zweifelsohne zur Verkehrssicherheit beitragen, dürfen die deutschsprachigen Prüfungskandidaten nicht aufgrund der Sprache und der unkooperativen Haltung des Öffentlichen Dienstes der Wallonie benachteiligt werden“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Föderalabgeordneten Kattrin Jadin und der Regionalabgeordneten Christine Mauel. Nachdem die beiden Abgeordneten aus Polizeikreisen über diese Missstände in Kenntnis gesetzt worden seien, hätten sie beschlossen, gemeinsam der Problematik nachzugehen. Auf regionaler Ebene werde Christine Mauel den wallonischen Mobilitätsminister Philippe Henry (Ecolo) zu der Durchfallquote im Prüfungszentrum in Eupen befragen aber auch nachhaken, wer für die Übersetzung der Prüfungsfragen zuständig war und ob diese eventuell in Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Fahrschulen nachgebessert werden könnten. (red/sc)

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