„Hohes Venn“ als Label

Seit Jahren versucht die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit viel Geld den umstrittenen Begriff „Ostbelgien“ als Name durchzusetzen, obwohl der Begriff ungesetzlich ist und außerhalb unserer neun Gemeinden Niemandem zu vermitteln ist.

Nun wird mit dem sprachlich fragwürdigen Label „Made in Ostbelgien“ auch Produktwerbung außerhalb der DG gemacht. Dabei weiß jeder, der etwas von Marketing versteht, dass eine Standortmarke für den Verkauf förderlich und nicht hinderlich sein sollte.

Dabei bietet sich für unsere heimischen Produkte unter dem Begriff „Hohes Venn“ ein wahrer Verkaufsschlager an. Nach welchem Ziegenkäse, welchem Senf und welcher Seife würden Sie als flämischer, wallonischer oder deutscher Käufer greifen? Nach einem Produkt der Marke „Made in Ostbelgien“ oder einem mit der Aufschrift „Hohes Venn – Hautes Fagnes – Hoge Venen“?

Auch das seltsame Logo, das an den Titel eines erotischen Romans erinnert, könnte man sich sparen und dem Herkunftsort der Produkte entsprechend durch den hübschen Wattebausch von Wollgras ersetzen.

Beides wäre jedenfalls verkaufsfördernder für hiesige Produkte als die kostspieligen Gedankenspiele von ausländischen Werbeagenturen.

Kommentare

  • Dass es in Wirklichkeit nicht (nur) um ein Label und eine Standortmarke, sondern mittelfristig darum geht, den verfassungsmäßig verankerten Begriff „Deutschsprachigen Gemeinschaft“ zu ersetzen, müsste mittlerweile jedem aufgefallen sein.

    Wie sonst lässt sich die sukzessive Umbenennung aller Einrichtungen der DG mit dem Zusatz Ostbelgien erklären, obwohl alle diese Einrichtungen nicht für Ostbelgien zuständig sind?

    So prangt an der Fassade der Familienzulagenkasse der DG am Kaperberg in großen beleuchteten Lettern „OSTBELGIEN“, sonst nichts.
    Am Sitz des Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Gospert 42 ist zu lesen: „Ostbelgien - Sitz des Ministerpräsidenten“, sonst nichts.
    Kürzlich wurde eine Umfrage zur Kleinkindbetreuung in Ostbelgien gestartet mit dem Hinweis, dass diese Umfrage nicht die französischsprachigen Gemeinden betrifft. Warum keine Umfrage zur Kleinkindbetreuung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

    Auch in den Medien wird der Begriff Ostbelgien mittlerweile völlig wahllos genutzt: Die 2 ostbelgischen Krankenhäuser? Auch von ostbelgischer Regierung und ostbelgischem Parlament war bereits die Rede.
    Auf allen möglichen und unmöglichen Orten, Veröffentlichungen, Schreiben,... prangt der Ostbelgien-Schriftzug und das Ostbelgien-Logo.
    Auf dem offiziellen Briefpapier des Ministeriums der ...Deutschsprachigen Gemeinschaft muss man ... Deutschsprachige Gemeinschaft fast mit der Lupe suchen. Ostbelgien lacht einen markant an.

    Das Zentrum für ostbelgische Geschichte hat den Begriff Ostbelgien unmissverständlich definiert. Demnach ist Ostbelgien nicht gleichbedeutend mit Deutschsprachiger Gemeinschaft.
    Warum dies die Urheber und Protagonisten des Standortmarketings wohl nicht interessiert? Siehe oben.

  • Ja, Herr Leonard, dieses verschwommene "Ostbelgien" ist eigentlich ein Zeichen für einen eklatanten Mangel an Identität der "Deutschsprachigen Gemeinschaft".

    Zwei Gebiete, die im Laufe der wechselvollen Geschichte nie zusammengehört haben, zwischen denen das Hohe Venn nicht als einigendes Element, sondern als Trennung liegt. Deshalb kann ich den Vorschlag von Herrn Bauer nicht so recht nachvollziehen.

    Zum "Made in Ostbelgien": Um welches handelt es sich denn, da die Standortmarke ja ganz bewusst vage gehalten wurde:
    Die 9 deutschsprachigen Gemeinden?
    Dieselben plus Malmedy und Weismes? Nun findet man bei denen nirgends einen Hinweis darauf. Deren Zugehörigkeitsgefühl zu diesem Konstrukt scheint sich in Grenzen zu halten. Dass angedacht war, noch weitere "Randgemeinden" (Welche? Welkenraedt? Baelen? Aubel?) einzubeziehen, war wohl eine Illusion.

    Beispiel: Das Regionalgeld "Sous-Rire" - so es das überhaupt noch gibt - sollte "Lierneux Malmedy Stoumont Stavelot Trois-ponts Vielsalm Waimes" nach vorne bringen. Kein Blick zu den deutschsprachigen - von dort aus gesehen - "Randgemeinden".

    Ausnahme: Die "Tourismusagentur Ostbelgien" schließt Malmedy und Weismes ein, was durchaus sinnvoll ist bei der Vermarktung als Tourismusregion.
    Aber auf Französisch firmiert die unter dem Uraltbegriff "Agence du Tourisme des Cantons de l'Est"
    Auf der Vitrine im Zentrum der Warchestadt prangt die Aufschrift: "Maison du Tourisme des Hautes Fagnes - Cantons de l'Est"

    Der Markenname "Hautes Fagnes" ist also schon vergeben.
    Und "Made im Hohen Venn"? Da fällt einem nur das Peak-Bier ein, das im Sourbrodter Venn gebraut wird, aber selbst das nennt sich "Belgium Peak Beer"...

  • Mit seiner Einschätzung liegt Dieter Leonard vollkommen richtig. Ich erinnere mich noch gut an die Vorstellung der „Marke“ Ostbelgien durch die Regierung der DG. Damals war nur die Rede von Standortmarketing. Zumindest offiziell. In Wirklichkeit ging es von Beginn an darum, den zugegeben sperrigen und vielleicht auch obsoleten Begriff „Deutschsprachige Gemeinschaft“ mittelfristig zu ersetzen.

    Die Irritationen der ebenfalls in Ostbelgien gelegenen frankophonen Nachbargemeinden (vor allem von Malmedy und Waimes) wurden dabei billigend in Kauf genommen. Wer erinnert sich noch an die Reaktion von Bürgermeister Bastin am 9. Januar 2020 beim Festakt im Senat anlässlich der 100 jährigen Zugehörigkeit von Eupen-Malmedy zu Belgien? In seiner anschließenden Charmeoffensive versprach MP Paasch künftig eine engere Zusammenarbeit mit diesen Gemeinden – nicht alleine im Bereich Tourismus. Die Corona-Pandemie hat auch hier den Mantel des Vergessens ausgebreitet.

    Missfallen hat mir damals die Vorgehensweise: Von Beginn an setzte die Regierung auf die normative Kraft des Faktischen. Dabei wurden und werden auch sonderbare Begriffsverwirrungen in Kauf genommen. Inzwischen dürfte sich allerdings herausgestellt haben, dass die Bezeichnung Ostbelgien vor dem Hintergrund der Diskussion um eine Vierte Region wahrscheinlich alternativlos ist.

    Dieter Leonhard muss sich also nicht wundern, wenn er bei der Suche nach dem Begriff Deutschsprachige Gemeinschaft auf dem offiziellen Briefpapier des Ministeriums demnächst eine Lupe benötigt.

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