Sinkende Corona-Zahlen: Hoffnungsschimmer für den Tourismus in Europa

<p>Junge Menschen spazieren durch die Innenstadt von Lissabon.</p>
Junge Menschen spazieren durch die Innenstadt von Lissabon. | Foto: Edson De Souza/TheNEWS2 via ZUMA Wire/dpa

Sinkende Infektionszahlen und steigende Impfquoten sorgen für immer mehr Lockerungen in Europa. Gute Vorzeichen für die Tourismus-Industrie in den Urlaubsländern. Testpflicht und Quarantäneregelungen gibt es für Einreisende jedoch noch in den meisten europäischen Staaten. Ein Überblick:

BALTISCHE STAATEN: Estland, Lettland und Litauen befinden sich trotz nur langsam sinkender Corona-Zahlen auf einem vorsichtigen Lockerungskurs. Die Geschäfte sind in allen drei baltischen Staaten wieder offen, die Gastronomie darf im Außenbereich unter Auflagen wieder Gäste bedienen. Weiterhin sind viele Kultur-, Freizeit- und Unterhaltungsstätten aber dicht. Auch Veranstaltungen in Innenräumen bleiben weitestgehend untersagt. Wer von Belgien oder aus anderen EU-Ländern in einen der drei Baltenstaaten einreist, muss sich registrieren. In Lettland und Litauen ist grundsätzlich ein negativer Test vorzuweisen, in Estland gilt dies für Einreisende aus stärker betroffenen Ländern. Auch gilt eine Quarantänepflicht - davon befreit sind nachweislich Geimpfte und Genesene.

DÄNEMARK: Dort sind die Schutzmaßnahmen nach und nach gelockert worden. Geschäfte, Restaurants und Kneipen sind seit langem wieder offen, gleiches gilt seit kurzem auch für Fitnessstudios und Kinos. Vielerorts ist es vorgeschrieben, per App einen negativen Corona-Test, eine vollständige Impfung oder eine überstandene Infektion vorweisen zu können. Am Freitag werden bis auf Diskotheken alle Einrichtungen geöffnet, die bisher noch geschlossen hatten. Trotz der Öffnungen sind die Neuinfektionszahlen nicht wieder in die Höhe geschossen. Sie liegen weiterhin auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. Auch die Reisebeschränkungen sind zuletzt etwas gelockert worden. Vollständig Touristen kommen auch ohne Impfung, dafür dann aber mit Test- und Quarantänepflicht wieder ins Land. Bedingung ist, dass im Heimatland der Reisenden die Corona-Lage nicht allzu schlimm ist und keine besorgniserregenden Virus-Varianten grassieren.

FRANKREICH: In Frankreich hat am Mittwoch der erste große Öffnungsschritt begonnen. Außenbereiche von Restaurants sowie Kultureinrichtungen und Geschäfte dürfen unter Auflagen wieder Besucher empfangen. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr. Reisen innerhalb des Landes sind erlaubt, auch die Hotels haben geöffnet. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ist in den letzten Wochen stark zurückgegangen. Zuletzt lag sie landesweit bei knapp 150. Mit Stand Dienstagabend sind etwa 31,5 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Wer aus Europa nach Frankreich einreist, braucht einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist. Vorrechte für Geimpfte gibt es derzeit nicht.

GRIECHENLAND: Am 15. Mai fiel der offizielle Startschuss für die diesjährige Saison, seither nimmt die Zahl der Gäste stetig zu. Die Außenbereiche von Cafés, Bars und Tavernen sind unter Auflagen geöffnet. Allerdings herrscht weiterhin ein nächtliches Ausgangsverbot von 0.30 Uhr bis 5 Uhr. Auch gilt Masken- und Abstandspflicht. Musik ist ebenfalls noch verboten, dies soll sich aber bald ändern - die Regierung will damit vermeiden, dass Menschen in Gruppen tanzen oder sich wegen lauter Musik gegenseitig ins Ohr schreien. Griechenland-Besucher müssen vor der Einreise auf der Website https://travel.gov.gr/#/ ihre Daten angeben. Außerdem müssen sie eine abgeschlossene Impfung oder einen höchstens 72 Stunden alten PCR-Test vorweisen - das gilt auch für Kinder ab fünf Jahren. Eine Quarantänepflicht besteht nicht mehr.

GROßBRITANNIEN: Man sitzt wieder im Pub, kann wieder einkaufen und sogar ins Museum, Kino oder Theater gehen: In England und auch anderen britischen Landesteilen sind am Montag umfangreiche Lockerungen in Kraft getreten. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Verbreitung der zunächst in Indien entdeckten Corona-Variante die derzeit gute Infektionslage gefährdet. Derzeit liegt sie Sieben-Tage-Inzidenz bei 22 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Für Einreisende gibt es weiterhin große Hürden: In den meisten Fällen ist eine zehntägige Quarantäne notwendig - bei Hochrisikoländern sogar auf eigene Kosten. Vor der Einreise ist in jedem Fall ein negativer Test notwendig, außerdem müssen am zweiten und achten Tag nach der Einreise PCR-Tests durchgeführt werden. Nur für Länder auf Englands sogenannter „grüner Liste“, auf der aus Europa bislang aber fast nur Portugal steht, gelten weniger strenge Regeln. Ausnahmen für Geimpfte gibt es bislang nicht.

ITALIEN: Das Mittelmeerland plant wegen der sich gut entwickelnden Corona-Lage einige Lockerungen vorzuziehen. Denn mit Ausnahme des kleinen Aostatals gelten in allen Regionen die moderaten Beschränkungen der Gelben Zone. Seit Mittwoch ist dort die Ausgangssperre um eine Stunde verkürzt worden und gilt deshalb erst ab 23 Uhr. Fitnessstudios sollen schon am 24. Mai ihren Betrieb aufnehmen dürfen. In den Gelben Zonen können die Menschen weiterhin Theater, Museen und Kinos besuchen. Bars und Restaurants dürfen ihre Gäste außen am Tisch bedienen. Bereits entfallen ist die fünftägige Mini-Quarantäne für Einreisende aus EU-Ländern. Die Behörden verlangen weiterhin ein negatives Corona-Testergebnis bei Ankunft. Mehr als 30 Prozent der italienischen Bevölkerung sind mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft. Für Negativ-Getestete und Geimpfte gibt es bislang nur wenige Vorteile.

NIEDERLANDE: Die Ausgangssperre ist abgeschafft, Geschäfte dürfen Kunden wieder empfangen und Gaststätten Gäste bedienen - unter Auflagen und nur draußen von 6 bis 20 Uhr. Fitnessstudios und Zoos sind wieder geöffnet, Prostituierte dürfen wieder Kunden empfangen. Verboten sind weiterhin alle Veranstaltungen mit Publikum. Auch Museen, Kinos und Theater bleiben zu. Die Zahl der Neuinfektionen und der Patienten in Krankenhäusern geht zurück. Zur Zeit kommen auf 100.000 Einwohner etwa 205 Neuinfektionen in sieben Tagen. Von den Menschen ab einem Alter von 18 Jahren haben etwa 40 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten. Ausländischen Besuchern raten die Niederlande dringend von Urlaubsreisen ab. Wer dennoch kommen will, muss einen negativen Corona-Test vorweisen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Wenn ein zweiter Test erneut negativ ist, endet die Quarantäne. Geimpfte haben keine Privilegien.

ÖSTERREICH: Seit Mittwoch ist die Quarantänepflicht unter anderem für Einreisen aus Deutschland entfallen. Wer ins Land will, muss aber getestet, genesen oder geimpft sein. Ausnahmen von dieser 3-G-Regel gibt es nur für Kinder unter zehn Jahren. In den wieder geöffneten Restaurants, Hotels, in den Kinos und Theatern werden Zutrittstests verlangt. Für Touristen wird nun ähnlich wie für Einheimische eine umfangreiche Test-Infrastruktur ausgerollt. Ausländische Gäste können sich unter anderem in Test-Straßen und Apotheken kostenlos auf eine Corona-Infektion checken lassen. Die Gültigkeitsdauer der Tests schwankt zwischen wenigen Stunden und 72 Stunden (PCR-Test).

PORTUGAL: Der ehemalige Corona-Hotspot hat nach Island die niedrigsten Infektionswerte Europas. Cafés, Bars und Restaurants sowie Kinos, Theater und andere Kulturstätten dürfen seit 1. Mai auch an den Wochenenden bis 22.30 Uhr offen bleiben. Seit Montag dürfen außerdem Besucher aus EU-Ländern mit einer relativ guten Corona-Lage wieder auch zu touristischen Zwecken einreisen. Alle Besucher über zwei Jahren müssen aber weiterhin einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. In dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern wurden mehr als vier Millionen Impfdosen verabreicht, knapp 1,4 Millionen Bürger sind schon völlig geimpft. Vorteile für Geimpfte oder Genesene gibt es in Portugal allerdings noch nicht.

SCHWEDEN & NORWEGEN: Schweden mit seinem Sonderweg kämpft mit einer der höchsten Neuinfektionszahlen Europas, Norwegen dagegen hat die Pandemie recht gut unter Kontrolle. Die schwedischen Maßnahmen - darunter eine Teilnehmerobergrenze für Veranstaltungen von acht Personen und die Schließung von Restaurants, Kneipen und Cafés um 20.30 Uhr - gelten vorläufig bis zum 1. Juni, Norwegen dagegen hat Mitte April den schrittweisen Rückweg aus den Maßnahmen begonnen. Damit die Lage in Norwegen weiter gut bleibt, hat die Regierung in Oslo die Grenzen für Menschen aus dem Ausland praktisch geschlossen. Wer trotzdem einreisen darf - etwa, weil er Waren transportiert oder systemrelevante Funktionen erfüllt - für den gelten umfangreiche Test- und Quarantäneregeln. In Schweden ist all das lockerer. Ausländer müssen bei der Einreise einen negativen, maximal 48 Stunden alten Corona-Test vorweisen können. Die nationale Gesundheitsbehörde empfiehlt darüber hinaus, sich nach der Ankunft sowie noch einmal fünf Tage danach testen zu lassen und Kontakte für sieben Tage zu vermeiden.

SCHWEIZ: Dank sinkender Infektionszahlen stehen in der Schweiz die Zeichen auf weitere Lockerungen. So kann sich die Regierung unter anderem vorstellen, Ende Mai auch die Innenräume der Restaurants zu öffnen oder auch wieder größere Veranstaltungen zu erlauben. Schon jetzt ist Urlaub in der Schweiz praktisch kein Problem: Hotels, Museen, Läden, Theater, Kinos, Zoos und Freizeitparks sind geöffnet. Auf Restaurantterrassen ist Essen und Trinken erlaubt. Negative Corona-Tests sind zum Betreten nicht nötig, insofern gibt es auch keine besonderen Zugeständnisse für Geimpfte. Es gelten aber überall Höchstzahlen für Besucher, sowie Abstandsregeln und Maskenpflicht. Wer mit Auto, Bus oder Bahn anreist, muss sich elektronisch registrieren, bei Flugreisen ist ein negativer Coronatest nötig. In Quarantäne müssen nur Einreisende aus Risikogebieten.

SPANIEN: Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug zuletzt nur noch 60. In einigen Urlaubsregionen wie Valencia (ca. 13) oder den Balearen (ca. 17) mit Mallorca ist die Lage sogar noch entspannter. Es herrschen aber weiterhin einige Einschränkungen und Regeln. Auf den Balearen gibt es zum Beispiel noch eine nächtliche Ausgehsperre, und die Innenräume von Bars, Restaurants und Cafés müssen noch mindestens bis Sonntag geschlossen bleiben. Die Maskenpflicht auch im Freien gilt derweil weiterhin fast überall im Land. Die Einreise aus allen EU- und Schengen-assoziierten Staaten nach Spanien ist grundsätzlich möglich. Die Testpflicht für Einreisen aus einem Risikogebiet besteht aber weiter. Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in einige Regionen Spaniens, darunter Madrid, Katalonien oder das Baskenland, wird in Berlin allerdings aufgrund der relativ hohen Infektionszahlen noch gewarnt. Mehr als 15 Prozent der 47 Millionen Bürger des Landes sind bereits völlig geimpft.

TÜRKEI: Für Menschen in der Türkei gelten immer noch Ausgangsbeschränkungen in der Nacht und am Wochenende. Touristen sind davon aber ausgenommen. Laut offiziellen Angaben sind die Neuinfektionen in den vergangenen Wochen rapide zurückgegangen: Mitte April lagen die noch bei zeitweise über 60.000, Mitte Mai dann bei rund 11.000. Bisher haben rund 18 Prozent der Menschen mindestens eine erste Impfung bekommen. Wer aus Deutschland einreist, muss bisher noch einen negativen PCR-Test vorweisen. (dpa/sc)

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