Kommentar zum Rücktritt von Hansi Flick: Konsequent

<p>Hansi Flick wird nach der Saison nicht weiter als Bayern-Trainer arbeiten.</p>
Hansi Flick wird nach der Saison nicht weiter als Bayern-Trainer arbeiten. | Foto: dpa

Flick hatte zuletzt kein Hehl daraus gemacht, wie sehr ihn der Machtkampf mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic zermürbt. Dass er sich an der Dauerfehde eine „Teilschuld“ gab, ehrt ihn. Zu kitten war der tiefe Riss dennoch nicht mehr. Und so zog der prinzipientreue Flick die Konsequenzen. Wie einst als DFB-Sportdirektor, als er genervt von den Verbandsstrukturen hinwarf. Oder als Geschäftsführer in Hoffenheim, das er zermürbt von internen Querelen verließ. Um erfolgreich zu sein, brauche er ein harmonisches Umfeld, sagte Flick. Das fand er beim stets aufgeregten „FC Hollywood“ nicht (mehr) vor. Die Hauptschuld daran trägt aus Sicht des Anhangs Salihamidzic, den viele als vermeintliche Verkörperung der dunklen Seite der Macht zum Teufel wünschen.

Doch Flicks Abschied ist die Bankrotterklärung der gesamten Führungsetage. Sie hat seine auch öffentlichen Hilferufe ignoriert, mit Ausnahme von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat keiner der Bosse um den Erfolgscoach gekämpft. Der noch immer mächtige Ehrenpräsident Uli Hoeneß muss sich sogar vorwerfen lassen, die Trennung mit der Unterstützung seines Ziehsohnes Salihamidzic forciert zu haben. Vor allem der designierte Klubchef Oliver Kahn gab in dieser Kernfrage ein schwaches Bild ab.

Und doch ist auch die Haltung der Chefriege aus Klubsicht konsequent. Dass ein Trainer – wie Flick es einforderte – in Transferfragen entscheidend mitreden darf, war bei den Münchnern noch nie vorgesehen. Selbst Starcoach Pep Guardiola hatte nur einen einzigen Wunsch frei („Thiago oder nix!“) – und ging deshalb nach Vertragsende leichten Herzens zu Manchester City, wo seine Machtfülle als Teammanager wesentlich größer ist. Und auch Trainer wie den großen Gentleman Ottmar Hitzfeld oder Triple-Coach Jupp Heynckes haben die Bayern schon in die Wüste geschickt. Sollte sie ein Flick-Nachfolger nun auch noch viel Geld kosten, das dringend in die Mannschaft investiert werden müsste, wäre das Management-Desaster komplett.

Der deutsche Fußball darf den Münchner Komödienstadel mit Freude verfolgen. Dass sich die Bayern in schweren Zeiten neu aufstellen müssen, dürfte die Chancen der Herausforderer vergrößern. Und der DFB kann in Flick nun den bestmöglichen Erben für Joachim Löw verpflichten. (sid/tf)

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