Landesweiter Streik: Volvo stellt Produktion ein

<p>Die Produktion bei Volvo in Gent steht still.</p>
Die Produktion bei Volvo in Gent steht still. | Foto: belga

Die beiden Gewerkschaften wollen ein überberufliches Abkommen (ÜBA) für 2021 und 2022 zum Wohle von rund vier Millionen Arbeitnehmern erreichen. Die Verhandlungen sind allerdings derzeit in eine Sackgasse geraten. Die Arbeitgeber verweigern eine Lohnerhöhung über 0,4 Prozent hinaus, während die Gewerkschaften nichts von einer auf 0,4 % gedeckelten Lohnnorm (zusätzlich zur automatischen Lohnindexierung) für die nächsten zwei Jahre hören wollen.

Die CSC und die FGTB erwarten Anstrengungen von denjenigen Branchen, die aus der Coronakrise als Gewinner hervorgehen konnten. Die Gewerkschaften stellen fest, dass die Dividenden an die Aktionäre fließen, für die Mitarbeiter aber nichts geplant ist. Sie fordern auch eine Erhöhung des Mindestlohns und Vereinbarungen über das Ende von Karrieren.

Die CGSLB hat indes nicht zur Teilnahme aufgerufen, da sie einen solchen Schritt für verfrüht hält, „besonders in der gegenwärtigen Situation der Gesundheitskrise“. Die CGSLB hält die Lohnspanne von 0,4 % zwar ebenfalls für unzureichend, befürwortet aber „alternative Aktionen zur Sensibilisierung der Bevölkerung, um Arbeitgeber und die Regierung zu überzeugen“.

ÖPNV wird bestreikt.

Vor allem der öffentliche Nahverkehr wird am Montag durch Gewerkschaftsaktionen gestört werden. Bei der SNCB, der STIB, TEC und De Lijn wurden Streiks angekündigt.

Bei der SNCB begannen die Störungen am Sonntag um 22 Uhr, und der normale Verkehr soll erst 24 Stunden später wieder aufgenommen werden. Um die Auswirkungen auf den Zugverkehr so gering wie möglich zu halten, hat man einen alternativen Fahrplan ausgearbeitet, der auf der Anzahl der Mitarbeiter basiert, die nicht an der Aktion teilnehmen werden.

Wie es am Montagmorgen aussah, fuhr jeder zweite Zug planmäßig. „Das läuft alles wie geplant“, bestätigte SNCB-Sprecher Dimitri Temmerman am Montagmorgen. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Züge fährt. Das betrifft zum Beispiel etwa zwei von drei IC-Zügen zwischen den Großstädten und zwei Drittel der S-Bahnen und der lokalen L-Züge.

Der Text geht unter dem Bild weiter.

<p>Der Zugverkehr ist am Montag stark beeinträchtigt.</p>
Der Zugverkehr ist am Montag stark beeinträchtigt. | Foto: belga

Die meisten P-Züge, die in den morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten eingesetzt werden, sind dagegen nicht eingesetzt worden.

Der Bahnstreik hat indes normalerweise kaum Auswirkungen auf den internationalen Zugverkehr. Züge wie Thalys, Eurostar, TGV Inoui, ICE und IC Nederland werden laut der Webseite SNCB Europe planmäßig fahren. Es kann jedoch Auswirkungen auf kurze grenzüberschreitende Strecken geben, zum Beispiel von und nach Roosendaal, Maastricht, Aachen, Luxemburg, Lille oder Maubeuge/Aulnoye. Die SNCB rät Reisenden, die SNCB-App zu konsultieren, die auch anzeigt, wie voll es in den Zügen ist.

Auch Unternehmen werden bestreikt.

Auch in Unternehmen aller Branchen sind Aktionen geplant. Die Gewerkschaftsvertreter glauben, dass die Mobilisierung groß sein wird. „Vor allem in Unternehmen, in denen die Menschen während der Krise weiter gearbeitet haben. Manchmal unter schwierigen Umständen. Die Leute wollen, dass diese Flexibilität belohnt wird“, kommentiert William Van Erdeghem von ACV/CSC Metea. In der Textil- und Metallbranche werden etwa 400 Unternehmen von Streiks betroffen sein.

Rund 70 % der Technologieunternehmen sind vom Streiktag betroffen, schätzte der Branchenverband Agoria am Montag. Nach Angaben des Verbandes haben 30 % dieser Unternehmen mehr als 75 % ihrer Tätigkeit eingestellt.

Es wurde erwartet, dass die Produktion in einigen großen Unternehmen wie Audi in Forest, Volvo Trucks in Gent und Van Hool in Lier komplett zum Erliegen kommt. Wie die Nachrichtenagentur Belga am Montagmittag berichtete, war das zumindest für das Volvo-Werk in Gent der Fall. Hier soll die Produktion erst wieder am Dienstag anlaufen. Die weltweite Verknappung von Halbleitern und der von CSC und FGTB ausgerufene Streik hätten dazu geführt, dass die Fabrik am Montag sechs Schichten einstellte, so Belga.

In Brucargo in Zaventem, wo viele Logistikunternehmen, die während der Krise gewachsen sind, konzentriert sind, haben die Gewerkschaften eine Straßensperre am Kreisverkehr in der Nähe des Flughafens eingerichtet.

Der Text geht unter dem Bild weiter.

<p>In Brucargo in Zaventem, wo viele Logistikunternehmen, die während der Krise gewachsen sind, konzentriert sind, haben die Gewerkschaften eine Straßensperre am Kreisverkehr in der Nähe des Flughafens eingerichtet.</p>
In Brucargo in Zaventem, wo viele Logistikunternehmen, die während der Krise gewachsen sind, konzentriert sind, haben die Gewerkschaften eine Straßensperre am Kreisverkehr in der Nähe des Flughafens eingerichtet. | Foto: belga

Auch einige Supermärkte könnten vom landesweiten Aktionstag betroffen sein. „Die Entschlossenheit ist groß. Wir erwarten eine niedrige Belegungsrate in den Supermärkten“, sagt Kristel Van Damme von ACV Puls (CNE).

„Mit dem Willen, die Corona-Maßnahmen strikt zu respektieren, werden die Arbeiter auf ihre eigene Weise auf den Aufruf zur Mobilisierung reagieren: vor ihrem Unternehmen, mit Streiks zu Hause oder mit symbolischen Aktionen. Alle privaten Sektoren sind betroffen: Dienstleistungsgutscheine, Handel, Industrie, Transport und Logistik, der Non-Profit-Sektor, das Gesundheitswesen und Unternehmen für angepasste Arbeit“, erklärte die CSC in einer Pressemitteilung.

Die Arbeitgeber sind indes nicht glücklich über eine solche Mobilisierung mitten in einer Pandemie. „Der heutige Streik, ein völlig vermeidbarer wirtschaftlicher Schaden, ist ein Dolchstoß“, teilte der flämische Arbeitgeberverband Voka mit. Letzterer weist darauf hin, dass ein solcher Tag den Ruf unseres Landes auf der internationalen Bühne ruinieren kann. „Wir sollten die Art und Weise nicht unterschätzen, in der große internationale Unternehmen ihren Hauptsitz hier sehen werden. Kein Land in Europa würde mitten in einer Coronakrise einen nationalen Streik riskieren“, hieß es weiter: „Und das schadet dem Image des Landes mehr, als wir uns vorstellen können.“

Aktionen in der DG.

Derweil kündigte die CSC Lüttich-Verviers-Ostbelgien auch Aktionen in der Region an. So würden vier entsprechend dekorierte CSC-Autokorsos durch die Ortschaften und Gewerbegebiete der Provinz Lüttich touren. „Unser Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die Prioritäten der Arbeitswelt zu lenken, nämlich eine indikative Marge für Lohnerhöhungen, eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns und der Niedriglöhne, Abkommen zur Verbesserung der Berufslaufbahn und des Laufbahnendes, aber auch die Änderung des ungerechten Gesetzes über die Lohnnorm von 2017“, betonte CSC-Regionalsekretär Marc Niessen im Vorfeld.

Außerdem findet gegen 14.30 Uhr eine symbolische Aktion vor dem Parlament der DG (PDG) statt. Pressemeetings gibt es am Montag am PDG und bereits am Montagmorgen um 9.30 Uhr beim Unternehmen Emerson in Welkenraedt. (belga/mv/sc)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment