Zugegeben, es ist nicht einfach umgehen mit der Lohnnorm und der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, wo die Corona-Epidemie die Betriebswelt doch so unterschiedlich getroffen hat.
Aber das Bild beim Artikel von Gerd Zeimers zu den Lohnverhandlungen (Mittwochausgabe S.6) zeigt ein Plakat, welches doch eines Kommentares würdig ist. Das Plakat spricht von einem Hungerlohn für die Mitarbeiter und 180 Millionen Dividende bei Colruyt (Brutto – also geht ein Teil davon an den Staat, zusätzlich zur Gewinnsteuer). In Relation zur Gehaltsmasse welche Colruyt aufbringt, ist dies nicht sehr viel. Alleine die Arbeitgeberbeiträge zur sozialen Sicherheit betragen fast das Doppelte der ausbezahlten Dividende und die gesamten Lohnkosten mit Nebenkosten dürften etwa neun Mal höher liegen als die Dividende.
Zugegeben, es geht Colruyt nicht schlecht, aber wie jeder Betrieb hat Colruyt die Gehälter indexiert; in einem Jahr in Belgien mehr als 600 zusätzliche Arbeitplätze geschaffen und dem Personal einen zusätzlichen Urlaubstag gewährt als Anerkennung für die besonderen Leistungen während der Pandemie. Dann eine Dividende anprangern, welche weniger beträgt als die Hälfte des Gewinnes nach Steuern (der Rest wird einbehalten um die Gesellschaft zu stärken und weiter auszubauen), zeugt von einer sehr begrenzten Sichtweise der Gewerkschaften.
Wo ständen die Arbeitnehmer, wenn es nicht so viele Betriebe und Selbstständige gäbe, die unternehmen und für Arbeitsplätze sorgen. Und die Lohnnorm wurde geschaffen um die belgischen Betriebe wettbewerbsfähig zu halten.
P.S.: Ich habe selber keine Aktien von Colruyt und genieße also keinen Teil dieser Dividende. Aber ich habe großen Respekt vor dieser Gruppe, welche ein Vorreiter ist in allem, was Nachhaltigkeit betrifft.
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