Dem historischen Datum widmete der flämische Rundfunk am Samstag ein großes Feature. Die Frauen (mit Ausnahme von Prostituierten und Ehebrecherinnen) durften damals ihre Stimme bei den ersten Kommunalwahlen nach dem Ersten Weltkrieg abgeben. Außerdem, daran erinnert die VRT, durften zum ersten Mal auch Frauen gewählt werden. Allerdings wurde ihre Zahl begrenzt.
Was viele vielleicht nicht wissen: Bei den Parlamentswahlen von 1919 gab es bereits eine sehr begrenzte Anzahl von Wählerinnen. Es waren Frauen, die während des Krieges wegen patriotischer Handlungen von den deutschen Besatzern inhaftiert worden waren, aber auch Witwen oder Mütter von gefallenen Soldaten oder Zivilisten, die von den Besatzern getötet worden waren. „Insgesamt gab es nur 11.823 Wählerinnen. Diese Zahl ging danach zurück, vor allem weil Kriegswitwen, die wieder heirateten, ihr Wahlrecht verloren“, heißt es auf der Webseite des flämischen Rundfunks.
Die ersten Wahlen mit Frauen vor 100 Jahren hätten allerdings keine Revolution eingeläutet, berichtet die VRT weiter: „Die Zahl der gewählten Frauen war minimal und sollte in den folgenden Jahrzehnten nur leicht ansteigen. Weibliche Bürgermeister verdankten ihre Position meist ihrer Verwandtschaft mit prominenten Männern.“ Erinnert sei aber beispielsweise an die sozialistische Aktivistin Marie Spaak-Janson. Sie war die erste Frau, die Ende 1921 ins Parlament einzog (als kooptierte Senatorin), kurz nachdem sie als Gemeinderätin von Sint-Gilles (Brüssel) gewählt worden war. Sie war die Mutter des bekannten Staatsmannes Paul-Henri Spaak.
Dennoch: Selbst als Frauen 1948 das Wahlrecht bei allen Wahlen erhielten, stieg die Zahl der weiblichen Abgeordneten nicht spektakulär an. Erst die Einführung von Quoten am Ende des vergangenen Jahrhunderts ließ diese Zahl förmlich explodieren. (mv)

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